In Memoriam Frau Baronin Maria Anna Mayr-Melnhof

Baronin Maria Anna Mayr-Melnhof

Maria Anna Baronin Mayr-Melnhof †

Die frühere Ko-Präsidentin von PRO ORIENTE (2001-2005), engagierte Vorkämpferin des Dialogs mit den Ostkirchen und Mäzenin der Ostkirchenarbeit in Salzburg, ist am 1. August 2010 im 83. Lebensjahr gestorben.

Wie Maria Anna Mayr-Melnhof erzählte, begann ihre Begegnung mit der Orthodoxie zur Zeit der Gründung der Salzburger Sektion von PRO ORIENTE durch Erzbischof Karl Berg 1985. Der damalige Generalsekretär, Alfred Stirnemann, sprach sie mit „Sie müssen etwas für die Ostkirchen tun“ recht direkt an. Ihren eigenen Worten gemäß hatte sie damals „nahezu keine Ahnung“ von der orthodoxen Kirche. Aber mit der ihr eigenen Leidenschaft und dem unnachahmlichen Charme, verbunden mit Konsequenz, Disziplin und tiefer Spiritualität wurde der Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche zu ihrem Herzensanliegen. Dieses Anliegen war allerdings auch verbunden mit einer gewissen ökumenischen Unzufriedenheit, weil die Kirchen so gar nicht dem Auftrag Jesu, „dass sie alle eins seien“ (Joh 17,21), gerecht zu werden scheinen. Denn alsbald erkannte sie ganz richtig, dass Orthodoxe und Katholische Kirche mehr eint als trennt. Mit unermüdlicher Hingabe verfolgte sie deshalb unsere Ostkirchen- und Dialogarbeit und schuf durch großzügige Unterstützung die Voraussetzungen dafür, dass sich Salzburg zu einem wichtigen Zentrum der Arbeit mit und für den Christlichen Osten entwickeln konnte. Ihr Nachfragen, wie denn gerade diese oder jene ökumenische Begegnung auf Weltebene zu deuten sei oder welche Dialoginitiativen PRO ORIENTE gerade setzte, waren ihr bedeutsam. Noch in den letzten Wochen ihres Lebens zeigte sich dies, denn ihr lebhaftes Interesse an der Versöhnung von Ost- und Westkirche konnte auch das Krankenbett nicht bremsen.

Maria Anna Mayr-Melnhof war von 1994 bis 1995 Vorsitzende der Salzburger Sektion von PRO ORIENTE. Für die Funktionsperiode 2001 bis 2005 ernannte sie Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit EU-Kommissar Franz Fischler und dem ehemaliger Generaldirektor der österreichischen Nationalbibliothek, Dr. Johann Marte, zur Ko-Präsidentin der Gesamtstiftung. Als solche konnte sie 2005 auch die große Tagung zum 20-Jahr Jubiläum der Salzburger Sektion („Die Seele Europas wieder entdecken -Marienfrömmigkeit im Glauben der Völker in Ost und West“) eröffnen.

Sowohl als langjähriges Mitglied des Kuratoriums der Gesamtstiftung als auch des Komitees der Salzburger Sektion war Maria Anna Mayr-Melnhof eine großzügige und treue Mäzenin der ostkirchlichen Ökumene. Ökumenische Gastfreundschaft nahm sie wörtlich, denn, wie vielen orthodoxen Freunden und Theologen, Bischöfen und Metropoliten sie auf Schloss Glanegg oder andernorts herzliche und humorvolle Gastgeberin war, lässt sich wohl nicht mehr genau eruieren. Den Mitgliedern der Generalversammlung der Catholica Unio Internationalis 2006 in Salzburg, unter ihnen Generalpräsident Mons. Pierre Bürcher und Weihbischof Mons. Peter Henrici, bereitete sie und ihre Familie im Schloss Kogl bei St. Georgen im Attergau einen unvergesslichen Empfang. Beim PRO ORIENTE Colloquium Syriacum 2007 war sie im Stiftskeller von St. Peter Gastgeberin für 30 Bischöfe, Metropoliten und Theologen aus Syrien, Irak, Israel, Türkei, Libanon, Indien, Deutschland, Holland, Frankreich, England und den USA. Besonders hervorgehoben sei an dieser Stelle auch das Engagement, mit dem sie die Tagungen der ICO (Initiative Christlicher Orient) förderte, die seit 1998 jährlich im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg stattfinden. Wie bei diesen Tagungen war sie auch bei zahlreichen, von PRO ORIENTE Salzburg organisierten Ökumenischen Akademien eine aufmerksame Zuhörerin und Gesprächspartnerin.

Auch auf vielen wichtigen ökumenischen Besuchsreisen mit Erzbischof Dr. Alois Kothgasser und Kardinal Dr. Christoph Schönborn, sei es zum Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel (2006) oder zum russisch-orthodoxen Patriarchen (Ostern 2008), trug sie zum persönlichen Kontakt mit der Orthodoxie bei. Ihr Engagement für die Ökumene und die Kirche wurde mit dem Päpstlichen Orden vom heiligen Sylvester gewürdigt. 2009 wurde Maria Anna Mayr-Melnhof von Kardinal Christoph Schönborn zum Ehrenmitglied von PRO ORIENTE ernannt.

Durch die Initiative von Maria Anna Mayr-Melnhof entstand auch aus der „Ostkirchlichen Abteilung“ am „Institut für Religionswissenschaft und Theologie“ des Internationalen Forschungszentrums ein selbständiges Institut für den Christlichen Osten im Edith-Stein-Haus am Mönchsberg, das 2006 in „Mayr-Melnhof Institut für den Christlichen Osten“ umbenannt wurde. Ohne diese Initiative wäre die seit 1961 bestehende Ostkirchliche Abteilung wohl aufgelöst worden und es gäbe heute keine Ostkirchenforschung mehr in Salzburg. Nachdrücklich war sie am Aufbau und an der Strukturierung des Instituts interessiert und wollte immer am Laufenden sein darüber, was das Wissenschaftler/innen-Team im Bereich des Oriens Christianus und der Ökumene gerade forsche. Für das Team des Instituts war sie einfach „unsere Baronin“. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, noch beim Gottesdienst anlässlich unseres heurigen Instituts-Ausflugs am 17. Juni in Maria Plain dabei zu sein. Wir wussten damals noch nicht, dass der Friedensgruß, den wir alle freudig miteinander austauschten, auch der Abschied war. Aber eigentlich ist das auch tröstlich und passt ganz gut so, zu unserer Arbeit, zu ihrem christlichen Selbstverständnis, zu ihrem Engagement für die Versöhnung der Kirchen, zu ihrer ökumenischen Ungeduld und zu ihrer Unterstützung der Ostkirchenforschung am Mayr-Melnhof-Institut für den Christlichen Osten in Salzburg und des ökumenischen Dialoges im Rahmen der Stiftung PRO ORIENTE.

Maria Anna Mayr-Melnhof wurde am 6. August 2010 in einer beeindruckenden Zeremonie von Erzbischof Dr. Alois Kothgasser in Gegenwart von Alterzbischof Dr. Georg Eder und Weihbischof Dr. Andreas Laun, zahlreicher Konzelebranten und einer unübersehbaren Zahl von Gläubigen im Familiengrab, das mit einer Kapelle Teil des in wunderbarer Landschaft am Fuß des Untersberges gelegenen Gutshofs Glanegg ist, zur letzten Ruhe gebettet. Dass ihr Engagement als Gastgeberin und für den Dialog mit den Ostkirchen auch jenseits der eigenen katholischen Tradition Früchte trägt, zeigt ein Kondolenzschreiben des rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel (Ciobotea) zu ihrem Ableben, das Dr. Dumitru Viezuianu, rumänisch-orthodoxer Pfarrer in Salzburg, im Rahmen der Begräbnisfeierlichkeiten verlas.

Besonders beeindruckend war die von einer tiefen Gläubigkeit geprägte Haltung, mit der sie ihr Leiden trug. Wie sie selbst sagte, empfand sie die ihr im April 2010 von den Ärzten eröffnete Nachricht, dass sich ihr irdischer Pilgerweg dem Ende zuneigt, als von Gott geschenkte Gelegenheit, um Abschied zu nehmen von den vielen Menschen, die ihr verbunden waren und sich im Dank für ihre Großzügigkeit mit ihr verbunden wussten, und alles zu ordnen und „gut aufgeräumt“ zu hinterlassen.

Als Maria Anna Mayr-Melnhof in Glanegg zur letzten Ruhe gebettet wurde, feierte die Kirche das Fest der Verklärung des Herrn, das im Osten wie im Westen in gleicher Weise begangen wird und an das auch Erzbischof Kothgasser in seiner Predigt erinnerte: „Wir blicken dabei auf den verklärten Herrn, der vor den Augen der drei bevorzugten Jünger – Petrus, Jakobus und Johannes – verwandelt wurde; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß, wie das Licht. Sehr verständlich, dass Petrus das Wort ergriff und sprach: ‚Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.‘  Eine Stimme aus der Wolke rief: ‚Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.‘ Wir glauben und hoffen, dass unsere liebe Verstorbene nun mit auf dem Berg ist, um die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Wir, die Zurückgebliebenen, blicken ihr nach, mit Wehmut und Sehnsucht zugleich… Wir gehen unseren Weg in dem Bewusstsein weiter, dass der Herr damals mit den Seinen vom Berg herabstieg. Er hat versprochen: ‚Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.‘ (Mt 28,20) Die Mutter Maria Anna aber möge ruhen in Gottes Frieden!“

Dietmar W. Winkler / Gottfried Glaßner OSB

aus: Der Christliche Osten 65 (2010) 239-241

Baronin Maria Anna Mayr-Melnhof
Mitarbeiter ZECO mit Frau Baronin Maria Anna Mayr-Melnhof
  • ENGLISH English
  • News
    Im neuen Jahr möchten wir die Gelegenheit nutzen, an den Call for Lectures zu erinnern, welcher noch bis 29.02. geöffnet ist. Bewerben Sie sich als Lektorin bei der ditact_women‘s IT summer studies, welche von 24.08.- 05.09.2020 an der Universität Salzburg stattfindet. Es ist uns ein großes Anliegen auch Nachwuchslektorinnen zu fördern.
    20. Februar 2020, 9:00 Uhr, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Haus C, Jörg Rehn Auditorium
    15.30h VORTRÄGE im KunstQuartier (W&K-Atelier, 1. OG): SILKE FELBER: Im Dazwischen. Figurationen der Durchquerung in Jelineks Theatertexten. BRITTA KALLIN: Märchenfiguren und intertextuelle Übergange in ausgewählten Werken von Elfriede Jelinek // 19.00h "Die Kinder der Toten": FILM & PODIUMSGESPRÄCH mit Claus Philipp und Gabriele Jutz in DAS KINO, Gisela Kai 11 // https://w-k.sbg.ac.at/figurationen-des-uebergangs
    Podiumsdiskussion, 17.01.2020, 16:00 Uhr, Unipark Nonntal, HS G. Eisler (E.003). Anschließend Buffet und Netzwerkphase im Foyer im 1. UG
    Dr. Jonas Eberle hält am 17. Januar 2020 um 14:00 Uhr im HS 436 der Naturwissenschaftlichen Fakultät, Hellbrunnerstrasse 34, einen Vortrag zum Thema "Species Delimitation: Current Challenges and how it enabled the Study of South African Chafer Populations". Der Fachbereich Biowissenschaften lädt herzlich dazu ein!
    Am 21. Jänner 2020 besucht der Botschafter der Republik Armenien in Österreich, SE DR. Armen Papikyan, Salzburg. Anschließend an offizielle Gespräche mit dem Salzburger Bürgermeister und der Landesregierung, lädt die Abt. für Armenische Studien am ZECO Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens SE Dr. Papikyan zu einem Vortrag in englischer Sprache ein.
    Donnerstag, 23. Jänner 2020, 19:30 Literaturarchiv Salzburg, Veranstaltungssaal (HS 2.04), Kapitelgasse 5–7, 2. Stock, 5020 Salzburg
    Der nächste Abgabetermin naht und die Arbeit ist noch immer nicht fertig? Die Universitätsbibliothek Salzburg öffnet wieder die Hauptbibliothek bis 01.00 Uhr und bietet ein attraktives Programm für alle, die ihre Arbeiten beenden wollen.
    Das Uniorchester der Universität Salzburg lädt am 26. Jänner um 19:00 Uhr zum Winterkonzert in die Große Aula der Universität ein.
    Mit Prof. Dr. Marek Węcowski (Universität Warschau) - Montag, 27. Jänner 2020 um 18:30 Uhr s.t. - Residenzplatz 1/4, SR. 1.42
    "Puppet Theatre: In the Beginning were Puppets | Figurentheater: Am Anfang waren Puppen" ist eine von Univ.-Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner organisierte internationale, interdisziplinäre Tagung, die von 30.-31. Jänner 2020, in Kooperation mit dem Salzburger Marionettentheater und der Stiftung Mozarteum, an der Universität Salzburg stattfindet.
    Der Tag der offenen Tür findet am 11. März ab 9.00 Uhr an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!
    „Alma Mater Paridiana“ - von der Gründung bis in die Neuzeit
  • Veranstaltungen
  • 17.01.20 Species Delimitation: Current Challenges and how it enabled the Study of South African Chafer Populations
    17.01.20 "The Changing Face of Leadership and Innovation"
    17.01.20 „Salzburgs sprechende Häuser“ zu Gast im Alten Studiengebäude der Universität Salzburg
    17.01.20 Elfriede Jelinek – eine Ästhetik der Übergänge
    20.01.20 Beyond paleomagnetism: What magnetic minerals tell us about pollution, biology, archaeology, and climate change
    21.01.20 Buchpräsentation: Erfinder-Erforscher-Erneuerer, Impuls-Idee_Innovation
    21.01.20 Römischer Goldbergbau im „Karth“, einer Landschaft südöstlich von Neunkirchen, NÖ
    22.01.20 "Go International" - Praktikum im Ausland
    22.01.20 Veranstaltungsreihe "Sozialpädagogische Blicke" 2019/20
    23.01.20 Post-Utopie und Europa in den szenischen Künsten
    23.01.20 Salzburger Museen und Sammlungen Geschichte vor Ort. Geschichte und Museum niederschwellig. Gedanken zur Barrierefreiheit in all ihren Dimensionen
    23.01.20 10. Nachtschicht@UBS - Zurück zum Schreibtisch
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg