02.02.2017

Adventures of the Study of Antiquities

From the struggle for grassland in ancient Rome and the most recent archaeological finds in Greece to the discovery of Augustine texts -- Researchers gave an overview of their work on the 50th anniversary of the Ancient and Classical Studies.

Sie gehörten zu den ersten Kindern der 1962 neu gegründeten Paris Lodron Universität: Die altertumswissenschaftlichen Fächer wurden in den ersten Jahren nach Wiedererrichtung der Universität konstituiert. Jetzt sind sie ein halbes Jahrhundert in Salzburg beheimatet. Im Dezember 2016 wurde dieses Jubiläum mit einem prominent besetzten Symposion gefeiert. Alle Teilbereiche der Altertumswissenschaften - das sind Archäologie, Alte Geschichte und Klassische Philologie - waren mit exzellenten Experten vertreten.

Altertumswissenschaften - wen interessieren die? Viele. Zumindest ist das für die Archäologie bestätigt. 85 Prozent der Österreicher/innen halten sie für wichtig oder sehr wichtig. Das hat eine Studie des Archäologieprofessors Raimund Karl von der Universität Bangor in Wales ergeben. Zwei Drittel würden bei archäologischen Forschungen gern mitmachen. Wer will nicht erforschen, wie alte Kulturen und Zivilisationen entstanden? Unter glühender Sonne ebenso wie bei Wind und Wetter antike Überreste aus dem Boden holen, mysteriöse Grabkammern entdecken? Die verwegene Film-Figur des Indiana Jones hat wie keine andere das Image des abenteuerlustigen Archäologen geprägt.

Wenn auch nicht nach spektakulärer Indiana-Jones-Manier - viel Feldarbeit leisteten und leisten die Salzburger zum Beispiel auf der griechischen Insel Ägina. Seit der Errichtung der Professur für Klassische Archäologie ist die Erforschung des antiken Siedlungshügels dieser Insel ein Forschungsschwerpunkt der Universität Salzburg. Das Kap Kolonna - nordwestlich des Hauptortes Ägina der gleichnamigen Insel gelegen - zählt zu den wichtigsten archäologisch erfassten Siedlungsstätten in Griechenland und zu den Plätzen mit der längsten Nutzungsdauer - von der neolithischen bis zur byzantinischen Zeit. Im vorgeschichtlichen Griechenland war es einer der bedeutendsten Handelsplätze.

Heute noch weithin sichtbar sind die Reste eines Apollon-Tempels. Die einzige noch aufrechte Säule dieses Tempels bot in der frühen Neuzeit den venezianischen Seefahrern ein markantes Orientierungszeichen (italienisch colonna) und hat der Ausgrabungsstätte ihren Namen gegeben.

„Was Ägina-Kolonna auszeichnet, ist die einzigartige Mannigfaltigkeit der Siedlungsstrukturen. Hier wurden mehrere befestigte Stadtanlagen der Bronzezeit übereinander errichtet. Hier sind meterhohe Schichten von Gebäuden der archaischen bis zur hellenistischen Periode erhalten. Unsere Grabungen geben Aufschluss über die Anfänge der städtischen Entwicklung und fördern nicht nur Artefakte, sondern aufschlussreiche Befunde aus Materialbeprobungen zutage“, sagt Archäologie-Bereichsleiter Universitätsprofessor Wolfgang Wohlmayr.

Mit den Grabungen in Ägina-Kolonna verfüge Salzburg über ein archäologisches Alleinstellungsmerkmal, betonte Dr. Sabine Ladstätter beim Festvortrag zum Salzburger Jubiläum. Ladstätter ist Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts in Wien und als Leiterin der österreichischen Ausgrabungen in Ephesos eine der renommiertesten Archäologinnen Europas. „Ägina steht ebenbürtig neben Ephesos“, so Ladstätter. Ephesos kam Ende August 2016 in die weltpolitischen Schlagzeilen, als das türkische Außenministerium die Grabungen dort aufgrund der diplomatischen Spannungen mit Österreich einstellen ließ. Ephesos war im Altertum eine der bedeutendsten Städte Kleinasiens und beherbergte mit dem Tempel der Artemis eines der Sieben Weltwunder. Im Jahr 2015 wurde Ephesos von der UNESCO in die Liste des Kulturwelterbes aufgenommen.

Nicht nur im Boden, sondern auch in alten Büchern entdecken Salzburger Altertumswissenschaftler immer wieder Neues aus der Antike. „Eine Sensation war im Jahr 2012 die Auffindung des ältesten lateinischen Evangelienkommentars aus dem 4. Jahrhundert durch Lukas Dorfbauer“, sagt Dorothea Weber, Universitätsprofessorin für Latinistik und Leiterin des Fachbereichs Altertumswissenschaften. Damit nicht genug, gelang es 2016 Clemens Weidmann, neue Augustinus-Predigten zu identifizieren und zu publizieren.

Die Genannten gehören einer Arbeitsgruppe der Salzburger Altphilologen (Bereich Latinistik) an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Schriften der lateinischen christlichen Autoren der Spätantike in wissenschaftlich gesicherten Editionen zugänglich zu machen. Das geschieht im Rahmen einer der ältesten Forschungsinstitutionen Österreichs, des CSEL (Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum). Es hat 2012 an die Universität Salzburg angedockt und bereichert hier eine höchst lebendige Klassische Philologie, die die Bedeutung der alten Sprachen und deren Literaturen im wissenschaftlichen Gespräch mit Mittelalter-Disziplinen, Judaistik, Philosophie und Theater erforscht.  

Gut nach außen hin sichtbar ist die Salzburger Altphilologie mit dem neuen Schwerpunkt Rhetorik. „In politischen Reden zum Beispiel ist der Aspekt der Herrschaft durch Sprache sehr interessant“, sagt Universitätsprofessor Thomas Schirren, Bereichsleiter Gräzistik. „Salzburg ist mit der Rhetorik in einer sehr guten Position“, bestätigt der frühere Wissenschaftsminister und Klassische Philologe Karlheinz Töchterle.  

Eine deutliche Neuorientierung hat in den letzten Jahren auch der Bereich Alte Geschichte erfahren. Weg von der Ereignisgeschichte, hin zur antiken Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Mit welchen kriminellen Machenschaften haben etwa habgierige römische Immobilienspekulanten und Herrscher/innen wie Marc Anton oder Messalina Mitkonkurrenten ausgeschaltet? Man scheute nicht vor Mord und Totschlag zurück. Besonders begehrt waren die prächtigen Gärten Roms, ein Thema mit dem sich Universitätsprofessorin Monika Frass, die neue Bereichsleiterin für Alte Geschichte (Nachfolge von Herbert Graßl), intensiv beschäftigt. „Schon im antiken Rom kämpften Kritiker gegen die Verbauung alter traditioneller Grünflächen“, sieht Frass Parallelen zur Gegenwart.  „Das traditionelle Grünland, ursprünglich agrarisch genutzte Flächen, wurde von Ziergärten und Parks mit großartigen Villenanlagen immer mehr verdrängt. Reiche kauften alles auf und verbauten es, sogar antike sakrale Flächen, ehemalige Begräbnisstätten Armer, fielen dem Prestigestreben und Repräsentationsbedürfnis der Mächtigen zum Opfer.“

Foto v.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Wohlmayr, Univ.-Prof. Dr. Dorothea Weber, Univ.-Prof. Dr. Monika Frass und Univ.-Prof. Dr. Thomas Schirren.

Kontakt: Univ.Prof. Dr. Wolfgang Wohlmayr, Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Tel.: +43 662 8044 4555, E-mail: wolfgang.wohlmayr@sbg.ac.at

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

Leitung PR-Büro

Tel: 0662/8044-2435

E-Mail an Mag. G. Pfeifer

Quelle: Universität Salzburg

  • ENGLISH English
  • News
    Forscher um den Salzburger Geoinformatiker Christian Neuwirth hatten bereits im Mai 2020 ein mathematisches Modell zu Covid 19 entwickelt und vorgestellt, das der Frage nachgeht, wie lang und intensiv Social Distancing Maßnahmen aufrechterhalten bleiben müssten, um Corona-Todesfälle weiter zu reduzieren.
    Studienergebnisse zur Mediennutzung von Kindern und Familien während Lockdown. Homeschooling verbesserungsfähig, aber auf gutem Weg. Sekundarstufe besser profiliert. Familien haben gelernt, mit Lockdown und Homeschooling umzugehen.
    Gewinnerin des Förderpreises der Österreichischen Geographischen Gesellschaft für die beste Abschlussarbeit 2019: Dipl. Ing.(FH) Mag. rer. nat. Heidi BERNSTEINER für ihre Diplomarbeit im LA Geographie und Wirtschaftskunde/Biologie mit dem Titel: "After the ice: post glacial evolution of small overdeepened basins in the Eastern Alps – Lake Taferlklaussee, Austria."
    Aus gegebenem Anlass weisen wir auf die aktualisierten Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek Salzburg hin, die ab 17. November 2020 gelten.
    Eine Studie des Schlaflabors der naturwissenschaftlichen Fakultät zum Thema Schlaf unter der Leitung von Prof. Dr. Manuel Schabus widmet sich den Veränderungen des Schlafes während des Covid-19-Lockdowns in 6 unterschiedlichen Ländern (Ö, AT, UK, GR, CU, BRA). Die aus psychologischer Sicht besorgniserregende Angst, die sich in der Breite der Gesellschaft zeigt, bildet sich auch in diesen Daten ab: 78% der Befragten fühlen sich durch die Covid-19-Pandemie bedroht bzw. beunruhigt.
    Online-Vorlesung zum Thema Physiologie oder Medizin: 25. November 2020 - 18 Uhr. Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2020 wird an Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus vergeben.
    Online-Vorlesung zum Thema Chemie: 2. Dezember 2020 - 18 Uhr. Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna erhalten den Nobelpreis für Chemie 2020 für die Entdeckung eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie: die genetische Schere CRISPR / Cas9. Mit dieser Technologie können Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit extrem hoher Präzision verändern.
    Gebürtiger Pongauer übernimmt Stiftungsprofessur für Human-Computer Interaction an der Universität Salzburg - Der Forscher im Interview.
    In vielen Ländern trocknen die finanziellen Mittel für investigativen Journalismus zusehends aus. Die CoViD-19 Krise beschleunigt diesen Trend. Kluge Medienpolitik und öffentlich-rechtliche Medien können die Erosion wirkungsvoll bremsen.
    Der PLUS Report 2020 ist erschienen.
  • Veranstaltungen
  • 25.11.20 Nobelpreise 2020 - MEDIZIN (Hepatitis)
    26.11.20 Current research from the FB Psychology … related to COVID-19
    27.11.20 Update Immobilienertragsteuer sowie neue Grunderwerbsteuer und Gerichtsgebühren (ganztägig)
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Impressum
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg