Winter School 2018

Die besten Köpfe für den Lehrerjob an unseren Schulen und die Lehrerbildungsforschung an unseren Hochschulen

 

Wie können werdende Lehrkräfte noch besser auf ihre zukünftigen, komplexen Aufgaben vorbereitet werden? Welche Kompetenzen sind zentral für guten Unterricht? Was bringen die neuen Aufnahmetests an Universitäten? Wie motiviert man die Besten ihres Fachs, in den Lehrberuf einzusteigen? Und wie kann man Studierende individuell fördern?

Diese und weitere Fragen diskutierten rund 120 Experten und Expertinnen aus fachdidaktischer und bildungswissenschaftlicher Forschung bei der „Winter School“, die von 21. bis 23. Februar 2018 an der School of Education der Paris Lodron Universität abgehalten wurde. Die Doktoratsstudierenden der School of Education, die sich auf Lehrerbildungsforschung spezialisiert haben, trafen mit ihren Kollegen und Kolleginnen aus der Schweiz und Deutschland  zusammen.

Die wissenschaftlichen Betreuer und Betreuerinnen der Doktoratsstudierenden der School of Education, der Universität zu Köln (Graduiertenschule des Zentrums für LehrerInnenbildung) und der Pädagogischen Hochschule St. Gallen tauschten sich dabei über den aktuellen internationalen Stand der Lehrerkompetenzforschung aus.

„Das positive Echo auf diese Veranstaltung war großartig. Es wurde ein länderübergreifendes Netzwerk mit den jungen Nachwuchsforschern installiert, wir werden die gegenseitige Beratung verstärken und darüber hinaus werden wir uns ab sofort jedes Jahr in einem der drei Länder abwechselnd zu Winter oder Summer Schools treffen“, resümiert Priv.-Doz.in DDr.in Ulrike Greiner, Direktorin der School of Education. Gemeinsam will man an einem kräftigen Qualitätsschub für die Lehrerbildungsforschung arbeiten und die Ergebnisse aus der eigenen Forschung für die Verbesserung der Praxis der Lehrerausbildung nutzen. Die Doktoratsstudierenden bekamen umfassende, individuell ausgerichtete Beratung durch internationale Forscherteams und in weiterer Folge neue Fortbildungsmöglichkeiten an den kooperierenden Universitäten, um die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Fachdidaktik und Bildungswissenschaft in der Lehrerbildung zu verstärken. Es werden zudem länderübergreifend Workshops angeboten und Forschungsprojekte vorangetrieben, welche die vergleichende Kompetenzentwicklung in Österreich, Deutschland und der Schweiz im Auge haben. Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu profitieren: „Die Schweiz ist beispielsweise bei der Praxisorientierung auf einem sehr guten Weg, die Universität zu Köln bemüht sich intensiv um die Spezialisierung und individuelle Förderung der Studierenden. Es muss nicht jeder von uns das Rad neu erfinden“, erklärt Greiner.

Ausgetauscht hat man sich auch zum zentralen Thema „Sprache im Unterricht“. „Sprache ist ein zentrales Werkzeug im Unterricht, egal, in welchem Fach. Fachliche Inhalte werden durch Sprache vermittelt und erworben“, sagt Greiner. Im Unterricht treffen meist nicht nur unterschiedliche Sprachkompetenzen, sondern auch Fach- und Alltagssprache aufeinander. Diskutiert wurden bei der Fachtagung im Rahmen des Vortrags von Prof. Michael Becker-Mrotzek von der Universität zu Köln, auch Direktor des Mercator-Instituts, grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten für einen sprachsensiblen Unterricht: Wie erklärt man Schulthemen gut und interessant? Wie erstellt man verständliche Aufgaben?

Ein zentraler Diskussionspunkt war zudem, wie man nicht nur ein qualitativ hochwertiges Studium für Lehramtsstudierende schafft, sondern wie man die Besten ihres Fachs für den Unterricht an Schulen begeistert. Wir möchten besondere Anreize schaffen, um sehr motivierte, zielstrebige Studierende zu lukrieren. Das Lehramtsstudium soll eine Option für besonders Motivierte sein“, so Greiner. Eigene „Interessensklassen“, bedürfnisorientierte Unterstützung und berufsbiographische Entwicklung sollen dabei einen großen Stellenwert bekommen. Auch der Fortbildung der schon im Beruf stehenden Lehrkräfte sollte mehr Augenmerk geschenkt werden: „Lehrpersonen sollte es möglich sein, ihre Dissertation berufsbegleitend zu machen. Wir müssen viel mehr schätzen, dass sich Lehrpersonen bewusst weiterqualifizieren wollen“, so Greiner. Dies muss auch im österreichischen Schulwesen mehr anerkannt werden. Lehrpersonen mit wissenschaftlichen Zusatzqualifikationen sind eigentlich zentrale Persönlichkeiten der Zukunft. Wer sonst soll an zunehmend autonom ausgerichteten Schulen Begleitforschung zusammen mit Universitäten vorantreiben und Evaluationen verantworten?

Der Schwerpunkt Lehrerbildung gehört bereits zum Profil der Paris Lodron Universität Salzburg und wird nun mit dem seit 2016/17 neu implementierten Studium für das Lehramt einen noch höheren Stellenwert bekommen. Lehramtsstudierende sollten sich im Zentrum des jeweiligen Fachs fühlen: „Auch den Fachwissenschaftern und Fachwissenschafterinnen an der Universität ist klar: Wenn 40 Prozent Lehramtsstudierende sind, muss das Angebot auch einen Bezug zu „Lernen, Schule und Unterricht“ aufweisen. Das geht mit einer sehr guten Fachausbildung einher, die man eben hier an einer Universität findet und die beides bietet: die Fachausbildung auf hohem Niveau und die Bearbeitung der praktischen Erfahrungen und Fragen mit dem Aufzeigen von neuen Denkweisen und praktischen Lösungen. Hier entsteht in Kooperation mit drei Pädagogischen Hochschulen aus Österreich und der Schweiz, die auch Partner des Doktoratskollegs sind, eine neue Gestalt von Lehrerbildung. Wir bauen an einem Zukunftskonzept, bekräftigt Greiner.

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