Weinzierl-Preis und -Stipendium 2018

gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung der Universität Salzburg verlieh heuer bereits zum neunten Mal den Erika Weinzierl-Preis für eine Abschlussarbeit aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Salzburg. Der Erika Weinzierl-Preis wird vom Frauenbüro Stadt Salzburg und vom Referat Frauen, Diversität, Chancengleichheit des Landes Salzburg gestiftet und ist mit EUR 2.000,-- dotiert. Ebenso wurde zum dritten Mal das Erika Weinzierl-Stipendium für wissenschaftliche Arbeiten (Dissertationen) aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung vergeben. Das Erika Weinzierl-Stipendium wurde von der Abteilung Kultur, Bildung und Wissen der Stadt Salzburg gefördert und beträgt EUR 1800,--.Die feierliche Verleihung fand am Montag, dem 19. November 2018 in der Bibliotheksaula der Universität Salzburg statt.

 

Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des BildesDie Jury hat für den Erika Weinzierl-Preis Frau Lena Ramstetter, MA mit ihrer Masterarbeit „Gendered Choices? Tracing Gender Gaps in the Attitudes and Actions of Members of the European Parliament“ nominiert.

Lena Ramstetter studierte in Innsbruck und Salzburg Politikwissenschaft und schloss 2017 ihren Master ab. Heute ist sie Doktorandin am Bereich für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Salzburg.

In ihrer Masterarbeit setzt sich Lena Ramstetter mit der Frage auseinander, ob sich männliche und weibliche Abgeordnete des Europäischen Parlaments in ihren politischen Einstellungen sowie ihrem Abstimmungsverhalten unterscheiden. Bekannt ist, dass es auf gesellschaftlicher Ebene deutliche Geschlechterunterschiede gibt: über eine Vielzahl an Politikfeldern hinweg – von soziokulturellen und innenpolitischen Themen bis hin zu Fragen internationaler (Handels-)Politik – positionieren sich Frauen weiter links als Männer. Unklar ist jedoch, ob diese Unterschiede auch unter Abgeordneten eine Rolle spielen. Eine Analyse von Umfragedaten und Abstimmungsaufzeichnungen des Europäischen Parlaments zeigt, dass sich weibliche Abgeordnete in ihrem Handeln signifikant von ihren männlichen Kollegen unterscheiden. Über alle Politikfelder hinweg und insbesondere mit Blick auf Gleichstellungspolitik, Sozialpolitik und Umweltpolitik nehmen Frauen eine liberalere Position ein als Männer. Diese Ergebnisse legen nahe: Frauen im politischen Prozess erfüllen nicht nur eine symbolische Funktion – sie machen einen substantiellen Unterschied. Frauen im Parlament handeln für Frauen. Diese Einblicke in die Einstellungen und das Handeln von MEPs ergänzt die bestehende Literatur; sie eröffnet eine andere Perspektive auf das Abstimmungsverhalten im Europäischen Parlament und bietet neue Einsichten in die Reichweite von "gendered choices".

 

Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des BildesDas Erika Weinzierl-Stipendium erhielt Frau Freya Gruber, MSc für das Dissertationsprojekt “Gender Identity, Role Congruity and Stereotypes: Gender Associated Influences on Leadership Emergence”.

Freya Gruber ist Doktorandin der Naturwissenschaften am Fachbereich für Psychologie der Universität Salzburg, wo sie auch bereits ihr Masterstudium Psychologie im Jahr 2016 abschloss.

In ihrem Dissertationsprojekt an der Abteilung Psychologische Diagnostik unter der Leitung von Prof. Dr. Tuulia Ortner beschäftigt sich Freya Gruber damit, welche Merkmale und Verhaltensweisen damit verbunden sind, dass Frauen Potential als Führungskraft zugeschrieben wird. Berücksichtigt werden in ihrer Arbeit auch spezifische Rollenerwartungen und Stereotype. Neben der hohen Bedeutung für die psychologische Forschung haben ihre empirischen Untersuchungen auch hohe Relevanz für Frauen mit Hinblick auf eine geschlechterfaire Gestaltung von Personalauswahlverfahren im Führungsbereich.

 

Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des BildesBenannt sind der Preis und das Stipendium nach Erika Weinzierl, einer der ersten Universitätsprofessorinnen Österreichs. Erika Weinzierl wurde am 12. Dezember 1969 zur ordentlichen Professorin für Österreichische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung für Zeitgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg ernannt. Die renommierte Zeitgeschichtsforscherin Erika Weinzierl stellte sich auch wichtigen Herausforderungen wie dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.

Ihre Forschungsschwerpunkte umfassten Kirchengeschichte, die Widerstandsbewegung, Antisemitismus, Exil- und Migrationsforschung und auch die historische Frauenforschung. Erika Weinzierl hat sich nicht gescheut, sensible politische Themen aufzugreifen und an die Öffentlichkeit zu tragen. Vor allem aber setzte sie sich für eine umfassende und tabulose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein, stellte sich ebenso gegen die Atomrüstung und forderte eine humane Asyl- und Migrationspolitik. Erika Weinzierl war eine unerschrockene und unbeugsame Historikerin, sie ist ein Vorbild für exzellente und kritische Wissenschaft und für Zivilcourage im Leben.

 

 

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