10.08.2017

Frauen in der theologischen Forschung besser vernetzen

Die Salzburger Bibelwissenschaftlerin Kristin De Troyer ist die neue Präsidentin der „Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen“ (ESWTR). Zur Stärkung der feministischen Agenda will De Troyer Theologinnen und Religionswissenschaftlerinnen noch besser miteinander vernetzen.

Von 23. bis 26. August 2017 findet dafür in Wien eine internationale Konferenz statt, zu der Theologinnen und Religionswissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt erwartet werden.  Die „Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen“ (ESWTR) ist die einzige international agierende Vertretung von Frauen in der theologischen Forschung. Die Plattform ist überkonfessionell ausgerichtet.

Von Belgien bis Bulgarien, von Dänemark bis Deutschland, von der Ukraine bis in die USA. Die „Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen“ („European Society of Women in Theological Research“, kurz ESWTR) hat seit ihrer Gründung vor 30 Jahren feministische Themen auf der Agenda. Sie war lange Zeit - und ist heute teilweise noch - die einzige Organisation, die Frauen in der theologischen Forschung die Möglichkeit zu feministischen Debatten bot bzw. bietet.

Ihr Anliegen ist die Vernetzung von Frauen im Bereich der christlichen, jüdischen und muslimischen Theologien und der Religionswissenschaft. Genderforschung in den Theologien und in der Religionswissenschaft ist - nach Eigendefinition - eine der Kernaufgaben der ESWTR. Um Aspekte der Genderforschung wird es auch bei der internationalen Konferenz der ESWTR gehen, die vom 23. bis 26. August 2017 in Wien im Kardinal-König-Haus stattfindet ( http://eswtr2017.univie.ac.at). Neben zahlreichen Vortragenden von renommierten Einrichtungen (wie zum Beispiel der Universität Cambridge) wird Salzburg mit drei Forscherinnen prominent vertreten sein.

Die zweijährig stattfindende Konferenz der ESWTR wird heuer erstmals von der neuen Präsidentin Kristin De Troyer, Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Universität Salzburg, und ihrem Team veranstaltet. „Damit wir in der feministischen Theologie weiter vorankommen, müssen wir uns noch besser vernetzen.

Das ist mir ein sehr großes Anliegen. Ich habe dafür schon einiges getan, wie zum Beispiel mit einem internationalen Team unser Journal auf Englisch, Deutsch und Spanisch zu publizieren oder die Website der ESWTR zu erneuern. Eine ideale Möglichkeit zum Austausch und zu Kooperation bietet jetzt auch die internationale Konferenz.“  

Kristin De Troyer, geboren 1963 in Ninove/Belgien, ist seit Herbst 2015 Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Universität Salzburg und Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Frauen in der theologischen Forschung. Sie ist eine der international renommiertesten Spezialistinnen für die Septuaginta, die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel ins Griechische. Feministische Theologie zu stärken und zu fördern, ist ihr seit jeher ein Anliegen.

„Wir Frauen in der Theologie sind noch immer eine Minderheit, aber gerade deswegen bringen wir oft kreative und neue Einsichten in wichtige Themen wie zum Beispiel die Migration. Wir haben oft eine andere Perspektive. Wir glauben auch, dass die Kirche der Zukunft und die Welt der Religionen viel von uns lernen kann, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit. Wir - Christinnen, Jüdinnen und Musliminnen - arbeiten, leben und forschen viel gemeinsam. Unsere ESWTR Gesellschaft und unser Kongress sind also ein Schritt in die Zukunft, hier in Österreich und im Rest Europas.“

Ein Schwerpunkt des Kongresses (http://eswtr2017.univie.ac.at), der unter dem Generalthema Grenzgänge („Translation- Transgression- Transformation“) steht, ist die Migration. Am 23. August 2017 wird Regina Polak (Universität Wien) in einem öffentlichen Abendvortrag um 19 Uhr über „Grenzerfahrungen, Träume und Sehnsüchte von Migrantinnen“ sprechen. Weitere Themen werden Grenzgänge im interreligiösen Dialog und Grenzgänge in bioethischen Fragen (zum Beispiel am Lebensende) sein.

Zur Bioethik wird am 26. August 2017 u.a. die Salzburger Moraltheologin Angelika Walser referieren. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Bioethik in der Reproduktionsmedizin. Während die katholische Kirche die künstliche Fortpflanzung in allen Formen ablehnt, hält Walser eine Liberalisierung, wie sie das novellierte österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz gebracht hat, für unaufhaltsam.

Über gendergerechte Bibelübersetzungen wird die Salzburger Professorin für Neutestamentliche Bibelforschung Marlis Gielen sprechen. Das Thema ist gerade jetzt sehr aktuell, da vor kurzem die neue Einheitsübersetzung der Bibel und die neue Übersetzung der Lutherbibel erschienen sind.

Die Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR) wurde 1986 in der Schweiz als Netzwerk von Theologinnen gegründet, um theologisch forschenden Frauen den Informationsaustausch zu ermöglichen. Heute ist die ESWTR weit über die Grenzen Europas hinaus vernetzt.

Ihr gehören 600 Mitglieder in über 30 Ländern an. Sollen Frauen zum Priesteramt zugelassen werden, war eines der Themen, über das die Theologinnen der Gründergeneration heftig diskutierten und für Aufmerksamkeit sorgten. An theologischen Fakultäten war das Thema damals weder erwünscht noch möglich. Der Fokus der feministischen Forscherinnen der ESWTR verlagert sich heute auch hin zu anderen Themen wie dem interreligiösen Diskurs.

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Kristin De Troyer, Professorin für Altes Testament, FB Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte, Universität Salzburg, Universitätsplatz 1, 5020 Salzburg,  kristin.detroyer@sbg.ac.at, Tel. 0662 8044-2922

Univ.-Prof. Dr. Angelika Walser, Moraltheologie und Spirituelle Theologie, FB Praktische Theologie, Universität Salzburg Universitätsplatz 1, 5020 Salzburg, angelika.walser@sbg.ac.at, Tel. 0662 8044-2676  

Veranstaltungshinweis: Internationale Konferenz der „Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen“(ESWTR) vom 23. bis 26. August 2017 in Wien, Kardinal-König-Haus, http://eswtr2017.univie.ac.at 

 

 

Mag. G. Pfeifer

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