08.10.2019

Schlafen lernen mit System!

Die Schlafforscherin und Psychologin Kerstin Hödlmoser von der Universität Salzburg hat zusammen mit der Psychotherapeutin Sigrun Eder das Bilder-Erzählbuch „Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System“ entwickelt. Es richtet sich an Kinder im Grundschulalter, die Probleme mit dem Einschlafen und Durchschlafen haben. Es ist so aufgebaut, dass die Kinder selbständig Wege zu einem besseren Schlaf finden können.

Seit über 10 Jahren erforscht Dr. Kerstin Hödlmoser im Labor für Schlaf-, Kognition- und Bewusstseinsforschung am Fachbereich Psychologie des Centre for Cognitive Neuroscience an der Universität Salzburg in Österreich die Zusammenhänge zwischen Schlaf und kognitiven Leistungen bei Kindern und Jugendlichen. Wer gut schläft, lernt besser, das bestätigen immer wieder die Untersuchungen, die Hödlmoser im Rahmen verschiedener Drittmittelprojekte (unter anderem auch finanziert durch die Jacobs Foundation) durchgeführt hat. Denn was wir tagsüber lernen, muss im Schlaf gefestigt werden. Er ist für die Gedächtniskonsolidierung erforderlich, also dass Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis übertragen wird. Zudem ist ein gesunder Schlaf auch wichtig für die psychische und physische Erholung, für das Wachstum und für das Immunsystem.

„Wir stellen bei unseren Studien fest, dass viele Kinder mit Schlafproblemen kämpfen. Daher habe ich - neben meiner Grundlagenforschung - jetzt auch ein praxisorientiertes Projekt aufgegriffen und gemeinsam mit der Psychologin und Psychotherapeutin Sigrun Eder vom Uniklinikum Salzburg das Bilder-Erzählbuch „Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System“ entwickelt“, sagt Hödlmoser. Erschienen ist das 88seitige Buch in der edition riedenburg in der Reihe SoWas!  „Das Konzept unseres Buches ist deshalb sehr besonders, weil es die Kinder zu Experten für sich selber macht. Damit entspricht es den Grundsätzen der Gesundheitsförderung und -kompetenz. Es ist so aufgebaut, dass sich die Kinder selbständig mit dem Thema Schlaf auseinandersetzen können.“

Der erste Teil des Buches ist die Geschichte der Grundschülerin Ilvy, bei der es mit dem Einschlafen und Durchschlafen trotz Kuschelschafs manchmal nicht klappt, etwa weil sie nicht ins Bett gehen mag, weil ein aufregender Ausflug oder eine Schularbeit bevorsteht oder weil sie schlecht träumt. Situationen, in denen sich die von Schlafproblemen geplagten jungen Leserinnen und Leser oft wiederfinden können.

Auch wie damit in der Familie umgegangen wird: von einem regelmäßigen Einschlafritual (z.B. Hörspiel, Gutenachtgeschichte) über eine beruhigende „Tierpolonaise“ (Rückenmassage) bis zu konsequenten elterlichen Regeln.

Der zweite Teil von „Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System“ ist eine Mischung aus Ausmalbuch und Fragebogen. Auf diesen Mitmach-Seiten sollen die kleinen Leserinnen und Leser ihr eigenes Schlafverhalten bewusst kennenlernen, um es durch kreative und sinnvolle Lösungen verbessern zu können. Helfen sollen dabei Fragen wie: Bist du ein früher Vogel oder eine Nachteule? Was kann dir beim Einschlafen helfen? Was hast du mit Ilvy gemeinsam? Was machst du in der letzten Stunde vor dem Einschlafen?

„Die Themen sind auch passend zu unserem aktuellen Jacobs Foundation Projekt Tackling the Paradox of Sleep and Technology Through Near Peer Relationships”, welches Hödlmoser gemeinsam mit Stephen Schueller (University of California, Irvine) und Prof. Ronald Dahl (University of California, Berkeley) seit März 2019 betreut. „Ziel ist es, dass  die Kinder zum Beispiel lernen, wie sich das Smartphone oder das Tablet vor dem Zubettgehen auf ihren Schlaf auswirken und dass sie eigenverantwortlich und autonom ihr Smartphone benutzen“, sagt Hödlmoser.

Etliche Untersuchungen zeigen, dass Smartphones wahre Schlafräuber sind, nicht nur weil sie vor dem Einschlafen oft noch emotional aufregen, sondern auch wegen dem kurzwelligen „Blaulicht“ dieser Geräte. Dieses künstliche Licht unterdrückt das Schlafhormon Melatonin. In einer aktuellen, vom Österreichischen Forschungsfonds (FWF) finanzierten Studie will Hödlmoser mittels elektrophysiologischen Gehirnstrommessungen untersuchen, wie sich bei Kindern die Handynutzung in den letzten zwei Stunden vor dem Zubettgehen auf deren Schlaf und Gedächtnis als auch auf ihre Emotionsregulation auswirkt.

Den dritten Teil des Buches bildet ein Schlafprotokoll zum Ausfüllen über einen Zeitraum von drei Wochen. Kinder sollen so leicht herausfinden können, wie viel Schlaf sie brauchen, um tagsüber fit und ausgeschlafen zu sein.

Publikation
Kerstin Hödlmoser, Sigrun Eder, Nicole Schäufler: Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System. edition riedenburg 2019.

Fotonachweis: Kolarik

Kontakt Assoc.-Prof. Mag. Dr. Kerstin Hödlmoser,
Fachbereich Psychologie
Centre for Cognitive Neuroscience (CCNS)
Laboratory for Sleep, Cognition & Consciousness Research,
Universität Salzburg
Hellbrunnerstraße 34
5020 Salzburg
t.: 0662 8044-5143
kerstin.hoedlmoser@sbg.ac.at;
https://ccns.sbg.ac.at/people/hoedlmoser/
Laboratory for Sleep & Consciousness Research

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