Caterina Pan

Fachbereich Anglistik und Amerikanistik
Hauptbetreuerin Univ.-Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner
Nebenbetreuer tba
Beginn Wintersemester 2016/17
Kontakt caterina.pan@sbg.ac.at
Thema der Dissertation Die Entwicklung des Volks- und Straßentheaters als Phänomen interkultureller Theatralisierung

Abstract

Ganz im Sinne der höchst aktuellen Zusammenführung in den Kulturwissenschaften von Kulturtheorie und –praxis, setzt sich diese Arbeit mit dem Thema der Theatralität und Theatralisierung als Interaktion zwischen Autoren, Rezipienten, Produzenten und literarischen Traditionen auseinander.
Ausgangspunkt ist die Betrachtung, dass kein Medium so "immediate" wie das Theater ist: bei keinem anderen Genre ist der verbale Text – das Medium – so ungebunden vom Publikum, das ja unmittelbar das Geschehen als performance vorgespielt bzw. rezitiert (aus dem Lateinischen "wiedergeben") sieht. Andererseits lebt aber auch kein anderes Genre so sehr von seinen (und für seine) Rezipienten und ist so flexibel an den Zeitgeist anpassbar. Dies gilt insbesondere für das Straßentheater, in dem Kontext, Produktion und Rezeption so dynamisch für den ästhetischen Sinngebungsprozess interagieren.
Die Entwicklung des Straßentheaters als Wander- und Volkstheater wird aus historischer Sicht beleuchtet, um die Bedeutung der interkulturellen Adaptation bis hin zur Gegenwart herauszuarbeiten. Die diachrone Kontextualisierung der Formations- und Transformationsprozesse im Volkstheater in einer europäischen Perspektive beginnt mit exemplarischen Auswertungen von Theaterstücken der englischen Renaissance und des Elizabethan Theatre. Während am Festland kaum professionelle Theatergruppen aktiv waren und die meisten Produktionen sich auf religiöse oder machtpolitische Inszenierungen zu Hofe begrenzten, blühte in England schon das Theater als Unterhaltung für alle Schichten. Daher galt es zuerst einmal, aus dem vielfältigen Repertoire internationaler Literaturen interessante Stoffe so zu wählen, zu adaptieren und zu präsentieren, dass man ein möglichst breitgefächertes Publikum im Kontext seiner Zeit und Kultur erreichen konnte. Performanz narrativer Texte wie Novellen und Historien war eine verbreitete Form der Hybridisierung. [1] Gleichzeitig wirkt die Verwendung antiker sowie fremdsprachiger Literatur als Grundlage für neue Dramen aber auch als Memorialisierung und Rezeption unterschiedlicher Traditionen, welche allerdings eine transmediale Metamorphose und Adaptierung durchmachen müssen, bevor sie auf der Bühne präsentiert bzw. visualisiert werden können. [1] z.B. kam die Inspiration zu Shakespeares Romeo and Juliet von einer gleichnamigen italienischen Erzählung, was auch den Schauplatz in Verona erklärt.
Dieser Prozess wird umso komplexer, als die ersten englischen Wandergruppen Deutschland erreichen und zum ersten Mal Straßentheater präsentieren. Nebst der Problematik der sprachlichen Barriere und der fehlenden Spielstätten (was dann zur Entwicklung alternativer Schauplätze geführt hat, die auch heute wieder gefragt sind), mussten die Stoffe flexibel neu inszeniert werden, um für die Öffentlichkeit verständlich zu sein. Improvisation im Sinne der für das Volkstheater so einflussreichen Commedia dell'arte, Innovation und Adaptation auf verbaler sowie paratheatraler Ebene (Bühne, Kostüme, Bühnenbild) waren damals und sind auch heute noch das Herzstück der Theatralität.
Fokus der Arbeit ist, das interkulturelle Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Veränderung zu betrachten und die Funktionen der Theatralisierung, denen dieses komplexe interkulturelle Spannungsverhältnis unterliegt, zu systematisieren. Dazu möchte ich Parameter erarbeiten, die auf unterschiedlichen Ebenen (inter)aktiv sind.
