Die „Galerie der Landkarten“, so bezeichnet im (erstens erhaltenen) Inventar der Residenz vom 1727 (SLA, Geh. ARch. XXIII, 87), befindet sich in jenem Trakt, der – auf Grund des Stuckwappens im Treppenhaus – zweifelsfrei von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612) begonnen und, wie das Hohenems-Wappen sowie die Jahreszahl der Fertigstellung am Außenbau MDCXIIII (1614) belegen, von seinem Nachfolger Marcus Sitticus von Hohenems (1612-1619) fertig gestellt wurde.
Ernst von Frisch, Leiter der Salzburger Studienbibliothek (heute Universitätsbibliothek), ließ um 1930 Klebebände, deren Kupferstiche und Handzeichnungen seiner Auffassung nach von Wolf Dietrich von Raitenau stammen, in der Albertina in Wien durch P. Meder zerlegen. Es handelt sich bei den Graphiken und Handzeichnungen um eine Landkartensammlung von über 120 Karten (Landkarten, Stadtansichten), die zwischen 1560 und 1580 angefertigt wurden.
Die Eingrenzung der Entstehungszeit der vorhandenen Karten in das 3. Viertel des 16. Jahrunderts und die Fülle des Materials sind an einem Ort wie Salzburg ungewöhnlich und zeugen von einem gezielten Interessen einer Einzelperson an Kartographie. Die Annahme, dass es sich bei dieser Person um Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau handelt, stammt von Ernst von Frisch und lässt sich an den Graphiken selbst nicht beweisen; es spricht jedoch vieles für die Annahme.


Die Kenntnis von Landkartengalerien in Italien, d.h. von gemalten Landkarten und Stadtansichten an den Wänden eines Repräsentationsraumes, lässt sich grundsätzlich so wohl für Wolf Dietrich von Raitenau als auch für seinen Cousin und Nachfolger Marcus Sitticus von Hohenems voraussetzen. Beide waren zu Studienzwecken in Rom, beide wurden vom Onkel, Kardinal Marcus Sitticus von Hohenems, gefördert. Papst Pius IV. (1559-1565), Großonkel beider Salzburger Erzbischöfe, stattete im Vatikan bereits ein Zimmer mit Landkarten aus, die bedeutendste Landkartengalerie des Vatikans stammt noch von dem mit Kardinal Marcus Sitticus von Hohenems eng befreundeten Papst Gregor XIII. (1572-1585). Eine wohl nicht unbedeutende Sammlung von Landkarten – seien es Bücher oder Einzelblätter – darf auch in Schloss Hohenems in Vorarlberg vorausgesetzt werden, denn Jakob Hannibal von Hohenems schickte nachweislich in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts aus Flandern Landkarten an seine Frau Hortensia Borromeo nach Schloss Hohenems. Auf Schloss Hohenems waren diese Landkarten auf Grund der engen familiären Bindungen der Raitenauer und der Hohenemser damit für beide Familien zugänglich. Theoretisch wäre es demnach möglich, dass der Gebäudetrakt, in dem sich in der Salzburger Residenz der Landkartensaal befindet, von Wolf Dietrich errichtet, die Landkartengalerie selbst jedoch erst von seinem Nachfolger Marcus Sitticus in Auftrag gegeben wurde. Die Jahreszahl der Fertigstellung des Gebäudes während der Regierungszeit des Hohenemsers ließe diesen Schluss zu. Ohne ein eingehendes Quellenstudium der Archivalien zu Wolf Dietrichs Salzburger Regierungszeit durchzuführen, sprich jedoch viel dafür, sowohl die Anschaffung des Landkarten-Graphikbestandes in der Universitätsbibliothek Salzburg als auch die Anlage des Landkartensaales Wolf Dietrich zuzuschreiben.

Die kartographischen Graphikbestände stammen vorwiegend aus dem Zeitraum 1560-1580 und wurden zu einem großen Teil in Italien bzw. in den Niederlanden gedruckt. Für Wolf Dietrich von Raitenau ist die Verwendung von Kartenvorlagen des 3. Viertels des 16. Jahrhunderts für seinen Landkartensaal nicht ungewöhnlich. Für seinen Nachfolger Marcus Sitticus, der erst 1612 zum Salzburger Erzbischof gewählt wurde, wäre die Verwendung eines Landkartenmaterials, das bereits über 30 Jahre alt war, schon aus Prestigegründen eher nicht denkbar.

Roswitha Juffinger


  • ENGLISH English
  • News
    „UNInteressant? – Ideen, die unser Leben verbessern“: Unter diesem Motto startet die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) eine Online-Kampagne, an der sich alle 22 öffentlichen Universitäten gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds FWF beteiligen.
    Schlafstörungen gelten als „Volkskrankheit“ und erreichen in Krisenzeiten ihren Höhepunkt. Kerstin Hödlmoser und das Team des Schlaflabors an der Universität Salzburg (Fachbereich Psychologie/CCNS) sind im März einem Aufruf des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefolgt, Studierenden Informationen in Form von Kurztexten oder Videobotschaften zur Verfügung zu stellen.
    Die Zielgruppe der virtuellen Workshops des Programms Studieren.Recherchieren an der PLUS sind alle Schüler*innen und Studieninteressierte, die noch Informationen brauchen, um sich für ein Studium/Studienort zu entscheiden. Grundlegend sollen Interessen reflektiert werden, zu denen anschließend recherchiert wird.
    17h FRANK MAX MÜLLER (Salzburg/Gießen): Das Kollektiv ist tot, es lebe das Kollektiv! 1968 und die andauernde Suche nach Modellen der Zusammenarbeit in den Künsten // ANMELDUNG zu den Web-Vorträgen per E-Mail an: Anna.Estermann@sbg.ac.at // https://w-k.sbg.ac.at/figurationen-des-uebergangs
    Der Botanische Garten der Universität Salzburg öffnet. Ab dem 2. Juni gelten die üblichen Öffnungszeiten.
    01.09.-12.09.2020, https://ditact.ac.at. Auf Grund der aktuellen Pandemie-Situation finden die ditact_womens IT summer studies der Universität Salzburg eine Woche später als geplant statt und zwar von 01.09.-12.09.2020.. Die meisten Kurse werden online abgehalten.
    Die Universität bietet Entlastung für die Mehrfachbelastungen von Familien aufgrund von Covid-19 und den daraus resultierenden Herausforderungen mit dem Angebot von Lernbegleitung.
    Auf Grund der aktuellen Pandemie-Situation haben wir gemeinsam mit dem Rektorat der Universität Salzburg und dem Land Salzburg beschlossen, dass die ditact eine Woche später als geplant beginnt und von 01.09.-12.09.2020 stattfindet.
    Frequently Asked Questions (FAQ) zum Corona-Semester
    Die wichtigsten Informationen zur Umstellung des Forschungsbetriebs an der Universität Salzburg
    Aktuelle Information zum Personalrecht an der PLUS
    „Solidarität und ethische Verantwortung in Zeiten globaler Herausforderungen – Eine international-vergleichende Studie im Spiegel der Corona-Krise“
    Dienstag, 9. Juni 2020, 17 Uhr - Join Webex-Meeting: https://uni-salzburg.webex.com/uni-salzburg/j.php?MTID=m78aa13739796f21914aecfff67626ea6 Zugangsdaten: Meeting number (access code): 840 389 463 | Meeting password: YeNtSjk3h23
  • Veranstaltungen
  • 04.06.20 acid communism
    04.06.20 Let’s play Infokrieg. Wie die radikale Rechte (ihre) Politik gamifiziert
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg