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WENN SICH DER MENSCH BEDROHT FÜHLT ... 

 

Threat management in Sozialen InteraktionEN

Menschen streben nach Konsistenz und Kongruenz, das heißt sie suchen nach einer Passung zwischen der sozialen Umgebung, in der sie sich befinden, ihrem inneren Erleben und ihren Wünschen sowie ihrem verhalten. Wir gehen davon aus, dass drei Komponenten hier zentral sind, und zwar eine Passung zwischen der wahrgenommenen Situation (Realität), den eigenen aktuellen Motiven, und den Erwartungen darüber, was in dieser Situation geschehen wird (kognitiver Fokus). Wenn es innerhalb oder zwischen diesen (zwei dieser drei) Komponenten einen Konflikt gibt, entsteht eine Diskrepanz und damit verbundene die Motivation, diese Diskrepanz zu Reduzieren (Überblick dazu siehe: Jonas & Mühlberger, 2017).

Bedrohung als Erleben von Diskrepanz

Eine Diskrepanz zwischen kognitivem Fokus und Realität ist eine Verletzung von Erwartungen, z.B. erwarten Menschen gewisse Freiheiten zu besitzen, erleben aber, dass ihre Freiheiten eingeschränkt werden (z.B. Sittenthaler, Steindl, & Jonas, 2015; Steindl, Jonas, Sittenthaler, Traut-Mattausch & Jonas, 2015)

Eine Diskrepanz zwischen Motiven und Realität entsteht, wenn grundlegende Motive in der Realität nicht erfüllt werden, z.B. haben Personen den Wunsch eine vertrauenswürdigen Rat von einem Berater zu erhalten, der Berater scheint jedoch nicht vertrauenswürdig, sondern nur eigeninteressiert (Mackinger, Jonas, & Mühlberger, 2017) oder möchten Mitarbeiter ihren Verpflichtungen nachkommen, werden aber plötzlich mit Kundenbeschwerden konfrontiert (Traut-Mattausch, Wagner, Pollatos, & Jonas, 2015)

Eine Diskrepanz zwischen Motiven und kognitivem Fokus kann entstehen, wenn Personen ohne eine reale Situation die Erwartung haben, dass ihre Motive nicht erfüllt werden können, z.B. wenn Menschen nach Selbsterhaltung, Kontrolle, Sicherheit oder Sinn streben, jedoch an ihre eigene Sterblichkeit, Kontrollverlust, Unsicherheit oder Sinnlosigkeit erinnert wurden (Agroskin, Jonas, Klackl, & Prentice, 2016).

Die Wahrnehmung von Diskrepanzen und Bedrohungen findet auf persönlicher Ebene statt, das heißt, die gleiche Situation wird nicht von jedem Individuum als Diskrepanz und damit als Bedrohung wahrgenommen, sondern Umstände wie der momentane kognitive Fokus, situative Bedürfnisse und verfügbare Motive beeinflussen das Empfinden von Situationen als Bedrohung.

 

VON BIS ZU BAS - WIE HEMMUNG IN HANDLUNGSFÄHIGKEIT ÜBERGEHEN KANN

Die Wahrnehmung von Diskrepanzen führt Menschen häufig in einen unangenehmen Hemmungszustand (eine sogenannte „Angststarre“, welche durch Aktivierung des behavioralen lnhibitionssystem, BIS, beschrieben werden kann), aus dem sie nur durch motivationale Reorientierung, wie z.B. Handlungorientierung, wieder herauskommen (beschreibbar durch das Behaviorales Approachsystem, BAS).

Diese Handlungen können destruktiv aber auch konstruktiv sein und werden sichtbar, wenn Menschen miteinander in Interaktion treten. Das Loop2Loop-Modell beschreibt, dass Menschen in sozialen Interaktionen nicht nur aufeinander reagieren, sondern dass diese Prozesse vermittelt werden über motivational-affektive und motivierte kognitive Prozesse.

BIS UND BAS IN SOZIALEN INTERAKTIONEN

Soziale Interaktionen können die Quelle von Diskrepanzerleben sein. Menschen können dann in Hemmungszustände oder Verteidigungsspiralen geraten oder sie versuchen über motivationale Re-Orientierung wieder handlungsfähig zu werden. Soziale Interaktionen können bei der Reduktion von Diskrepanzen helfen, wie dies z.B. in Beratungsprozessen geschehen sollte.

 

 

 

Loop Model siehe Jonas (2015), Jonas und Bierhoff (2017), Jonas & Steindl (2015), Jonas & Mühlberger (2017); Zeichnungen von Vicky König

 

MANAGING CHANGE IN SOCIAL INTERACTION

BERATUNG ALS HILFE IN DEN Konstruktiven APPROACH

Nach dem Loop2Loop-Modell gehen wir auch in unserer Forschung zu Beratungsprozessen von Diskrepanzen aus. Beispielsweise erlebt eine Person in ihrem Berufsalltag eine Diskrepanz zwischen einem aktuellen Motiv und der wahrgenommenen Realität. Beispielsweise ist sie in ihrem jetzigen Beruf unglücklich, weil sich sich sich und ihre Kompetenzen gerne stärker einbringen würde, hat aber das Gefühl, Tätigkeiten nur nach bestimmten Vorgaben ausführen zu dürfen. Ihr Bedürfnis ist es, eine Arbeit zu finden, in der sie mitentscheiden und ihre Fähigkeiten einbringen darf. Diese Diskrepanz zwischen Motiv und Realität kann Unsicherheit und Angst hervorrufen (Behaviorales Inhibitionssystem, BIS), woraus ein Verhaltensantrieb entsteht, die Diskrepanz zu reduzieren. Wenn Menschen jedoch nicht wissen, wie sie dies selbst erreichen können, suchen sie häufig die Hilfe von Berater/innen. Berater/innen können dabei helfen, die Diskrepanz zu reduzieren und den/die Klient/in zu unterstützen wieder handlungsfähig zu werden, d.h. auf konstruktive Weise das Behaviorale Approachsystem (BAS) zu aktivieren. In unserer Forschung widmen uns daher folgenden Fragen:

Wie können Beratungsprozesse und deren Wirkung psychologisch beschrieben werden? Welche Diskrepanzen können durch die unterschiedlichen Beratungsformate (Coaching, Training, Supervision, Mentoring, Mediation) reduziert werden? Welche Implikationen können für die Gestaltung von Beratungsprozessen abgeleitet werden? 

 

VERÄNDERUNGSPROZESSE UND GERECHTIGKEIT IM KONTEXT ZUKÜNFTIGER ARBEITSWELTEN_ARBEIT 4.0

Die Frage, wie man Menschen für Ideen und Verbesserungshinweise öffnen kann, ist sowohl in der Interaktion zwischen zwei Personen relevant, als auch auf organisationaler und gesellschaftlicher Ebene. Da Veränderungen immer auch mit dem Bewältigen von Diskrepanzen verbunden ist, ist auch hier die Frage relevant, wie Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit unterstützt werden können:

  • Wann öffnen wir uns für neue Ideen?
  • Wann engagieren wir uns selbst für neue Ideen?
  • Was muss dazu im sozialen Umfeld geschehen?

 

Dabei ist die Frage, wie Akzeptanz geschaffen wird, zu trennen von der Frage, wie Menschen aktiviert werden können, sich selbst zu engagieren. Relevante Einflussfaktoren sind Gerechtigkeit (prozedurale und distributive), Wertschätzung, Respekt (interpersonale Gerechtigkeit) und Kontrolle (informationale und prozedurale).

Die zukünftige Arbeitswelt wird zunehmend vernetzter, digitaler und flexibler. Dies trägt nicht nur zur Entstehung neuer Produkte und Dienstleistungen bei, sondern verändert auch nachdrücklich die bisherigen Produktionsweisen und beeinflusst dabei die Strukturen in Organisationen. Gewohnte Werte wandeln sich und neue Ansprüche an Arbeit entstehen. In diesen Veränderungen liegen einerseits Chancen, andererseits aber auch Unsicherheiten. Die ganze Gesellschaft ist gefordert, in diesem Prozess Rahmenbedingungen so zu gestalten und Interessen so auszuhandeln, dass alle Betroffenen von den neuen Entwicklungen profitieren. Doch wie kann dazu beigetragen werden, dass sich die einzelnen Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Lebenssituationen und Talenten in zukünftigen Arbeitswelten gut aufgehoben fühlen? Der Gestaltung der Arbeit in Organisationen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Können aber angesichts der zunehmenden Flexibilisierung in Organisationen überhaupt noch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein gewisses Ausmaß an Sicherheit und Stabilität verleihen? Können sich Personen noch mit Unternehmen verbunden fühlen, wenn sich traditionelle Strukturen zunehmend auflösen und MitarbeiterInnen einem permanenten Wandeln ausgesetzt sind?

Psychologische Forschung zu organisationaler Gerechtigkeit hat in den letzten Jahrzehnten deutlich gemacht, dass Menschen dann eine höhere Bereitschaft aufweisen, sich auf Unbekanntes einzulassen und sich von Veränderungen weniger bedroht fühlen, wenn Prinzipien der Gerechtigkeit erfüllt sind. Diese Forschung lässt vermuten, dass Personen auch in sich wandelnden Unternehmensstrukturen einen Bezug zu ihrem Unternehmen behalten, wenn die Veränderung fair gestaltet und auch die neue Arbeitswelt gerecht erlebt wird.

Arbeit sollte zentrale psychologische Grundbedürfnisse erfüllen, Bedürfnisse nach Kompetenz (Teilhabe, Aufstieg, Kontrolle, Verständnis), Zugehörigkeit bzw. Identität (Kontakt, Bestätigung bzw. Anerkennung in der Gemeinschaft) und Autonomie bzw. Würde (Verwirklichen eigener Werte, Freude an der Arbeit). Wie kann aber z.B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit erfüllt werden, wenn Menschen mit neuen Entscheidungsautoritäten, wie intelligenten technischen Systemen, konfrontiert werden? Was gibt Sicherheit im rasanten technologischen Wandel und ein Gefühl von Identität? Was hilft Menschen mit den permanenten Belastungen umzugehen, die aufgrund der zunehmenden Schnelllebigkeit, Flexibilität und Unvorhersehbarkeit entsteht? Bedürfnisse der MitarbeiterInnen müssen mit wirtschaftlichen Anforderungen der Unternehmen in Einklang gebracht werden – aber wie kann das gehen? Wie können Forderungen an die Weiterentwicklung der MitarbeiterInnen mit deren individuellen Zukunftsperspektiven/wünschen verbunden werden?

In unserer Forschung versuchen wir zu zeigen, wie die Berücksichtigung von Prinzipien der Gerechtigkeit dazu beitragen kann, dass ein bedürfnisgerechtes Arbeiten möglich wird - denn Gerechtigkeitsprinzipien verändern unseren Blick auf Handlungsoptionen und Gestaltungschancen und helfen neue Potentiale zu entdecken.

  • News
    Die MMG –Gruppe (spezialisiert auf Migrations- und Mobilitätsforschung) wurde von der neuen Professorin für „Mobilität und sozialer Wandel“ der Abteilung Soziologie, Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie, Kyoko Shinozaki ins Leben gerufen und ist dem wichtigsten internationalen Netzwerk für Migrationsforschung (IMISCOE, https://www.imiscoe.org/) nun beigetreten.
    Aus der Vorstellung von der Verknüpfung autoritärer Philosophie der Kaiserzeit mit einem orthodoxen Marxismus wird China zur zentralen Herausforderung für den Westen stilisiert. Die geistigen Ressourcen der Vergangenheit und die weltweiten Modernisierungsvorstellungen der Neuzeit könnten für China der Ausgangspunkt zu einer gelingenden Moderne werden. Diese könnte angesichts der globalen Herausforderungen einer multipolar organisierten globalen Moderne neue Chancen bieten. Voraussetzung hierfür ist, die „Grammatik der chinesischen Modernisierung“ zu verstehen. Diese wird Professor Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor des China Centrum Tübingen, in seinem Vortrag darlegen. – Zuletzt von ihm im Buchhandel erschienen: Chinas leere Mitte. Die Identität Chinas und die globale Moderne. Matthes & Seitz Berlin 2018.
    Gastvortrag "100 Jahre Ermordung des letzten Zaren - Wie steht Russland zu seiner Vergangenheit?"am 13.11., 18 Uhr, Hörsaal 3.409, Unipark, Erzabt-Klotz-Str. 1.
    Im Rahmen der Vortragsreihe POLEMIK UND GENDER wird Ulrike Vedder vom Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin am 14. November um 19h einen Gastvortrag im Unikpark Nonntal halten. // Erzabt-Klotz-Str. 1, E.002 (Agnes Muthspiel) // www.w-k.sbg.ac.at/de/kunstpolemik-polemikkunst
    Vortrag von Anne Vogelpohl am Mittwoch, 14. November 2018, 18 Uhr im HS 436, 3. Stock der Naturwissenschaftlichen Fakultät, Hellbrunnerstraße 34
    Beim eMobilitätstag am 14. November 2018 am Vorplatz Unipark Nonntal in Kooperation mit der Fa. Frey besteht die Möglichkeit sich zu informieren und auch ein eAuto zu testen.
    Am: 15.11.2018 // Zeit: 18:30h s.t. - 20:00h // Ort: Hörsaal 207 der Rechtswiss. Fakultät der Universität Salzburg // Churfürststraße 1 // A-5020 Salzburg // (Zugang beschildert)
    Die neunte Tagung der "Salzburger interdisziplinären Diskurse" zum Thema "Kommunikation und Medien zwischen Kulturindustrie, Lebenswelt und Politik" findet am 15./16. November 2018 im Europasaal der Edmundsburg (Mönchsberg 2, Salzburg) statt.
    Tagung zu Übersetzung und Polemik im KunstQuartier // Donnerstag, 15. November, 18:30h ABENDVORTRAG: ULRICH WYSS (Frankfurt am Main): Übersetzen als Polemik – Borchardts Dante // Bergstr. 12a, 1. OG, W&K-Atelier // www.w-k.sbg.ac.at/de/kunstpolemik-polemikkunst
    Rudolf Krska hält am 16. November 2018 um 11:30 Uhr im HS 421 der NW-Fakultät einen Gastvortrag zum Thema "Novel (Integrated) Methods to Control, Detect and Reduce Mycotoxins in Food and Feed". Der Fachbereich Biowissenschaften lädt herzlich dazu ein!
    Florian P. Schiestll hält am 16. November 2018 um 14:00 Uhr im HS 435 der NW-Fakultät einen Gastvortrag zum Thema "Divergent floral evolution driven by pollinators and herbivores". Der Fachbereich Biowissenschaften lädt herzlich dazu ein!
    Es ist wieder so weit, am 17. November 2018 findet das Konzert des Universitätsorchesters für dieses Semester statt.
    Der Fachbereich Psychologie lädt am 17.11.18 zum Fest-Symposium zur 20-jährigen Kooperation der Stadt Salzburg, Senioreneinrichtungen, und der Universität Salzburg, Fachbereich Psychologie, ein.
    Herr Dr. Sven Th. Schipporeit (Institut für Klassische Archäologie, Universität Wien) hält zu diesem Thema am Mi, 21. November 2018, 18.30 Uhr, in der Abgusssammlungs SR E.33, Residenzplatz 1, einen Vortrag
    The workshop aims to examine the musicality of the body and vice versa the corporeality of music from a choreographic perspective. This approach corresponds with the extension of the concept of music as well as the questioning of performance traditions in the context of New Music, which also puts a stronger emphasis on the body.
    The relatively young democracy Poland, whose political climate has intensified considerably since the last elections, is also moving increasingly to the fore. Politically critical leaders of representative cultural organisations have been and continue to be replaced by the new administration, while independent creative artists appear to be able to find niches so far or already live outside the country.
    Vom 29.11. bis 01.12.2018 im Unipark Nonntal
    Salzburger Innovationstagung 2018 am 29.11.2018 ab 15 Uhr in der Großen Universitätsaula – ITG, Land Salzburg, Wirtschaftskammer und Salzburger Hochschulkonferenz
    Am 30. November im Rahmen der Tagung Digital Humanities Austria 2018
    Am 6. Dezember 2018 finden an der Universität Salzburg die WTZ Training Days zum Thema Kommunikation, Dissemination und Verbreitung in H2020-Projekten statt.
  • Veranstaltungen
  • 14.11.18 Geschlechterforschung und Gegenwartsliteratur: Zur kritischen Reflexion von Polemik
    15.11.18 Übersetzung und Polemik
    15.11.18 Vorträge der Salzburger Juristischen Gesellschaft
    16.11.18 Übersetzung und Polemik
    16.11.18 "Probleme des Vorsteuerabzuges mit Schwerpunkt Umsatzsteuerbetrug"
    17.11.18 "Probleme des Vorsteuerabzuges mit Schwerpunkt Umsatzsteuerbetrug"
    17.11.18 Übersetzung und Polemik
    17.11.18 Konzert des Universitätsorchesters Salzburg
    19.11.18 Medeas furor: Christliche Mythenkritik in Dracontius' Romulea?
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