Donnerstag, 26. Jänner 2017, 19 Uhr, Unipark Nonntal, HS E.004 (Anna Bahr-Mildenburg)

Vladimir Vertlib (Schriftsteller, Salzburg und Wien)

Vortrag: „Ich wohne im Dunkeln, im Hinterhaus, den Klingelknopf reißt wie Fleisch man heraus […]“ (O. Mandel’štam). Osteuropa – ein persönlicher Rundumschlag  

Flüchtlingskrise, Syrienkrieg, Nationalismus, Rechtspopulismus, Globalisierung, Zivilgesellschaft: Ost- und Ostmitteleuropa reagiert anders. Aber inwieweit und warum? Ist das, was in Russland und der Ukraine, in Polen oder Ungarn passiert, für uns im Westen ein ferner oder ein naher Spiegel? Und ist es überhaupt ein Spiegel? Als Migrant mit russisch-jüdischen Wurzeln, als Schriftsteller und Essayist versuche ich mich diesem Thema vor allem am Beispiel Österreichs und Russlands persönlich anzunähern, die Brüche und Ambivalenzen in mir selbst aufzuspüren - essayistisch, anklagend, humoristisch, anekdotisch -, einen Bogen zu spannen, der Erinnerungen und Reflexionen genauso umfasst wie überraschende Querverbindungen und Berichte über „Erfahrungen“ in sozialen Netzwerken.  

Foto: Wolfgang R. KubizekVladimir Vertlib, geboren am 2. Juli 1966 in Leningrad (heute St. Petersburg). 1971 Emigration mit seinen Eltern, Zwischenstationen in Israel, Österreich, Italien, den Niederlanden und den USA. Seit 1981 in Österreich. Vertlib studierte Volkswirtschaftslehre in Wien, seit 1993 ist er freiberuflicher Schriftsteller. Er lebt in Salzburg und Wien. Vertlib schreibt Romane, Essays und Artikel für Zeitungen und Zeitschriften. Sein Theaterstück ÜBERALL NIRGENDS lauert die Zukunft wurde 2016 unter anderem in Salzburg und München aufgeführt. Er ist Mitherausgeber der in Wien erscheinenden Zeitschrift Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands. Für sein Werk erhielt Vertlib den Adelbert-von- Chamisso-Förderpreis sowie den Anton-Wildgans-Preis. Zu seinen Büchern gehören die Romane Zwischenstationen (1999), Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur (2001), Letzter Wunsch (2003), Am Morgen des zwölften Tages (2009) und Schimons Schweigen (2012). Sein Roman Lucia Binar und die russische Seele war auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2015.

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