|
Mehr Macht
den Professoren? |
|
|
|
GASTKOMMENTAR VON STEFAN GALLER (Die Presse) 25.06.2002 |
|
|
Der
Autor ist habilitierter Universitätslehrer am Institut für Zoologie der
Universität Salzburg.
Mehr Macht den
Professoren!"; das ist der Grundtenor von einigen Äußerungen, die in
Zusammenhang mit der Universitätsreform öffentlich verbreitet wurden. Solches
Denken wird auf Verständnis stoßen, wenn unter "Professoren"
irrtümlicherweise die Gesamtheit aller Universitätslehrer verstanden wird. In
Wahrheit aber beschränkt sich die Bezeichnung "Professor" in diesem
Zusammenhang nur auf eine Minderheit von Personen: Viele davon wurden auf
Professorenstellen berufen, andere ohne Berufungsverfahren übergeleitet. Da es
viel mehr hochqualifizierte Universitätslehrer als
Professorenstellen gibt, heben sich Inhaber von Berufungsprofessuren in ihrer
Qualifikation nicht unbedingt von anderen Universitätslehrern ab.
Die für
eine Professur notwendigen qualitativen Anforderungen werden bei der
"Habilitation" eines Universitätslehrers überprüft. Habilitierte
Universitätslehrer haben nach geltendem Recht die gleichen Aufgaben wie
Professoren, sie gehören jedoch weiterhin zum sogenannten
"Mittelbau" und werden schlechter entlohnt. Universitätslehrer sind
Forscher und Lehrer zugleich. Hinsichtlich der Forschung können sie mit
Unternehmern, hinsichtlich der Lehre mit Schullehrern verglichen werden.
Wie sähe
die freie Wirtschaft aus, wenn ein großer Teil der erfolgreichen Unternehmer
gesetzlich als zweitklassig eingestuft würde? Wie die Schulen, würden die
Lehrer trotz gleicher Leistung und Kompetenz in zwei Klassen eingeteilt? Eine
solche Benachteiligung ist wegen des Mangels an Professorenstellen für einen
Großteil der Universitätslehrer Realität!
Im neuen
Universitätsgesetz soll diese Ungleichheit noch drastisch verschärft werden. Es
ist verwunderlich, daß die Machtfülle der Professoren
weiter gesteigert werden soll, noch ehe die Ergebnisse der ersten
Leistungserhebung an den Universitäten vorliegen.
Ein
Kopfschütteln war auch die Reaktion des Nobelpreisträgers Sir Andrew Huxley,
ehemaliger Präsident der Royal Society, als ich ihm bei einem Besuch mein
Salzburger Labor zeigen durfte. An Huxleys Institut, dem Trinity
College Cambridge, das mehr Nobelpreisträger hervorgebracht hat als ganz
Frankreich, ist Gleichberechtigung aller Wissenschaftler das oberste Gebot. In
den weltweit führenden Wissenschaftsnationen des angloamerikanischen Raums ist
jeder, der nach dem Doktorat eine Uni-Stelle erwirbt, vom ersten Tag an ein
freier sich selbst verantwortlicher Wissenschaftler - wie seine um Jahrzehnte
älteren Kollegen.
Wie
sinnvoll das ist, zeigt auch die Tatsache, daß die
meisten Nobelpreis-gekrönten Arbeiten von jungen
Wissenschaftlern angefertigt wurden, die hierzulande etwa ein bis zwei
Jahrzehnte auf ihre Vollwertigkeit (Professorenstelle) warten müßten.
Die Leistung
an Österreichs Universitäten kann tatsächlich auch bei gleichbleibenden
Kosten allein durch eine Motivationssteigerung entscheidend verbessert werden.
Dazu müssen alle Universitätslehrer, die durch die Habilitation ihre
Professorenwürdigkeit unter Beweis gestellt haben, kostenneutral in die Gruppe
der Professoren überführt werden.
Um die
Motivation aller Universitätslehrer anhaltend zu fördern, sollte im
Besoldungssystem eine Komponente integriert werden, die auf den Ergebnissen
einer regelmäßig durchgeführten individuellen Leistungsanalyse in Forschung,
Lehre und Verwaltung beruht. Näheres unter
http://www.sbg.ac.at/aggaller/doz/aoup1.htm
Dieser Kommentar drückt die persönliche Meinung des Autors aus.