Narrative der Diaspora: Orientalisches Christentum aus dem Nahen Osten in Österreich

Projektdaten

Drittelmittelgeber: Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbibliothek

Projektnummer: J15825

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler

Projektmitarbeiter: Dr. Andreas Schmoller

Laufzeit: 01.04.2014-31.07.2016

Jubiläumsfonds

Projektergebnisse Kurzbericht

Die Forschungsergebnisse der Studie liegen in folgenden drei Kernbereichen: Ein Teil des Projektes befasste sich im Rahmen von lebensgeschichtlichen Interviews mit syrisch-orthodoxen Syrien-Flüchtlingen mit der Frage nach religiöser Identität im Kontext von Flucht und Aufnahme im Westen. Dabei hat sich gezeigt, dass religiöse Identität zentral zur Deutung der eigenen Biografie eingesetzt wird, um autobiografisches Erleben und Projekte mit dem Größeren der Geschichte zu verbinden. Der Rückgriff auf einen Diskurs der Konfessionalisierung ist dabei sehr häufig. Dessen Funktionalität wird in der Studie jedoch nicht nur aus der persönlich tiefgreifenden Erfahrung von Konfessionalisierung (engl. sectarianization) erklärt, sondern auch im Kontext des Aufnahmelandes Österreich verortet. Die konfessionelle Zugehörigkeit ist somit Teil einer translokalen Positionierung, die in der polarisierten Aufnahmegesellschaft von Bedeutung ist, als mit ihr Flucht und Integration sinnstiftend erzählbar gemacht sind.  

In den lebensgeschichtlichen Interviews mit Gemeindemitgliedern der ersten, zweiten und teils dritten Generation  zeichneten sich die tiefgreifenden gemeindeinternen Reaktionen auf die gegenwärtigen Bedrohung des nahöstlichen Christentums ab (Eroberung der Ninive Ebene durch den IS im Sommer 2014, Vertreibung der assyrischen Christen am Khabur—Fluß im Februar 2015). Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Grundbefindlichkeit mangelnder Anerkennung und Sichtbarkeit des orientalischen Christentums in der Diaspora wie in den Ursprungsregionen ihren Ausdruck in spezifischen narrativen, diskursiven und praktizierten Identifizierungs- und Abgrenzungsstrategien findet. Unter dem Vorzeichen anti-muslimisch und anti-arabisch geprägter Haltungen in den Gastgesellschaften sehen sich die orientalischen Christen doppelt als Opfer und benutzen den gängigen Islam-Diskurs ihrerseits als Projektionsfläche für die Abgrenzung der eigenen Gruppe. In diesem Bereich ist vertiefende Forschung zweifelsohne wünschenswert.

Die Analyse der Gemeindegeschichten verdeutlicht das Bild von religiös, kulturell und demografisch lebendigen Kirchengemeinden, denen es gelungen ist, in Österreich institutionell Fuß zu fassen. Sie verfügen über eine transnationale und eine lokale Struktur und interagieren sowohl mit den Kirchen in den Heimatländern (Kairo bzw. Damaskus) und anderen Diasporen als auch mit den anderen religiösen Gemeinschaften in Österreich (vor allem mit der katholischen Kirche). Als begünstigender lokaler Faktor konnte u.a. das kooperative Modell der Kirche-Staat-Beziehungen in der ‚religious gouvernance‘ ausgemacht werden.

Projektpublikationen (Stand: Dez. 2016)

1.      Schmoller, Andreas,. „Die Orient-Christen Österreichs.“ Salzburger Nachrichten, 11.6.2016.

(Eine populärwissenschaftliche Erklärung des Forschungsgegenstandes mit Fokus auf die Kontexte der Diaspora-Identität von orientalischen Christen in Österreich)

2.      Schmoller, Andreas, „Orte der Zugehörigkeit: Kontexte und Forschungsansatz einer Diaspora-Studie zu den syrischen und koptischen Christen in Österreich.“ in Syrische Studien: Beiträge zum 8. Deutschen Syrologie-Symposion in Salzburg 2014, hrsg. von Dietmar W. Winkler, orientalia - patristica - oecumenica 10. Berlin, [et.al.]: Lit, 2016: 199–214.

(Reflektiert die methodische Herangehensweise an das Projekt)

3.      Schmoller, Andreas, „‘Now My Life in Syria Is Finished': Case Studies on Religious Identity and Sectarianism in Narratives of Syrian Christian Refugees in Austria.” Islam and Christian-Muslim Relations. DOI 10.1080/09596410.2016.1208956

(Fasst die Forschungsergebnisse aus Interviews mit syrisch-christlichen Flüchtlingen vor dem Hintergrund sektiererischer Kriegserfahrung und politischen Konstellationen im Aufnahmeland Österreich zusammen.)

4.      Schmoller, Andreas, „Structures of belonging and relations: The Syriac Orthodox and the Coptic Orthodox Church in Austria.“ in Middle Eastern Christian Identities in Europe, hrsg. von Fiona McCallum und et.al. (erscheint 2017)

(Fasst die Forschungsergebnisse zur Geschichte der untersuchten Gemeinden sowie jüngerer Entwicklungen in den Gemeinden zusammen. Der Erklärungsansatz arbeitet mit der These besonderer Kirche-Staat-Verhältnisse und der spezifischen politischen Kultur in Österreich, die Auswirkungen auf die historische Konstituierung der untersuchten Kirchen hat.)

5.      Schmoller, Andreas, „Middle Eastern Minorities in Diaspora.“ in Routledge Handbook of Minorities in the Middle East, hrsg. von Paul Rowe. London: Routledge, (erscheint Anf. 2017)

(Überblicksartikel über Christliche und nicht-Christliche Diasporen aus dem Nahen Osten mit Ergebnissen aus dem ÖNB-Projekt: Identifizierungs- und Abgrenzungsstrategien von orientalischen Christen unter Vorzeichen einer anti-muslimisch und anti-arabischen Atmosphäre)

  • ENGLISH English
  • News
    Die Ringvorlesung "Politics, History and Culture. Austria in the 20th and 21st Century" wartet kommendes Wintersemester 2018/19 wieder mit einem spannenden Programm auf.
    Äußerst hoch ging es her beim Kick-Off des neuen Karriere Entwicklungsprogramms Karriere_Mentoring III der Universitäten Salzburg, Linz und Krems, welcher am 13. September in Gmunden stattfand.
    Ein Team um die Salzburger Jungforscherin Therese Wohlschlager hat einen Ansatz entwickelt, mit dem Biopharmazeutika einfacher und schneller als bisher charakterisiert und in der Folge kostengünstiger hergestellt werden können.
    Informationsveranstaltung „Unifinanzierung NEU (Fokus Lehre) und Zielvereinbarungsprozess“ am Dienstag den 16. Oktober 2018, 15 bis 17 Uhr, Thomas Bernhard Hörsaal im Unipark.
    Die Orientierungswoche findet vom 17. - 21.9. statt.
    Spielen Sie mit - Internationaler Stallcatchers Catchathon 2018!
    Ausstellungseröffnung und Gespräch mit Jian Haake (Kiel) Donnerstag, 4. Oktober um 18.30 Uhr enter: Raum für Kunst im KunstQuartier, Bergstraße 12a Ausstellungsdauer: 5.10. bis 9.11.2018 www.w-k.sbg.ac.at/de/kunstpolemik-polemikkunst/aktuelles
    Das Projekt „Making Art, Making Media, Making Change!“ von Elke Zobl (Assozierte Professorin am Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft & Kunst) wurde am Freitag, 7. September 2018, in Berlin mit dem European Youth Culture Award (EYCA) in der Kategorie „Wissenschaft und Forschung“ ausgezeichnet. Der Preis wurde von der Respekt!-Stiftung heuer zum zweiten Mal vergeben. Er soll Projekte, Initiativen und Personen würdigen, die sich im besonderen Maße darum bemüht machen, Jugend und Jugendkultur, die s
    Die Universitätsbibliothek Salzburg (Hauptbibliothek und Fakultätsbibliothek für Rechtswissenschaften) öffnet Tür und Tor für die Öffentlichkeit und bietet ein vielfältiges Programm.
    Politische Bildung ist in Österreich seit 1978 ein allgemeines Unterrichtsprinzip, also eine Bildungs- und Erziehungsaufgabe, die den Lehrkräften aller Schulfächer und Schulstufen obliegt. Die Ringvorlesung soll Wege aufzeigen, wie Demokratiebildung in verschiedenen Unterrichtsfächern funktionieren kann, sodass sich für Lehramtsstudierende und LehrerInnen unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe grundsätzliche Herausforderung eröffnen.
    Tagung in Kooperation mit der Internationalen Robert-Musil-Gesellschaft im KunstQuartier (W&K-Atelier, 1. OG, Bergstr. 12a) // RAHMENPROGRAMM: DO 4.10. VERNISSAGE im KunstQuartier um 18.30h // FR 5.10. BUCHPRÄSENTATION um 19.30h im Stefan-Zweig-Zentrum Edmundsburg // www.w-k.sbg.ac.at/de/kunstpolemik-polemikkunst
    Anlässlich der Langen Nacht der Museen 2018 wird auch die Abguss-Sammlung der Universität Salzburg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
    Putting Successful Models into Perspective in Europe, 26. - 28. September 2018, Schloss Rif, Universität Salzburg. Für Studierende gibt es vergünstigte Tagestickets!
    Wichtige Termine und Informationen zur Anmeldung für die Kurse am Sprachenzentrum im Wintersemester 2018/19
    Die Brüder Leopold (6 Jahre) und Ferdinand (4 Jahre) erklärten kurzerhand ihren Freunden: „Wir gehen in den Ferien an die UNI“ und hatten recht damit. Sie verfügten nämlich über Plätze in der komplett ausgebuchten Sommerbetreuung des Kinderbüros der Universität.
    Die Leopold-Kohr-Akademie organisiert im September und Oktober 2018 zwei Veranstaltungen. Gemeinsam mit der Universität Salzburg betreibt die Einrichtung das Kohr-Archiv.
    Am Samstag, den 22. September 2018 ab 11 Uhr stellt der Botanische Garten die Bilder der Künstlerin Karin Wimmeder aus. Musikalisch untermalt von der Rhythmusgruppe "Schlagartig.org".
    Vom Hortus Medicus zur Pharmaforschung. Eine Ausstellung des Verbandes Botanischer Gärten 2018
    Am 6. Dezember 2018 finden an der Universität Salzburg die WTZ Training Days zum Thema Kommunikation, Dissemination und Verbreitung in H2020-Projekten statt.
  • Veranstaltungen
  • 21.09.18 ÖFEB-Sektion Sozialpädagogik
    25.09.18 Welcome Day/Orientierungstag für Erstsemestrige
    26.09.18 Orientierungstag für Erstsemestrige
    26.09.18 Symposium: Prävention der Adipositas im Vorschulalter
    26.09.18 subnetTALK: Postdigitales Design (Vortragssprache DE)
    27.09.18 Symposium: Prävention der Adipositas im Vorschulalter
    27.09.18 Orientierungstag für Erstsemestrige
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg