05.02.2013

ALRAUNE – Allergien auf der Spur

Im Sparkling Science Projekt Alraune – einer Zusammenarbeit von Universität und Schulen - dreht sich alles um Allergie. Schüler schlüpfen in die Rolle des Forschers und spüren den Ursachen und Risiken nach, die zur Entstehung von Allergie führen. Der Name der Heilpflanze Alraune steht für Allergieforschung in Ruralen, Alpinen und Urbanen Netzen.

Ähnlich wie bei Harry Potter, der während seines zweiten Schuljahres im Kräuterkundeunterricht die Alraune, eine der ältesten Arzneipflanzen, die unter anderem zur Bekämpfung von Asthma und Heuschnupfen verwendet wurde, kennenlernte, machen sich die Schüler im Projekt Alraune auf, um der Hausstauballergie in ihrem eigenen Heim auf die Spur zu kommen. „Wir gehen der Frage nach, ob das Umfeld, in dem man wohnt dafür entscheidend ist, ob man eine Allergie oder Sensibilisierung entwickelt oder nicht“, sagt Projektleiterin Gabriele Gadermaier, vom Fachbereich Molekulare Biologie an der Universität Salzburg.

Die unsichtbaren Mitbewohner


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Beim Alraune Projekt arbeiten Biologen und Didaktiker zusammen: v.l.Stephanie Moser, Martin Himly, Gabriele Gadermaier und Universitätsprofessor Jörg Zumbach.


Die unsichtbaren Mitbewohner


Es ist keine schöne Vorstellung, aber wahr: Niemand schläft in seinem Bett allein. Millionen Milben fühlen sich in Matratzen, Polstern und Decken wohl und ernähren sich von abgestorbenen Hautschuppen. Rund eineinhalb Gramm verliert jeder Mensch pro Tag, den Großteil im Bett. Die winzig kleinen Spinnentierchen sind nicht das Problem, ihr Kot  - dem man tags und vor allem in der Nacht ausgesetzt ist - macht Allergikern zu schaffen. „Hausstaub“ ist ein Sammelbegriff und besteht nicht nur aus Milben, sondern auch aus Hautschuppen, Fasern, Haaren, Pflanzenteilchen, Bakterien, Viren und Schimmelpilzen. Pro Person und Jahr fallen etwa 130 g Hausstaub an. „Diese komplexe Mischung kann bei sensibilisierten Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen“, so Gadermaier.


  


Schüler sammeln Hausstaub


Die Schüler werden zunächst damit beauftragt bei sich zu Hause Staubproben zu sammeln. Sie bekommen dafür spezielle Adaptoren für den Staubsauger und können damit einfach und für die spätere Analyse im Labor schon aufbereitete Proben entnehmen. Als zweites haben die Schüler eine Mutprobe zu bestehen: Jeder und jede muss einen Tropfen Blut abgeben. Doch keine Angst! Es ist nur ein kleiner Stich in die Fingerkuppe. Jede Blutprobe wird auf die IgE Reaktivität gegen 112 Komponenten mittels einer neuen Diagnostik untersucht. Dieses Verfahren lässt auf einen Blick erkennen, wogegen der Jugendliche sensibilisiert ist. Im Anschluss füllen die Schüler einen umfangreichen Fragebogen aus. In diesem werden demographische Daten erhoben, von den Lebensumständen und Gewohnheiten der Probanden, bis hin zu bereits bestehenden Allergien oder anderen Erkrankungen. Auch sportliche Aktivitäten, Ernährung, Haustiere, Rauchbelastung sowie Alter und Gewicht werden abgefragt. Die Studie verläuft völlig anonym. Eine wichtige Komponente für die Datenerhebung ist, dass die Jugendlichen aus unterschiedlichen Regionen kommen, d.h. aus der Stadt, vom Land und aus höheren Lagen. „Der Fragebogen wird für die Studie speziell entwickelt und die Schülerinnen und Schüler sollen ihn mitgestalten. Wir freuen uns, wenn hier auch ihre eigenen Fragen auftauchen“, sagt Universitätsprofessor Jörg Zumbach, stellvertretender Direktor der School of Education der Universität Salzburg. Zumbach leitet den didaktischen Teil der Studie. „Unser Ziel ist, dass sich die Schüler mit dem Thema Allergie intensiv beschäftigen und hier ein fundiertes Wissen aneignen, aber insbesondere verstehen, wie „Wissenschaft“ als solche überhaupt funktioniert“, so Zumbach.


Kontinuierliche Zunahme von Allergien


Der Anteil der Allergiker in westeuropäischen Ländern, Nordamerika und Australien ist alarmierend hoch. 40% der Bevölkerung sind zumindest einmal im Leben mit einer allergischen Reaktion konfrontiert. Durch veränderte Umweltbedingungen und einem „verwestlichten“ Lebensstil erhöht sich auch in vielen anderen Ländern die Anzahl der Allergiker. „Es ist noch nicht vollkommen klar, warum es zu einer kontinuierlichen Zunahme von Allergien gekommen ist“, betont Gabriele Gadermaier. Da die Krankheit gehäuft in Familien vorkommt, ist auch eine genetische Vererbung nicht von der Hand zu weisen. Als immer bedeutender werden auch epigenetische Faktoren angesehen. Das sind Eigenschaften, die an die Tochterzelle weitergegeben werden, aber nicht im Erbgut manifestiert sind. Da Allergie offensichtlich eine multifaktorielle Krankheit darstellt, wird die Untersuchung auf mehreren Ebenen angelegt, um die Zusammenhänge zu analysieren und somit gezielt Maßnahmen zur Allergieprävention setzen zu können. „Wir wollen herausfinden, was den Menschen gesund und allergiefrei hält, damit wir den Zaubertrank der Alraune gar nicht brauchen“, sagt Gabriele Gadermaier. Die Ergebnisse der Studie werden publiziert und durch Vorträge auf Konferenzen bekannt gemacht. In einem weiteren Fragebogen wird der Wissensgewinn der Schüler festgestellt. Letztlich sollen die Ergebnisse auch in der Lehrerfortbildung ihren Niederschlag finden.


In dem groß angelegten Forschungsprojekt arbeiten mehrere Forschungseinrichtungen zusammen: Die Molekulare Biologie und die School of Education der Universität Salzburg, die Dermatologie der Salzburger Landeskliniken, die Pädagogische Hochschule sowie Schüler der Höheren land- und forstwirtschaftlichen Schule Ursprung. Darüber hinaus werden noch rund 500 freiwillige Schülerinnen und Schüler im Bundesland Salzburg gesucht.


MITMACHEN: Sparkling Science Projekt Alraune


Lehrer und Schüler, die gerne beim Sparkling Science Projekt Alraune mitmachen möchten, können sich unter folgender Adresse melden:


Dr. Gabriele Gadermaier, gabriele.gadermaier@sbg.ac.at


Tel: 0662-8044-5734


 


Die Alraune


Die Alraune ist eine der ältesten Arzneipflanzen, die unter anderem zur Bekämpfung von Asthma und Heuschnupfen verwendet wurde. Aufgrund ihrer starken Wirkung kommt sie heute nur mehr in der Homöopathie zum Einsatz. Als Kräutertinktur angewandt, ist sie ein wirksamer Trank gegen den bösen Zauber bei Harry Potter. 


 

Quelle: Universität Salzburg/gap

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