Mo, 23.03.2015, 19.00 uhr

Ilma Rakusa (Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin und Universitätslehrbeauftragte, Zürich)

Vortrag: Osteuropäische Autorinnen sprechen Klartext. Von einer Frauenliteratur, die mit politischen und anderen Tabus aufräumt

Ob die Weissrussin Swetlana Alexijewitsch, die Russin Ljudmila Ulitzkaja, die Ukrainerin Oksana Sabuschko, die Polin Joanna Bator oder die Kroatin Dubravka Ugrešić: sie alle haben sich in ihren Romanen, Essays und dokumentarischen Texten mit heiklen Themen der Vergangenheit oder mit den Forderungen der Gegenwart auseinandergesetzt, und zwar auf eine schonungslose Weise, die in den jeweiligen Ländern nicht nur Interesse, sondern gelegentlich auch Protest hervorrief. Ugrešić bezahlte ihr couragiertes Auftreten gegen den Jugoslawien-Krieg mit dem Exil, Swetlana Alexijewitsch konnte ihre Bücher über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und über das "Leben auf den Trümmern des Sozialismus" nicht in Minsk veröffentlichen. Doch sind sie längst in viele westliche Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen bedacht worden, nicht zuletzt wegen ihrer literarischen Qualität. Auch Oksana Sabuschkos oder Joanna Bators komplexe Familienromane, die den Folgen von Krieg und Vertreibung nachgehen, sind bestürzend aktuell und künstlerisch eindrücklich. Wer das krisengeschüttelte Osteuropa einmal anders kennenlernen will, kommt um diese Autorinnen nicht herum.    

Ilma Rakusa (geb. 1946), lebt als Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin und Universitätslehrbeauf­tragte in Zürich.

Zahlreiche Übersetzungen aus dem Russischen (Cvetaeva, Remizov), Französischen (Duras), Serbokroatischen (Kiš) und Ungarischen (Kertész, Nádas); Lyrik- und Essaybände, Dramolette, Erzählungen.  

Wichtigste Auszeichnungen: Petrarca-Übersetzerpreis (1991), Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1998), Adelbert von Chamisso-Preis (2003), Vilenica-Preis für europäische Literatur (2005), Schweizer Buchpreis (2009).