13.12.2016

Was Babys schon im Mutterleib erlernen

Wenn Schwangere ihrem Ungeborenen immer wieder dieselben Kinderreime vorsingen, so kann dies durchaus positive Folgen haben. Denn Babys lernen schon im Mutterleib. Sie unterscheiden Töne und Silben und sie reagieren auf die Mutterstimme besonders intensiv. Nach der Geburt erinnern sich die Säuglinge an das Gehörte. Forscher des Zentrums für Kognitive Neurowissenschaft an der Universität Salzburg (Fachbereich Psychologie) konnten in einer großangelegten Studie wichtige Erkenntnisse dazu erbringen

Für eine Baby-EEG Studie suchen die WissenschaftlerInnen noch gesunde, schwangere Frauen, deren Geburtstermin zwischen Dezember und Februar 2017 liegt.

Ab der 34. Schwangerschaftswoche haben 30 werdende Mütter ihren Ungeborenen zwei Mal täglich den Reim vom „Bi-Ba-Butzemann“ oder „Schlafe, mein Kindchen“, aufgenommen mit der eigenen Stimme, vorgespielt. In der zweiten und fünften Woche nach der Geburt wurden die Hirnströme des Babys zuhause mittels high-density EEG und damit die Gehirnreaktion auf die zuvor gehörten Reime gemessen. Diese Herangehensweise der Salzburger Forscher ist neu, denn bisher wurden Reaktionen nur mittels Herzrate, Nuckelfrequenz oder Bewegungsmuster registriert. „Es gibt dazu keine Hirnstudien in diesem frühen Lebensalter. Die bisherigen Projekte zum pränatalen Lernen wurden zudem mit sehr wenigen Babys durchgeführt und sind daher schwer zu verallgemeinern. Unsere Studie mit 30 Neugeborenen ist zwar sehr aufwändig, aber dies zahlt sich aus!“, erklärt Prof. Dr. Manuel Schabus, Leiter des Labors für Schlaf-, Kognitions- und Bewusstseinsforschung am Zentrum für Kognitive Neurowissenschaft. Unterstützt wird die Studie von einem vierköpfigen StudentInnen-Team, unter Anleitung der Doktorandin Adelheid Lang.

Das hdEEG brachte faszinierende Ergebnisse zu den Hirnaktivitäten der Säuglinge zum Vorschein: Offensichtlich kommt es zu einem Einschwingen der Gehirnwellen in die Schwingungen der Sprache. „Das bedeutet das Gehirn koppelt sich praktisch in Echtzeit an die Sprache und erleichtert oder verbessert so vermutlich das Sprachverstehen. Kommt der Sprachreiz von der Mutter anstatt von einer fremden Person ist diese Koppelung zudem intensiver“, sagt Schabus. Nun suchen die Forscher für die Bestätigung ihrer Untersuchungsergebnisse eine Kontrollgruppe von Babys, die dieser vorgeburtlichen Stimulation mit Kinderreimen nicht ausgesetzt waren (siehe Informationsbox).

Zudem wird zurzeit in einer Nachfolgestudie mittels videogestützter Mutter-Kind Interaktionsanalyse die motorische und emotionale Entwicklung der Babys beobachtet. „Wir glauben, dass Kinder, die bei Geburt stärker auf die Mutterstimme reagieren, schneller eine gute, frühkindliche Mutter-Kind Beziehung ausprägen und sich desto besser allgemein entwickeln“, erklärt Schabus.

Zu den Interaktionsanalysen zwischen Mutter und Kind wird es zudem bald ein Pilotprojekt geben, das durch die finanzielle Unterstützung von Stadt und Land umgesetzt werden kann. Zwölf traumatisierten (Flüchtlings-) Familien mit kleinen Kindern wird dabei Beratung angeboten. „Negative Erlebnisse prägen das Kind bereits im Mutterleib. Wenn sich die Mutter etwa ängstlich fühlt, werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. Das Gefühl von Furcht wird somit auf den Fötus übertragen und kann seine Entwicklung beeinträchtigen“, erklärt Schabus. Mit Hilfe von Videos beobachten die Salzburger Wissenschaftler die verbale und nonverbale Kommunikation der Kleinen und unterstützen die Familien dabei, dass die Kinder trotz aller Widrigkeiten bald ein positives Gefühl von Schutz und Bindung entwickeln können.

Aufruf zum Mitmachen bei Baby-Studie

Für eine Baby-EEG Studie suchen wir noch gesunde, schwangere Frauen, deren Geburtstermin zwischen Dezember und Februar 2017 liegt. Den Neugeborenen werden mit ca. 2 und 5 Wochen nach Geburt Babyreime über Lautsprecher vorgespielt, und wir messen die kindlichen Reaktionen auf diese Reize einfach und völlig schmerzlos mittels Elektroenzephalographie (EEG) am Kopf. Die Teilnahme an der Studie kann bequem von zu Hause aus und anonym erfolgen. Bei Interesse würden wir uns über eine E-mail (oder Anruf) von Ihnen freuen und Sie gerne in einem unverbindlichen Gespräch über den genauen Ablauf informieren. Als Dankeschön für Ihre Unterstützung erhalten Sie von uns eine kleine Aufmerksamkeit, und, auf Wunsch, eine Entwicklungsdiagnostik für Ihr Baby.

Kontakt: Heidi Lang, langad@stud.sbg.ac.at; 0664-8525419

Studienleitung: Univ.- Prof. Dr. Manuel Schabus, Zentrum für Kognitive Neurowissenschaft (CCNS) & Fachbereich Psychologie, Universität Salzburg  

Foto: Universität Salzburg  

 

Mag. G. Pfeifer

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