- Parameter 1, Memorialisierung: Wie die Autoren seit der Renaissance internationale Literaturen und Traditionen aus mehreren Epochen rezipieren und selektieren, um den theatralischen Text zu schreiben.
- Parameter 2, Hybridisierung: Mit welchen Mitteln Autoren aus unterschiedlichen Gattungen wie z.B. Novellen und Erzählungen ihr Material schöpfen und als Theaterstück zusammenstellen oder auch alte Stoffe neu interpretieren, wobei der Geschmack des Publikums immer im Vordergrund steht.
- Parameter 3, Transmedialisierung und Visualisierung: Wie diese kulturellen Einflüsse an den Kontext und das Interesse der Zeit als Textgewebe für die Bühne adaptiert und "immediately" im Theater vermittelt und rezipiert werden. Das ist besonders interessant, wenn man betrachtet, wie z.B. englische Wandergruppen existierende Stücke aus England mit italienischem Einfluss nach Deutschland "importiert" und flexibel an das Publikum angepasst haben.
- Parameter 4, Theatrale Mittel: Welche Rolle die theatralen Interaktionsmechanismen (Bühnenbild, Kostüme usw.) spielen, die zum Verständnis und zur Modernisierung "alter" Dramen heute wie damals eingesetzt werden.
Ziel der Arbeit ist also durch die exemplarische Auswertung englischer (Elizabethan Theatre), italienischer (Commedia dell'Arte) und deutscher Theaterstücke und -inszenierungen der frühen Neuzeit herauszufiltern, inwiefern sich unterschiedliche europäische Traditionen im Bereich der Theatralität und Theatralisierung als Interaktion zwischen Autoren, Rezipienten, Produzenten und Kulturen beeinflusst und verändert haben. Die Entwicklung des Street Theatre und des Popular Theatre eignet sich besonders gut für eine komparatistische Studie, da der gegenseitige Einfluss von literarischen Strömungen, neuen Spielstätten, professionellen Formen der Inszenierung und der auf kultureller sowie wirtschaftlicher Ebene immer größer werdenden Rolle des Publikums produktiv und interaktiv gewirkt hat. Außerdem habe ich als Anglistin und Germanistin mit Italienisch als Muttersprache einen persönlichen Bezug zu diesen Sprachen und Literaturen, der die Arbeit sicher bereichert und für die Recherche und Vernetzung der Materialien von Vorteil ist.
Die Bedeutung für die Forschung liegt darin, dass die Festlegung der Parameter auf der Ebene der Rezeption, Produktion und Perzeption einerseits als Interpretationsschlüssel für exemplarische Fallstudien fungiert, die die dynamische Entwicklung des Straßen- und Volkstheaters von Beginn an bis hin zur Gegenwart veranschaulichen. Anderseits können sie auch als innovatives Instrument für die Kulturproduktionen der Gegenwart angewandt werden (z.B. im Kontext der Atelier Gespräche in Salzburg), um die Problemfelder und Mechanismen der Neuinszenierung frühneuzeitlicher Stoffe zu beleuchten.



  • News
    Mit dem PLUS Talk wurde bereits 2020 ein neues Kommunikationsformat der Paris Lodron Universität Salzburg eingeführt. Im Rahmen dieses Formats treten Mitglieder des Rektorats zu bestimmten Schwerpunktthemen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der PLUS, Studierenden und Vertreterinnen und Vertretern der Öffentlichkeit in Diskurs. Die Diskussionen finden LIVE statt und bieten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, zu aktuellen Themen Fragen zu stellen.
    Am Mittwoch, den 17. März 2021 veranstaltet die PLUS einen virtuellen Tag der offenen Tür und lädt interessierte Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen herzlich ein. Alle Informationen dazu finden sich online unter www.uni-salzburg.at/openday.
    Nach Austausch mit dem Ministerium und in intensiver Beratung mit den Dekanen hat das Rektorat der Paris Lodron Universität Salzburg entschieden Prüfungen derzeit grundsätzlich nur mehr online durchzuführen. Dazu gelten folgende Punkte:
    Dialog und Befreiung in einer digitalen Zukunft - Ort und Zeit: Paris Lodron Universität Salzburg; 14.–16. Oktober 2021 - Ansprechpartner: markus.maier@stud.sbg.ac.at
    Herausforderungen gibt es im elementarpädagogischen Alltag zahlreiche, nicht nur in Coronazeiten. Die Kunst liegt im konstruktiven Umgang mit anspruchsvollen Situationen. Dem Thema „Lösungsorientiert mit Herausforderungen – kompetent und sicher – umgehen“ widmet sich der vierte Tag der Elementarbildung in Salzburg 22.01.2021, der aufgrund der pandemiebedingten Maßnahmen in digitaler Form stattfinden wird.
    Im Rahmen der Reihe „MUSIK & MEDIZIN“ organisiert der Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst im Jänner und Februar 2021 insgesamt drei Online-Vorträge:
    INTERDISZIPLINÄRE TAGUNG unter der Leitung von Reinhard Heinisch, Reinhard Klaushofer, Christoph Kühberger und Margit Reiter
    Prof. Dr. Hans van Ess (Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität und Professor am Institut für Sinologie) mit dem Thema "Neukonfuzianismus im 21. Jahrhundert" am Dienstag, den 19. Januar 2021 um 18:00 Uhr.
    10h /Online-Matinee mit Vortrag und Gespräch aus der Reihe „Artes“ mit Robert Brennan und Wolf-Dietrich Löhr.
    Im Rahmen der Reihe „MUSIK & MEDIZIN“ organisiert der Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst am 27. Jänner 2021 einen weiteren Online-Vortrag:
    Im Rahmen der Reihe „MUSIK & MEDIZIN“ organisiert der Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst am 3. Februar 2021 einen weiteren Online-Vortrag:
    Die Rechtsakademie an der Universität Salzburg bietet im Jänner 2021 drei Online-Seminare zu den Themen Update Wettbewerbsrecht (Kartellrecht und UWG) am Freitag, 15.1.2021, Update GmbH-Recht am Freitag, 22.1.2021 und Update Gewährleistungsrecht am Freitag, 29.1.2021, an.
    Hiermit möchten wir an den Call for Lectures erinnern, welcher noch bis 28.02. geöffnet ist. Bewerben Sie sich als Lektorin bei der ditact_women‘s IT summer studies, welche von 23.08.- 04.09.2021 an der Universität Salzburg stattfindet. Es ist uns ein großes Anliegen auch Nachwuchslektorinnen zu fördern.
    Mit dem „Award of Excellence“ werden die besten Dissertationen eines Studienjahres an österreichischen Hochschulen ausgezeichnet. Unter den Preisträgern ist Marina Pagano, Mitarbeiterin des FB Romanistik und Mitglied des Doktoratskollegs "Ästhetische Kommunikation".
    Knochen haben die außergewöhnliche Eigenschaft sich an äußere mechanische Einflüsse anzupassen und gezielt dort neues Material aufzubauen, wo es am dringendsten benötigt wird. Bereiche, die nur schwachen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, werden hingegen abgebaut.
    Das Land Salzburg schreibt in Abstimmung mit der Paris Lodron Universität Salzburg das neue Förderprogramm Digital Humanities aus. Unterstützt werden neue, innovative Forschungsvorhaben aus dem GSK-Bereich mit interdisziplinärer Ausrichtung, die sich mit dem Einsatz digitaler Technologien auseinandersetzen.
  • Veranstaltungen
  • 19.01.21 Pecha Kucha - Ideen kurz & knackig präsentieren
    19.01.21 Neukonfuzianismus im 21. Jahrhundert
    20.01.21 Das doing menstruation in der Gesellschaft der Nachhaltigkeit
    20.01.21 Wie wirkt Musik?
    21.01.21 Friderike ›Zweig‹ und weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert
    22.01.21 Friderike ›Zweig‹ und weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert
    22.01.21 Update GmbH-Recht
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Impressum
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg