Futures Literacy: Krisennarrationen von Kindern als Räume von Utopien der Solidarität

Das Futures Literacy Projekt situiert sich vordergründig in einer schulischen Aufgabenstellung zum Erwerb von Schreibkompetenzen. Der Schreibanlass ist ungewöhnlich, aber hochaktuell: SchülerInnen sollen imaginativ-retrospektiv ihre Erinnerungen an die Zeit der sogenannten „Corona-Krise“ verschriftlichen. Auf der zweiten Ebene interessiert uns in den Darstellungen der SchülerInnen ihre Fähigkeit, durch die fiktive Darstellung der Vergangenheit auch Bilder der Zukunft zu entwerfen. Angelehnt an internationale Projekte zu Futures Literacy (https://en.unesco.org/themes/futures-literacy) geht es uns in diesem Projekt um die kindliche Verarbeitung von Krisen und die Frage, ob Schreiben auch die schöpferische Kraft zu positiven Zukunftsbildern freisetzen kann und in welcher Weise das geschehen kann.

Zum Hintergrund: Der Erwerb von Textkompetenz (Vgl. zum Kompetenzbereich Verfassen von Texten an der Schnittstelle von Grundstufe, 4. Klasse, und Sekundarstufe I: https://www.bifie.at/wp-content/uploads/2017/06/bist_de_vs_themenheft_vvt_2012-12-21.pdf) im Deutschunterricht und in anderen Fächern erfordert Schreibanlässe, die nicht immer gesellschaftlich relevante und für die Identitäsentwicklung von frühadolszenten Schüler*innen bedeutsame Fragestellungen aufgreifen. Im Falle des vorliegenden Schreibauftrags handelt es sich allerdings um ein besonders gelungenes Beispiel. Die angezielte Textsorte, eine schriftlich verfasste Erinnerungsrede, die allerdings in der Zukunft stattfindet, thematisiert das Futur II als Schreibhaltugn des „Es wird gewesen sein“. Die erzählte Welt ist dabei in der Gegenwart, die Welt des Erzählers in der Zukunft. Das erzeugt die Verschränkung von möglicherweise utopischem und dystopischem Schreiben zugleich, je nachdem wie optimistisch oder pessimistisch man den Ausgang der Corona-Krise bewertet. Der indirekte Gegenwartsbezug ist dabei aussagekräftig für die Einschätzung der Gegenwart.

Ausgelöst durch diese Aufgabenstellung für eine Hausübung aus dem Bereich produktive Textkompetenzen des Detuschunterrichts einer vierten Klasse Grundschule in Österreich, entstand die Idee, Schulen auf der Grundstufe und Sekundarstufe I aus drei oder mehreren europäischen Ländern einzuladen, ihre Schüler*innen im Alter zwischen 10 und 12 Jahren zu ersuchen, diesen Schreibauftrag ebenfalls zu erfüllen. Das so entstehende Textkorpus von (anonymisierten) Reden einer fiktiven „Großelterngeneration der Zukunft“ an ihre  - noch ungeborenen - Enkel über das Leben in der Zeit der Coronavirus-Krise dient der sozialwissenschaftlichen und erziehungswissenschaftlichen Forschung hier als Datenmaterial. Durch eine systematische Kombination von quantitativer Inhaltsanalyse des großen im internationalen Kontext verschiedener europäischer Länder gewonnenen Textkorpus einerseits und qualitativer Textanalyse andererseits, sollen typische narrative und argumentative Textmuster (Narrationsmerkmale) identifiziert und dadurch folgende sozialwissenschaftlich interessierende Fragestellungen behandelt werden: Inwieweit spiegeln sich sozialisationstheoretisch Erfahrungen des Brüchigwerdens kindlicher Orintierungen in der Frühadoleszenz mit der Erfahrung des Brüchigwerdens der Welt am Beispiel einer fundamentalen (gesellschaftlichen, ökonomischen, sozialen etc.) Krise, wie sie durch die Corona-Krise indiziert ist? Welche Themen tauchen in den Texten auf? Welche Narrationen zeigen sich als / in Textstrukturen? Welche argumentativen Muster und Modi der kindlichen Verarbeitung von Krise sind erkennbar? Welches Verständnis von Solidarität lassen kindliche Antizipationen von Szenarien einer intergenerationalen Transmission von Lebenserfahrungen (Beziehung bzw. Isolation, Mobilität, Existenzprobleme, etc.) in den unterschiedlichen europäischen Gesellschaften im Spiegel der aktuellen Krise erkennen?  

 

Projektleitung

Univ.-Prof. Dr. Wassilios Baros (Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft)

Univ.-Prof'in DDr. Ulrike Greiner (School of Education)

 

Projektmitarbeiterinnen

Herlinde Aichner

Aida Delic

Paraskevi Fanarioti

Mishela Ivanova

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    Programmleitung und Gesprächsführung: Univ.-Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner
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