Projektbeschreibungen „Armenische Studien“, 2016-2019

Pöchs Armenier – Der österreichische Anthropologe und seine Untersuchungen armenischer Kriegsgefangener 1915-1917

Der österreichische Anthropologe und Pionier anthropologischer Doku-mentation, Prof. Rudolf Pöch (1870-1921) unternahm als einer der Ersten heute umstrittene anthropologische Massenuntersuchungen an „russischen Kriegsgefangenen“ des Ersten Weltkrieges. Die Dokumentation von Tausenden von russischen Kriegsgefangenen liegt in Tonaufzeichnungen, Photographien, Abdrücken u.ä. vor. Unter diesen Kriegsgefangenen befanden sich auch 189 Armenier.

Die sechs armenischen Phonogrammaufnahmen von 1915 wurden bereits im Auftrag der Österreich-ischen Akademie der Wissenschaft von J.Dum-Tragut bearbeitet und erforscht.

Das Projekt führt erstmals in der Geschichte das umfangreiche Archiv von Pöch für die Untersuchung der 189 Armenier zusammen und fügt verschiedene dokumentarische Bruchstücke zur Geschichte von Einzelpersonen zusammen. Archivnummern sollen Gestalt annehmen, Personen mit Namen, Familiengeschichte und Herkunft werden. Speziell erarbeitet werden jene Unterlagen, die in den Gefangenenlagern innerhalb der Grenzen des heutigen Österreichs erhoben wurden - und da sticht vor allem das Kriegsgefangenenlager Grödig bei Salzburg ins Auge, wo Pöch und seine Schüler eben-falls anthropologisch dokumentiert haben.

Sobald dieser Teil des Projektes abgeschlossen ist, wird in Archiven in Armenien nach den Kriegsgefangenen und deren weiteren Schicksal geforscht, auch ob es Nachfahren gibt. Deren Familien sollen dann in Armenien besucht werden und Kopien von Pöchs Dokumenten überreicht werden. Damit wird auch ein neues Blatt der tragischen Geschichte Armeniens im Ersten Weltkrieg aufgeblättert und gleichzeitig österreichische Wissenschafts- und Zeitgeschichte geschrieben.

Dieses interdisziplinäre Projekt ist eine Herausforderung, da über die Grenzen hinweg gearbeitet werden wird und eine enge Kooperation von Österreichern und Armeniern gefragt ist. In Archiven hier und dort sind weder in Quantität noch in Qualität einschätzbare Informationen verborgen.

Dies ist die allererste Fallstudie über Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs anhand von Pöchs Aufzeichnungen. J. Dum-Tragut übernimmt nicht nur die Archivarbeiten in Wien, sondern koordiniert auch die Archivarbeiten in Armenien und führt die Ergebnisse zusammen, die dann in Buchform und als Ausstellung in Wien und Jerevan präsentiert werden sollen. Der emotionale Moment der Rückführung des Materials an etwaige Nachfahren der ehemaligen armenischen Kriegsgefangenen ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt dieses ungewöhnlichen Projektes.

  • Projektteam:

J. Dum-Tragut (Armenologie, Universität Salzburg), K. Matiasek, Harald Wilfing (Anthropologie, Universität Wien), H. Kharatyan, P. Avetisyan (Armenologe, Armenische Akademie der Wissenschaften).

  • Kooperationen:

Universität Wien, Naturhistorisches Museum der Stadt Wien, Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Armenische Akademie der Wissenschaften (Institut für Ethnologie und Anthropologie), Armenisches Staatsarchive, Kirchenarchive, Militärarchive.

Diaspora im Wandel – Armenier in Österreich

Die tragischen Ereignisse rund um den Fall der Sowjetunion, der Karabach-Krieg zu Beginn der 90er Jahre, die verheerende wirtschaftliche Situation, große Armut und menschenunwürdige Zustände haben ab 1988 zu wahren Emigrationswellen aus Armenien in Richtung Europa geführt. Nach offiziellen Meldungen haben seit 1988 fast zwei Millionen Armenier ihr Land verlassen.

In Europa ist die Zahl der Armenier im steten Steigen, so hat sich auch die Zahl der Armenier in Österreich seit 1988 mindestens verdoppelt, in Deutschland und der Schweiz sogar verdrei- oder vervierfacht.

Das Projekt soll nun untersuchen, wie sich die neue armenische Diaspora in Österreich zusammensetzt: wo leben die seit 1988 nach Österreich zugezogenen Armenier, welchen rechtlichen Status haben sie, wie ihre soziale Situation ist und wie hoch der Grad der Integration in die schon bestehende armenische Gemeinschaft (in Österreich gibt es seit dem 17. Jahrhundert Armenier) aber vor allem in die österreichische Gemeinschaft ist. Wie steht es um die armenische Sprache, Kultur und Traditionen? Gibt es merkbare Unterschiede zwischen den einzelnen Wohnorten, wie z.B. Wien, Salzburg oder vereinzelten Landgemeinden? Hier sollen mit Hilfe von Fragebögen aber vor allem durch Interviews Daten in ganz Österreich erhoben werden.Dieses Projekt ist ein Wunschprojekt der Staatlichen Universität Jerevan und des armenischen Ministeriums für Diaspora.

  • Projektteam:

Leiterin und Ausführende J. Dum-Tragut

  • Kooperation:

Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde Wien, alle armenischen Verbände in Wien, Armenische Gemeinde Graz. Mechitharisten-Kongregation Wien.

MIGRATION - RELIGION - INTEGRATION: Armenische Migranten in Österreich im Spannungsfeld zwischen westlicher Akkulturation und Einflussnahme durch die armenische Nationalkirche

Als bedeutender Aspekt des Diaspora-Projekts soll in einer vertiefenden Studie vor allem die Frage der religiösen Integration und des religiösen Alltags der „neuen“ Armenier erarbeitet und erforscht werden. Das Aufeinandertreffen verschiedenster religiöser Mentalität und Integration ist besonders interessant und kann ebenfalls als Fallstudie für die Integration orientalischer Christen in Österreich betrachtet werden: Während die in Österreich ansässige Diaspora ist stark in ihrem armenischen Christentum verankert und stark mit der Kirche verbunden ist, sind die aus Armenien zugewanderten meist nach der langen Sowjetzeit konfessionslos oder stehen in keiner engen Beziehung zur armenisch-christlichen Tradition und der armenischen Nationalkirchen. Gleichzeitig werden sie in Österreich, vor allem in Westösterreich mit einer stark katholischen geprägten Tradition konfrontiert. Teil einer gelungenen Integration in die österreichische Gesellschaft ist auch die Kenntnis österreichisch-christlicher Traditionen, Brauchtums, zum Großteil besuchen die Kinder dieser „neuen“ Armenier keinen armenischen- sondern katholischen Religionsunterricht. Es soll erforscht werden, wie weit die neue Generation dieser neuer Diaspora sich religiös und im religiösen Brauchtum an die Mehrheit angepasst hat, inwieweit es zu „Bireligiösität“ kommt.

Hier soll eine Pilotstudie zunächst in Stadt und Land Salzburg vorgenommen werden und die religiösen Einstellungen und die Rolle armenischen Christentums und seiner Traditionen für die in Salzburg seit 1988 zugewanderten Armenier erhoben und mit jener der stark in die Kirchengemeinde eingebundenen, neuen „Wiener Armenier“ verglichen werden.

  • Kooperation

Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde Wien, alle armenischen Verbände in Wien, Armenische Gemeinde Graz. Mechitharisten-Kongregation Wien.

Mittelalterliche Pferdeheilkunde: Der armenische Beitrag zur Veterinärmedizin

J.Dum-Tragut ist die einzige Armenologin weltweit, die sich mit veterinärmedizinischen, v.a. pferdemedizinischen Handschriften aus der armenischen Tradition beschäftigt. Durch ihre einschlägige Ausbildung in Pferdewissenschaften an der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist ihre interdisziplinäre Forschung in den vergangenen Jahren ein bedeutender und anerkannter Teil ihrer internationalen Forschungstätigkeiten und sogar Ausgangspunkt weitergehender veterinärmedizinischer Forschung geworden.

In diesem kurzfristigen Projekt sollen die noch unbearbeiteten und der Fachwelt unbekannten armenischen Handschriften und Fragmente zur Pferdemedizin und Pferdekunde ediert, ins Deutsche übersetzt und detailliert linguistisch, philologisch und auch veterinärmedizinisch kommentiert werden. Es handelt sich um kürzere handschriftliche Texte aus dem 13.-18. Jahrhundert, die in ihrer sprachlichen Komplexität und ihrem pferdeheilkundlichen Inhalt recht unterschiedlich sind. Es geht auch um einen Vergleich der bestehenden Texte mit den wissenschaftlichen Traditionen des Orients, vor allem des arabischen Sprachraums, als auch mit der ab dem 13. Jahrhundert in Europa einsetzenden Stallmeistertradition. Die Brückenstellung armenischer Rossärzte und pferdekundlicher Texte soll unter Beweis gestellt werden. Es soll auch aufgezeigt werden, wie heilkundliches Wissen im Mittelalter zwischen verschiedenen Völkerschaften tradiert wurde.

Diese Studie dient auch zur Vorbereitung für ein größeres internationales, derzeit bei der EU eingereichtes Projekt zur Bearbeitung einer umfangreichen pferdekundlichen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert.

  • Kooperation:

Armenisches Institut für Handschriften Matenadaran in Jerevan, Veterinärmedizinische Universität Wien. Institut für Arabistik der Universität Wien.

  • ENGLISH English
  • News
    Die Orientierungsveranstaltungen für Erasmus- und Austauschstudierende, die im Wintersemester 2019/2020 an die Universität Salzburg kommen, finden im Zeitraum von Montag, 16. bis Freitag, 27 September 2019 statt.
    Für seine Verdienste um die Stadt Salzburg hat Bürgermeister Harry Preuner heute Dienstag, 17. September 2019, dem scheidenden Rektor der Universität Salzburg, Prof. Heinrich Schmidinger, das Stadtsiegel in Gold verliehen.
    Dr.in Therese Wohlschlager wird am 25. September 2019 im Rahmen der 18. Österreichischen Chemietage 2019 in Linz mit dem Feigl Preis der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie ausgezeichnet.
    Das diesjährige Austrian Proteomics and Metabolomics Research Symposium (APMRS) findet von 18. bis 20. September an der Universität Salzburg statt. Im Rahmen dieser Tagung werden die neuesten Entwicklungen auf den Gebieten der Proteom- und Metabolomforschung in Medizin, Pharmazie und Ökologie vorgestellt. Die Bandbreite der Konferenzbeiträge reicht von Grundlagenforschung bis zu industriellen Anwendungen in den verschiedensten Bereichen.
    INTERNATIONALE TAGUNG // Mi 18. September: 14.00-19.45h, Stefan Zweig Zentrum, Edmundsburg (Europasaal) // Do 19. September: 9.30-19.30h, Fr 20. September: 9.30-13.30h Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst, Bergstr. 12a, Atelier, 1. OG // www.w-k.sbg.ac.at/de/kunstpolemik-polemikkunst
    Um Studienanfänger*innen den Einstieg ins Studium zu erleichtern, bietet die Universität Salzburg in der letzten Septemberwoche den Orientierungstag an. An diesem Tag erhalten Studienanfänger*innen Informationen über zentrale Einrichtungen unserer Universität rund um Studium, Einführung in die IT-Infrastruktur und vieles mehr.
    Die Salzburger Armenologin Jasmine Dum-Tragut eröffnet am 31. August 2019 im Genozid-Museum in Jerewan die erste Ausstellung, die das Schicksal armenischer Kriegsgefangener in den österreichischen Gefangenenlagern im Ersten Weltkrieg zeigt.
    Demokratie und Rechtsstaat scheinen in Europa schon bessere Zeiten erlebt zu haben. Die jüngsten Entwicklungen in vielen Staaten weisen auf einen Abbau von Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Demokratie hin.
  • Veranstaltungen
  • 19.09.19 'Genie‘ in der Nachromantik. Das Schöpferische (Individuum) und der Aufstieg der Massenkultur
    20.09.19 'Genie‘ in der Nachromantik. Das Schöpferische (Individuum) und der Aufstieg der Massenkultur
    24.09.19 Orientierungstag für Erstsemestrige
    25.09.19 Orientierungstag für Erstsemestrige
    25.09.19 Dr. Brigitta Elsässer Venia: „Organische Chemie“
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg