23.06.2020

Ein holpriger Sonderweg? Schweden in der Corona-Krise

In der Corona-Krise hat Schweden die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Während fast alle Länder – auch Österreich – auf gesetzlich verordnete Maßnahmen des Social-Distancing gesetzt haben (‚Lockdown‘), blieben in Schweden Schulen, Restaurants oder Freizeiteinrichtungen weitgehend geöffnet. Eine höhere Durchseuchung und ein stärkerer Anstieg der Sterberate wurden scheinbar in Kauf genommen, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden der Krise zu minimieren.

Während jedoch die gesundheitlichen Auswirkungen des „schwedischen Wegs“ immer deutlicher werden (steigende Fallzahlen und eine deutlich höhere Übersterblichkeit), sind die wirtschaftlichen Folgen bis dato kaum untersucht. Anhand von neuen, tagesaktuellen Statistiken über Arbeitssuchende lässt sich allerdings die Entwicklung Schwedens mit jener seiner Nachbarn vergleichen.

Arbeitsmarktsituation: Vergleich Schweden - Dänemark

Die Gegenüberstellung mit Schwedens Nachbarländern ist naheliegend: Die Epidemie trat in diesen Ländern nahezu zeitgleich auf und auch der (exponentielle) Anstieg der Infektionszahlen war zu Beginn ähnlich. Es handelt sich durchwegs um kleine offene Volkswirtschaften, deren wirtschaftliche Entwicklung stark von der internationalen Konjunktur abhängen. In allen Ländern wurde in der Krise das Instrument der Kurzarbeit eingesetzt. Schließlich unterscheiden sich die Bevölkerungsstrukturen und Gesundheitssysteme der vier Nachbarn nur unwesentlich

Beim Vergleich der Arbeitsmarktsituation in Schweden und Dänemark (siehe Grafik unten) stechen drei Besonderheiten ins Auge:

  • Erstens: Die Arbeitsmärkte der beiden Länder bewegen sich bis zur Krise nahezu im Einklang.
  • Zweitens: In Dänemark steigt die Zahl der neuen Arbeitssuchenden um den Zeitpunkt des ‚Lockdown‘ am 10. März drastisch an. Mitte März ist sie 3,5-mal höher als in derselben Zeitspanne in den Vorjahren. In Schweden tritt dieser Effekt ähnlich, aber verzögert auf. Unmittelbar danach sinkt die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern.
  • Drittens: In Schweden pendelt sich die Anzahl der neuen Arbeitssuchenden auf einem höheren Niveau ein.

 

Daraus lässt sich schließen: Insgesamt scheint es Schweden bisher nicht gelungen zu sein, sich der negativen wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie zu entziehen. Ein möglicher Grund könnte in der internationalen Verflechtung des Landes liegen. Allerdings müsste aufgrund eines stärkeren Binnenkonsums in Schweden einen Unterschied in den Arbeitsmärkten bemerkbar sein: Eine aktuelle Studie der Universität Kopenhagen zeigt indessen einen ähnlichen Rückgang der Konsumausgaben innerhalb der Länder, in Dänemark um 29% und in Schweden um 25%. Der geringe Unterschied deutet auf Folgendes hin: Auch in Schweden hat die Gefahr einer Ansteckung zu einem weitreichenden freiwilligen Social-Distancing und in der Folge zu weniger Konsumausgaben geführt.

Unklare langfristige Folgen

Bislang vorliegende Informationen zeigen somit, dass drastisch unterschiedliche Maßnahmen nur einen kleinen Unterschied in der wirtschaftlichen Entwicklung ausmachen. Ob sich die skandinavischen Nachbarn nach dem Ende des ‚Lockdown‘ wirtschaftlich schneller erholen als Schweden, oder Schweden dank fortschreitender Durchseuchung eine mögliche zweite Welle erspart bleibt, ist Spekulation und lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten.

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Hannes Winner und Jörg Paetzold sind Fachvertreter der Volkswirtschaftslehre an der PLUS. Ein gemeinsamer Forschungsschwerpunkt ist die Gesundheitsökonomik. Jörg Paetzold wurde 2020 mit dem Theodor Körner Preis ausgezeichnet.

Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des Bildes

 Grafik: PLUS, Paetzold/Winner

 

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