23.10.2019

Forscherin Christine Lohmeier jetzt Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste

Die Salzburger Kommunikationswissenschaftlerin Christine Lohmeier wurde kürzlich zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste ernannt. Sie forscht zu "Social Media und die Generationen" und untersucht, wie sich Familienkonflikte durch die digitalen Medien verlagern.

Mehrere Generationen vor einem Fernseher und der Kampf um die TV-Fernbedienung. Dieses familiäre Konfliktszenario in puncto Mediennutzung gehört der Vergangenheit an, seit fast jeder mit dem Smartphone sein eigenes Endgerät mit sich herumträgt. Aufgrund der Tatsache, dass die Mobilgeräte außerdem meist problemlos bedient werden können, sind auch Konflikte um technische Aspekte passé. Die Kommunikationswissenschaftlerin Christine Lohmeier von der Universität Salzburg sieht hier eine Öffnung beim Genderaspekt. „Wer programmiert den Videorecorder? Wer darf die neueste Kamera in der Hand halten? Über viele Jahrzehnte waren technische Angelegenheiten im Umgang mit Medien eine Männerdomäne. Das tritt jetzt in den Hintergrund, es kommt zu Veränderungen beim Thema Gender und Technik“, sagt die Professorin, die unter anderem die Mediennutzung in Familien untersucht.

Als große Herausforderung empfinden heute dafür viele Eltern, nicht zu wissen, was ihre Kinder im Internet machen. Vielleicht etwas Illegales? Laden sie etwas herunter, das gegen das Urheberrecht verstößt? Posten, liken oder teilen sie etwas Beleidigendes, eine üble Nachrede oder gar eine Verhetzung auf den Social Media-Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter? Übrigens, Facebook ist mit 3.8 Millionen Nutzern in Österreich zwar das größte soziale Netzwerk, aber bei den Jungen out. Die strömen zum Fotonetzwerk Instagram, das unter den sozialen Medien am rasantesten wächst (von Dezember 2016 bis Jänner 2018 hat sich die Zahl der Nutzer von 1 Million auf über 2,3 Millionen mehr als verdoppelt). Der Kurznachrichtendienst Twitter ist in den USA sehr beliebt, in Österreich ist er (mit geschätzten 150.000 Accounts) eher eine Randerscheinung am Social Media-Himmel.

Fakt ist: Das Internet wird wegen seiner scheinbaren Anonymität von manchen Usern fälschlicherweise oft als rechtsfreier Raum verstanden. Ob daran gesetzliche Verschärfungen wie das „digitale Vermummungsverbot“ (Registrierpflicht für Internetforennutzer) etwas ändern könnten, bezweifeln Experten.

Dabei scheint es grundsätzlich ganz einfach zu sein: In den sozialen Medien gelten keine anderen Regeln als die zwischen Menschen in der realen Welt, betont die Strafrechtsexpertin Nina Marlene Schallmoser von der Universität Salzburg. „Wer sich nicht sicher ist, was er posten darf, fragt sich am besten, ob er das auch genauso seinem Gegenüber, vor Leuten, direkt ins Gesicht sagen würde.“

Auf der anderen, der Opfer-Seite ist es allerdings manchmal schwierig, sich gegen Hasspostings zu wehren, räumt Schallmoser ein. Weniger wegen strafrechtlicher Lücken, sondern oft aus Mangel an Anlaufstellen für die Opfer. Wie kompliziert es in der Praxis sein kann, zeigt der Fall der Ex-Grünen-Abgeordneten Sigrid Maurer, die den Verfasser obszöner Nachrichten an sie outete und sich wegen übler Nachrede vor Gericht verantworten muss bzw. musste (mangelnder Wahrheitsbeweis).

Wie also steht es um Postings und Paragrafen? Und um strafrechtliche Konsequenzen von Liken, Kommentieren und Teilen von Äußerungen, die den Tatbestand der Beleidigung, der üblen Nachrede oder der Verhetzung erfüllen? Diese Frage ist durch die Gerichte zum Teil noch nicht abschließend geklärt, aber mit einem Strafrahmen von bis zu 3 Jahren ist das Strafbarkeitsrisiko erheblich, erläutert Schallmoser.

„Das bloße Teilen ist noch am wenigsten strafwürdig. Denn das Teilen ist vergleichbar damit, dass jemand einen Zeitungsartikel ausschneidet und herzeigt. Und das war ja bisher auch nicht strafbar.“

Wer allerdings mit einem „Gefällt mir“ oder Ähnlichem zum Ausdruck bringt, dass er sich mit einem fremden Posting inhaltlich identifiziert, könnte dafür zur Verantwortung gezogen werden. Einerseits, weil dadurch der Poster in seiner Meinung bestärkt wird (es ist, als würde man zu seinen Beschimpfungen applaudieren). Andererseits könnte die Zustimmung als eigene verbotene Äußerung verstanden werden.

Cybermobbing, Hassposting, Shitstorm. Den sozialen Medien wird oft vorgeworfen, dass sie unsozial sind. So pauschal lässt das Christine Lohmeier nicht gelten. Bei aller Kritik an dem abnehmenden Gemeinschaftsgefühl - soziale Medien begünstigen teilweise sogar neue Formen der Familienkommunikation, so Lohmeier. „Bei WhatsApp zum Beispiel kann man Gruppen bilden und das nutzen Familien eifrig, um mit Angehörigen, die studieren, auf Montage arbeiten oder aus anderen Gründen länger oder weiter weg sind, in Kontakt zu bleiben.“

Foto: Christine Lohmeier, Fotonachweis: pd-design Patrick Daxenbichler

Kontakt:
Univ.-Prof. MSc. PhD. Christine Lohmeier
Fachbereich Kommunikationswissenschaft
Tel.: +43 662 8044 4152
E-Mail: christine.lohmeier(at)sbg.ac.at  

Mag. Dr. Nina Marlene Schallmoser
Fachbereich Strafrecht und Strafverfahrensrecht
Tel.: +43 662 8044 3365
E-Mail: ninamarlene.schallmoser(at)sbg.ac.at  

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

Kapitelgasse

Tel: 8044-2435

E-Mail an Mag. G. Pfeifer

  • ENGLISH English
  • News
    Online-Vorlesung zum Thema Chemie: 2. Dezember 2020 - 18 Uhr. Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna erhalten den Nobelpreis für Chemie 2020 für die Entdeckung eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie: die genetische Schere CRISPR / Cas9. Mit dieser Technologie können Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit extrem hoher Präzision verändern.
    Ingrid Vukusic und Georg Zimmermann wurden am 19. November 2020 mit dem Hans-Stegbuchner-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten des Fachbereichs Mathematik an der Universität Salzburg ausgezeichnet.
    Diese Waxmann-Reihe zur Lehrer/innenbildung wurde vom Direktorium der PLUS School of Education 2015 initiiert. Der 10. Band wurde vor kurzem veröffentlicht und die nächsten Bände sind in Bearbeitung. Das Ziel der Reihe ist es, die Zusammenarbeit der vier Säulen zu stärken, um so einen zentralen Beitrag zur Qualitätsentwicklung im Feld der Lehrer/innenbildung zu leisten. Finanziert werden die Beiträge überwiegend durch Drittmittel der PLUS-SoE und mit Unterstützung der Universität Salzburg.
    Leider kann der geplante Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Matthias NEUMAYR (Vizepräsident des OGH; Universität Salzburg) zum Thema „Fünf Jahre EuErbVO: Neues aus dem Internationalen Erbrecht“ am 17. Dezember 2020 aufgrund der weiterhin herrschenden Covid19-Situation nicht stattfinden.
    Die Paris Lodron Universität Salzburg hat im Rahmen des Projekts “On Track” ein hauseigenes Mentoring-Programm für Studienanfänger*innen ins Leben gerufen. Und das zum richtigen Zeitpunkt, denn der Lockdown machte den Studienstart für viele Erstsemestrige zur großen Herausforderung.
    Matthias Henke, Musikwissenschaftler, Donau Universität Krems, spricht über die aktuelle Beethoven-Biographie „Beethoven. Akkord der Welt“, erschienen 2020 im Hanser Verlag.
    18 Teilnehmer*innen schlossen kürzlich den Universitätslehrgang in Elementarpädagogik mit dem Master-Titel ab. Der Lehrgang fand bereits zum zweiten Mal in Salzburg statt. Landesrätin Andrea Klambauer prämierte neun der Absolvent*innen für ihre herausragenden Abschlussarbeiten.
    Die Aufzeichnung des PLUS Talks „Studium und Lehre WS 2020/21“ vom 25.11.2020 ist nun verfügbar.
    Auch in diesem Jahr öffnet für Sie die Universitätsbibliothek Salzburg im Advent 24 Fenster in der Hofstallgasse und im Online-Adventkalender.
    Studienergebnisse zur Mediennutzung von Kindern und Familien während Lockdown. Homeschooling verbesserungsfähig, aber auf gutem Weg. Sekundarstufe besser profiliert. Familien haben gelernt, mit Lockdown und Homeschooling umzugehen.
    24 kinderleichte Übungen auf 24 Karten finden Sie im SALTO-Adventkalender. Die Bewegungsanregungen sind für Kinder ab drei Jahren und für die ganze Familie einfach und auf kleinem Raum durchführbar. Dieser Beitrag zur Vereinbarkeit soll mit Unterstützung des Kinderbüros möglichst vielen zu Gute kommen.
    Forscher um den Salzburger Geoinformatiker Christian Neuwirth hatten bereits im Mai 2020 ein mathematisches Modell zu Covid 19 entwickelt und vorgestellt, das der Frage nachgeht, wie lang und intensiv Social Distancing Maßnahmen aufrechterhalten bleiben müssten, um Corona-Todesfälle weiter zu reduzieren.
    Gewinnerin des Förderpreises der Österreichischen Geographischen Gesellschaft für die beste Abschlussarbeit 2019: Dipl. Ing.(FH) Mag. rer. nat. Heidi BERNSTEINER für ihre Diplomarbeit im LA Geographie und Wirtschaftskunde/Biologie mit dem Titel: "After the ice: post glacial evolution of small overdeepened basins in the Eastern Alps – Lake Taferlklaussee, Austria."
    Eine Studie des Schlaflabors der naturwissenschaftlichen Fakultät zum Thema Schlaf unter der Leitung von Prof. Dr. Manuel Schabus widmet sich den Veränderungen des Schlafes während des Covid-19-Lockdowns in 6 unterschiedlichen Ländern (Ö, AT, UK, GR, CU, BRA). Die aus psychologischer Sicht besorgniserregende Angst, die sich in der Breite der Gesellschaft zeigt, bildet sich auch in diesen Daten ab: 78% der Befragten fühlen sich durch die Covid-19-Pandemie bedroht bzw. beunruhigt.
  • Veranstaltungen
  • 02.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    02.12.20 PLUS startupSPRECHTAG - gather your ideas
    02.12.20 Musikpyhsiologie und Musikermedizin: Musizieren im Zusammenwirken von Psyche und Körper
    02.12.20 Nobelpreise 2020 - CHEMIE (Genschere)
    03.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    04.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    04.12.20 Ideen mit Methode
    05.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    06.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    07.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
    08.12.20 Adventkalender der Universitätsbibliothek Salzburg 2020
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Impressum
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg