Studieren mit Sehbehinderung / Blindheit

Leitfeden für Studierende

Wir freuen uns, dass Sie sich dafür entschieden haben, ein Studium zu beginnen. Mit diesem Leitfaden möchten wir Ihnen den Weg in diesen neuen Lebensabschnitt erleichtern und Ihnen aufzeigen, was vor und nach Beginn Ihrer gewählten Studienrichung auf Sie zukommt.
Wir denken, dass Sie mit diesen Informationen für den Start gut gerüstet sind.

Der Weg zum Studium

Der Weg beginnt nicht erst ein Monat vor der Inskription sondern schon viel früher. Blinde oder hochgradig sehbehinderte Menschen haben viel mehr zu berücksichtigen und zu beachten als jene, die diese Behinderung nicht haben.
Das bedeutet, dass Sie sich im Vorfeld ausführlich informieren und sich vor dem Studienantritt gut organisieren sollten.
Unsere langjährige Erfahrung hat uns gezeigt, dass für Menschen mit Behinderungen ein „Drauf-los-studieren“ in der Regel nicht funktioniert und sehr häufig zu enttäuschenden Erlebnissen und schließlich zu Frustration führt.
Die erste Kontaktaufnahme sollte daher idealerweise mindestens ein halbes Jahr vor der Inskriptionszeit erfolgen. Somit bleibt noch genügend Zeit für Beratung, eine gute, umfassende Planung und Organisation. 

Für die Auswahl des für Sie richtigen Studiums sollten Sie sich zuerst folgende Fragen stellen:

  • Warum will ich an die Universität?
  • Welches Ziel verfolge ich?
  • Welches Studium kommt auf Grund meiner Stärken, Belastbarkeit und meiner Interessen für mich in Frage?
  • Welche Fertigkeiten bringe ich bereits mit und welche muss ich noch erwerben, um das Studium bewältigen zu können?
  • Welche Universität bietet welche Unterstützungsmöglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen in welchem Studium?

Wenn Sie diese Fragen für sich beantwortet haben, besprechen Sie Ihre Überlegungen auch mit Ihrer Familie, Freundinnen und Freunden, Ihrem Integrationspädagogen / Ihrer Integrationspädagogin der letztbesuchten Schule.  

Recherchieren Sie im Internet auf den Homepages der einzelnen Universitäten und holen Sie Informationen zu folgenden Themen ein:

  • Informationen zum Studienangebot
  • Studienabläufe
  • Informationsstellen an der Universität
  • Veranstaltungen für angehende Studierende
  • eventuell erforderliche Aufnahmeprüfung
  • Inskriptionstermin
  • Unterstützende Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen / chronischen Erkrankungen (An der Universität Salzburg ist das die Abteilung disability&diversity.)

Entscheidungskriterien für die endgültige Wahl des Studiums und der Universität

Für die endgültige Auswahl eines Studienzweiges müssen schließlich neben den bereits erwähnten persönlichen Stärken, Belastbarkeit und Interesse noch folgende wichtige Fragen abgeklärt werden:

  • Welche Hilfsmittel sind vorhanden? Das können beispielsweise sein: Braillezeile, Screenreader, Bildschirmvergrößerungsprogramm, Sprachausgabe, Bildschirmlesegerät mit oder ohne Fernkamera, Vorlesegerät, optische Vergrößerungshilfen, bedienbare Audioaufnahmegeräte.
  • Sind meine vorhandenen Hilfsmittel ausreichend für das Studium? Benötige ich zusätzliche Hilfsmittel?
  • Sind meine Fertigkeiten im Umgang damit ausreichend?
  • Wie sicher bin ich im Umgang mit Standardprogrammen, wie z.B. Word, Excel, Outlook, Windows-Explorer, Internet-Browsern, Mailprogramen, Acrobat Reader und pdf-Dateien?
  • Kann ich mit den vorhandenen Kenntnissen und Fertigkeiten das Studium meiner Wahl bewältigen oder bedarf es einer Nachschulung auf meine Hilfsmittel und/oder PC-Standardprogramme?

Erläuterung zu den oben verwendeten Begriffen

Braillezeile: ist der „Bildschirm“ für blinden Menschen und am PC mittels einer Schnittstelle angeschlossen.
Screenreader: ist ein Kommunikationsprogramm zwischen PC und Braillezeile. Mit Hilfe des Screenreaders werden am PC vorhandene Text-Daten in linearer Form auf der Braillezeile in tastbarer Brailleschrift dargestellt und je nach Produkt mit Sprachausgabe unterstützt. Der PC ist in seiner Grundfunktionalität mit dem SR (Screenreader) bedienbar. Es können auch spezielle Anpassungen gemacht werden, die die Bedienbarkeit dementsprechend erweitern und komfortabler machen. Grafiken können nicht interpretiert werden, sofern sie nicht textunterstützt sind.
Bildschirmvergrößerungsprogramme: geben PC-Inhalte (auch Grafiken) bis zu einer ca. 36fachen - mit Ausnahme bis zu einer 60fachen Vergrößerung wieder. Diese Programme sind häufig auch sprachunterstützt.
Bildschirmlesegeräte: vergrößern Schwarzschriftunterlagen bis zum 60fachen - mit Ausnahmen bis zum 100fachen. Diese Geräte können (je nach Fabrikat) mit einer Fernkamera ausgestatten sein. Diese zeigt entfernte Objekte am Bildschirm. Es gibt Standgeräte, tragbare Geräte und solche, die an einen PC angeschlossen werden können und zusätzlich als Scanner funktionieren. Vorlesegeräte: zeigen Schwarzschriftunterlagen am Bildschirm an und lesen gleichzeitig mittels einer Sprachausgabe vor.
Optische Sehhilfen: wie Lupen, Lupenbrillen, Monokulare.

Unterstützung zur Entscheidungsfindung

1. Liegt das Interesse bei Mathematik und Informatik, wird ein Studium an der Johannes Kepler Universität Linz empfohlen. Hier gibt es das Institut „Integriert Studieren“; dieses Institut ist österreichweit Vorreiter was die Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen bei diesen Studienlehrgängen anbelangt. Die erforderliche LaTech-Schulung könnte in Salzburg nicht in der Form angeboten werden; dieses Programm ist zur Darstellung von mehrzeiligen Formeln unbedingt erforderlich.
2. Das in vielen Studienrichtungen beinhaltete und zur Pflichtlehre gehörende Fach Statistik bedeutet für blinde Studierende einen erheblichen Mehraufwand, da verwendete Programme wie SPSS nicht bedienbar sind. Eine Einarbeitung in das Statistikprogramm "R" ist daher erforderlich (Kommandos und deren Parameter müssen erlernt werden und zusammen mit den zu berechnenden Daten über die Eingabezeile eingegeben werden). Sie müssen grundsätzlich darüber nachdenken, ob Sie diesen doch erheblichen Mehraufwand in Kauf nehmen möchten. Grundsätzlich ist es nicht möglich, Teilbereiche aus der Pflichtlehre zu „erlassen“. Wir können Sie dabei unterstützen, dass Sie barrierefreie Studienbedingungen vorfinden – eine Streichung von etwa Lehrveranstaltungen wie „Einführung in die Statistik“ ist aber studienrechtlich nicht möglich.
3. Beim Studium Kommunikationswissenschaften gibt es auch einige Hürden, die nicht zu unterschätzen sind, wie etwa der Umgang mit den unterschiedlichen verwendeten Medien.

Ist die Entscheidung für ein Studienfach und eine Universität gefallen, sollten Sie für sich noch abklären, ob Sie ein Training für Lebenspraktische Fertigkeiten (LPF) (z.B. Haushalt, Einkaufen ...) und ein Mobilitätstraining (hier wird u.a. geschult, wie man Wegstrecken sicher mit dem Taststock bewältigen kann und wie akustische Ampeln aktiviert werden) benötigen, um den Universitätsalltag gut bewältigen zu können. Auskunft zur Antragstellung und zur Finanzierung dieser Trainingsmöglichkeiten erhalten Sie beim Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg.

Unterstützungsangebote von disability&diversity

Folgende Unterstützungsleistungen können von Disability&Diversity vor und während des Studiums in Anspruch genommen werden:

  • Information und Beratung zu elektronischen Hilfsmitteln
  • Zugang zu PDF-Dateien, die nicht geöffnet oder nur teilweise geöffnet / gelesen werden können
  • Hilfestellung bei der Nutzung von Primo, der digitalen Bibliothek, Plus-Online, e-Learning
  • Unterstützung bei wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit dem Thema Blindheit oder Sehbehinderung befassen
  • Unterstützung bei Textrecherchen, Digitalisierung und zitierfähige Aufbereitung in alternativen Formaten

Vorgehensweise bei Prüfungen

Prüfungstermine müssen so rasch wie möglich, jedoch zwingend mindestens 14 Tage vorher der Abteilung disability&diversity bekannt gegeben werden. Diese Vorlaufzeit ist notwendig, damit ein abweichender Prüfungsmodus bearbeitet und vom Vizerektorat Lehre genehmigt werden kann. Laut der Rechtsabteilung der Universität Salzburg dürfen bei Prüfungen nur Universitätsangehörige in Prüfungssituationen anwesend sein. Bilaterale Absprachen zwischen Lehrenden und Studierenden über z.B. Dauer und Modus einer Prüfung können nicht akzeptiert werden und entsprechen auch nicht den studienrechtlichen Bestimmungen des Universitätsgesetzes §59 (1) Z 12, das die Grundlage für einen Nachteilsausgleich bildet.

  • News
    Am 9. Oktober 2020 findet die Lange Nacht der Forschung erstmals digital statt.
    Der Africa-UniNet Projekt-Call 2020 ist ab sofort geöffnet (Projektstart: 01. März 2021)!
    Arbeitsgruppen der Didaktik Physik und Schulentwicklung, Mathematik und Stadt- und Landschaftsökologie an der PLUS und Pädagogischen Hochschule Salzburg sind am interdisziplinären Projekt „CO2BS - Coole Bäume und Sensoren“ beteiligt.
    Die Salzburger Biologinnen Anja Hörger und Stephanie Socher werden im Rahmen des neuen „1000-Ideen-Programms“ des Wissenschaftsfonds FWF für ihre mutige Projektidee mit 150.000 Euro gefördert. In ihrem Projekt „Unsterbliche Titanen“ wollen die Nachwuchswissenschaftlerinnen in den nächsten zwei Jahren das riesige Genom der Titanenwurz, der größten Blume der Welt, analysieren. Mit dem „1000-Ideen-Programm“ soll Hochrisiko - Forschung unterstützt werden, um Österreichs Innovationskraft zu steigern.
    Farid Hafez, Senior PostDoc Fellow an der Abteilung Politikwissenschaft, erhielt den ‘Islam on the Edges’-Grant der Shenandoah University/USA.
    Die Fachwerkstätte der Naturwissenschaftlichen Fakultät hat mit Roman Wild einen neuen Leiter. Herr Wild hat bereits 5 ½ Jahre in der Fachwerkstätte mitgearbeitet und war zuvor als Produktzuständiger (im Bereich Kundendienst und Reparaturbearbeitung) bei Fa. Hale electronic tätig.
    Wir laden Sie ganz herzlich zu unseren virtuellen Sprechstunden am Fachbereich Slawistik ein. In diesen Sprechstunden, die online als Webex-Meetings abgehalten werden, können Sie alle Fragen zu den am Fachbereich Slawistik angebotenen Studien - BA Slawistik, BA Sprache-Wirtschaft-Kultur (Polnisch, Russisch, Tschechisch) und Lehramt Unterrichtsfach Russisch - stellen.
    Die „smarte Sommerfrische“, zu der die Salzburger Hochschulwochen seit 1931 einladen, kommt COVID-19-bedingt als „smarte Sommerbrise“ daher. Das Thema fesselt analog wie digital: „Du musst Dein Ändern leben!“ Die Salzburger Hochschulwochen beginnen am Montag, den 3. August und dauern bis Sonntag, 9. August 2020.
    Gerade in Zeiten von Corona hat sich gezeigt, wie wichtig die digitale Unterstützung der Studierenden im Uni-Alltag ist. Das Projekt „On Track“ – auf dem Weg bleiben vereinigt digitale und soziale Welten. Es startet zum richtigen Zeitpunkt!
    Sie wollen ein Lehramtsstudium an der Universität Salzburg beginnen und ziehen dabei in Betracht, eine (oder gar zwei) romanische Sprache(n) zu wählen, doch es beschäftigen Sie Fragen, Unklarheiten oder Zweifel hinsichtlich der Möglichkeiten und der universitären Ausbildung am Fachbereich Romanistik?
    Ab Oktober 2020 bietet die Universität Salzburg den neuen Bachelorstudiengang „Medizinische Biologie“ an. Der Studiengang will Inhalte der vielfältigen biowissenschaftlichen Fachdisziplinen vermitteln und ermöglicht daher ein facettenreiches, biologisches Verständnis für Themen, die für die Medizin wesentlich sind. Die Studieninhalte reichen vom kleinteiligen Aufbau der Zelle über Organe und Organsysteme bis hin zur Biologie von komplexen zwischenmenschlichen Interaktionen.
    150 Teilnehmerinnen haben die Chance schon genutzt und sich zu den über 50 Lehrveranstaltungen rund um die IT und Digitalisierung der ditact_womens IT summer studies der Universität Salzburg, welche von 01.09.-12.09.2020 stattfindet, angemeldet. Die Anmeldung ist noch bis 12. Juli möglich. Danach ist die Restplatzbörse geöffnet.
    Frequently Asked Questions (FAQ) zum Corona-Semester
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