Harald Gschwandtner

Fachbereich Germanistik
Hauptbetreuer Univ.-Prof. Mag. Dr. Norbert Christian Wolf 
Nebenbetreuer Univ.-Prof. Mag. Dr. Werner Michler
Beginn
Kontakt harald.gschwandtner(at)sbg.ac.at
Thema der Dissertation Strategen im Literaturkampf. Thomas Bernhard, Peter Handke und die Kritik  

Abstract

Die Arbeit zeichnet Thomas Bernhards (1931–1989) und Peter Handkes (*1942) vielschichtige, von der Forschung bislang kaum gewürdigte Auseinandersetzung mit der Literaturkritik nach und widmet sich aus einer kultursoziologischen Perspektive dem komplexen Beziehungsgeflecht zwischen literarischem Schreiben, poetologischer Reflexion und kritischer Kommentierung. In diesem Zusammenhang versucht die Dissertation zu zeigen, wie eng die Aversion der beiden Autoren gegenüber der Literaturkritik mit ihrer eigenen literarischen Ästhetik in Verbindung steht. Die jahrzehntelange Literaturfehde zwischen Handke und Marcel Reich-Ranicki dient als Beispiel für die mitunter heftigen, vor persönlichen Invektiven nicht zurückschreckenden Konfrontationen zwischen Autoren und Kritikern; die detaillierte Rekonstruktion der Auseinandersetzung zwischen den beiden ermöglicht Einblicke in Mikro-Konstellationen literarischer Polemiken. Zudem werden die literaturkritischen Arbeiten Bernhards und Handkes untersucht und im Kontext der jeweiligen Karriereverläufe sowie vor dem Hintergrund der literarischen Sozialisation der beiden Schriftsteller in den 1950er bzw. 1960er Jahren analysiert. Mit der aus Walter Benjamins Schrift „Die Technik des Kritikers in dreizehn Thesen“ (1928) entlehnten Wendung vom „Strategen im Literaturkampf“ gerät zweierlei in den Blick: zum einen die agonale Qualität der geschilderten Auseinandersetzungen, zum anderen aber auch ein weit über den Einzelfall hinausweisendes Moment künstlerischer Selbstbehauptung: Bernhard und Handke erweisen sich dabei nicht nur als gewiefte Taktiker, die in konkreten Situationen mit geschickten publizistischen Manövern (re)agieren oder selbst als Kritiker anderer Schriftsteller auftreten, sondern ebenso als weitsichtige Strategen. Unter anderem mit Blick auf Bernhards Roman „Korrektur“ (1975) wird auch die Idee einer von den Instanzen der etablierten Literaturkritik unabhängigen ‚Selbstkritik‘ rekonstruiert, bevor im letzten Abschnitt der Dissertation nach dem künstlerisch produktiven Potential der Auseinandersetzungen zwischen Literatur und Literaturkritik gefragt wird. Methodisch stützt sich die Arbeit auf Konzepte der Literatur- und Kultursoziologie Pierre Bourdieus, um das Agieren Bernhards und Handkes im literarischen Feld im Sinne einer umfassenden ‚Werkpolitik‘ (Steffen Martus) zu beschreiben.    

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