21.02.2017

Bei Schlafstörungen hilft ein Placebo-Training gleich gut wie Neurofeedback-Training

Schlafgestörte Menschen profitieren von einem Pseudo-Neurofeedback-Training in gleichem Maße wie von einem echten Neurofeedback-Training. Zu diesem Ergebnis sind Salzburger Schlafforscher um Manuel Schabus nun in einer Studie gekommen.

Neurofeedback ist eine Trainingsmethode, bei der Patienten und Patientinnen lernen, ihre Gehirnaktivität besser zur regulieren und so bestimmte Störungen zu mindern. Die bisher berichtete Wirksamkeit von Neurofeedback-Behandlungen bei Schlafstörungen dürfte ausschließlich auf unspezifischen Faktoren wie etwa der Zuwendung durch den Versuchsleiter beruhen, schlussfolgern die Salzburger Forscher.

Die Studie ist heute, am 21. Februar 2017, in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift BRAIN erschienen.

Neurofeedback hat in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen. Es gilt als wissenschaftlich fundierte und effektive Behandlungsmethode bei Aufmerksamkeits- Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Ängsten, Depressionen, Epilepsien oder Schlafstörungen. Neurofeedback ist eine computergestützte Trainingsmethode, bei der dem Patienten die eigene Gehirnaktivität, über die man für gewöhnlich keine Wahrnehmung hat, wahrnehmbar gemacht wird. Dafür werden Elektroden auf die Kopfhaut aufgeklebt. Diese zeichnen die Gehirnaktivität mittels EEG auf und machen sie auf einem Monitor sichtbar. Durch dieses Feedback lernen die Patienten fehlgeleitete Gehirnaktivitäten zu regulieren. 

Frühere Studien hatten gezeigt, dass für eine bessere Schlafqualität (wie leichteres Einschlafen, besseres Durchschlafen) bei jungen Probanden zehn Neurofeedback Sitzungen reichen, in denen die Probanden einen bestimmten Aufmerksamkeits- bzw. Bewusstseinszustand (Gehirnoszillationen zwischen 12 und 15 Hertz) trainieren. Eine vielversprechende nichtmedikamentöse Behandlungsoption für das weit verbreitete Phänomen der Schlafstörungen schien gefunden. Immerhin ist ungefähr jeder Dritte von Insomnie - so der Fachterminus für Schlafstörungen - betroffen.

Die Salzburger Psychologen und Psychologinnen wollten die positiven Neurofeedback-Effekte an einer klinischen Stichprobe überprüfen und wählten dafür das aussagekräftigste Studiendesign, das es gibt: eine randomisierte Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie. Bei einer Doppelblindstudie wissen weder die Testpersonen noch die Versuchsleiter/innen, welche Gruppe das echte Medikament (bzw. in diesem Fall das echte Training) erhält und welche das Placebo. Doppelblindstudien dienen dazu, Verzerrungen zu vermeiden. Frühere Studien waren nicht doppelblind, sondern nur einfach verblindet. Es wusste zwar nicht die Versuchsperson, in welcher Bedingung sie sich befindet, aber dem Versuchsleiter/ der Versuchsleiterin war die Bedingung bekannt.

Bei der jüngsten Salzburger Studie erhielten 30 Personen mit primärer Insomnie 12 echte Neurofeedback-Trainings-Sitzungen (im Bereich 12 -15Hz Oszillationen) bzw. 12 Sitzungen, in denen ihnen ein Neurofeedback-Training (im Bereich 12 -15Hz Oszillationen) nur vorgespielt wurde: Es gab zwar ein EEG Feedback, aber über ständig variierende Frequenzen. Der Unterschied zwischen dem echten und dem Placebo/Sham Training war in der Untersuchung weder für die Probanden noch für die Wissenschaftler erkennbar. Die Tests erstreckten sich über je zwei bis vier Wochen, mit je 2 Schlaflabornächten vor und nach den beiden Bedingungen im Schlaflabor der Universität Salzburg; um die Bedingungen sauber trennen zu können wurde zwischen beiden Bedingungen eine 3-monatige Pause eingelegt.

Das überraschende Ergebnis: Beide Gruppen profitierten gleichermaßen. Das ging zumindest aus den subjektiven Probanden-Berichten zur Schlafqualität hervor. Einerlei ob echtes Neurofeedback-Training oder Pseudotraining, alle Teilnehmer schliefen danach leichter ein und besser durch, sie hatten subjektiv mehr Lebensqualität. „Die Studie zeigt, dass das Neurofeedback-Training mitunter reine Placebo-Effekte widerspiegelt. Die Testpersonen erleben Zuwendung, Vertrauen, es kümmert sich jemand um sie und ihre Probleme - darauf scheint es für einen besseren Schlaf anzukommen, nicht auch das Neurofeedbacktraining“, resümiert Projektleiter Universitätsprofessor Dr. Manuel Schabus vom Centre for Cognitive  Neuroscience der Universität Salzburg. 

An der Studie beteiligt war auch die Salzburger Schlafforscherin Assistenzprofessorin Dr. Kerstin Hödlmoser vom Centre for Cognitive Neuroscience, die sich seit ihrer Dissertation intensiv mit Neurofeedback beschäftigt. „Die Studie zeigt, dass 12 Einheiten Neurofeedbacktraining im Vergleich zu 12 Einheiten Sham/Pseudoneurofeedbacktraining keine besseren Effekte erzielt, was die Effektivität zumindest dieses speziellen Neurofeedbacktrainings im Frequenzbereich zwischen 12-15Hz für die Behandlung von Einschlaf- und Durchschlafstörungen speziell bei älteren Patienten massiv in Frage stellt.“

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Verbesserungen, von denen die Probanden subjektiv berichteten, spiegelten sich nicht in objektiven Daten wider. Weder die Probanden aus der echten Neurofeedback Gruppe noch die aus der Placebo Gruppe wiesen etwa bessere Schlafqualität oder schlafstabilisierende EEG Muster auf (zum Beispiel sogenannte „Schlafspindeln“).

Und was bedeutet das für die Praxis? „Da laut unserer Studie die Wirkung von Neurofeedback bei der Behandlung von Schlafstörungen auf reinen Placebo-Effekten beruht, können wir die Methode nicht empfehlen“, sagt Schabus und ergänzt: „Es wäre sehr wichtig, dass die Neurofeedback-Forschung nun mit weiteren randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studien intensiviert wird, zum Beispiel bei ADHS und anderen Störungen. Nur so können die bisherigen Neurofeedback-Ergebnisse entweder seriös bestätigt oder eben widerlegt werden. Grundsätzlich ist der Neurofeedback Ansatz natürlich interessant, aber es stellt sich die Frage ob Patienten oder ältere Probanden die oft Probleme mit Lernen und Aufmerksamkeit haben diese Methode überhaupt ausreichend erlernen können.“ 

Die Studie der Salzburger Schlafforscher wurde vom Fond zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) sowie dem Doktoratskolleg „Imaging the Mind“ finanziell unterstützt.

Publikation:
Manuel Schabus, Hermann Griessenberger, Maria-Teresa Gnjezda, Dominik P.J. Heib. Malgorzata Wislowska, Kerstin Hoedlmoser: „Better than sham? – A double blind placebo-controlled neurofeedback study in primary insomnia“, in: BRAIN (21.2.2017).

Foto: Professor Manuel Schabus und Ass.Prof. Kerstin Hödlmoser Fotonachweis: Kolarik

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Manuel Schabus, Laboratory for Sleep, Cognition and Consciousness Research, Centre for Cognitive Neuroscience Salzburg (CCNS), Universität Salzburg, Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg, manuel.schabus@sbg.ac.at, Tel. 0662/8044-5113  

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

Kapitelgasse 4-6

Tel: 0662/8044-2435

E-Mail an Mag. G. Pfeifer

Quelle: Universität Salzburg

  • ENGLISH English
  • News
    We would like to kindly invite all members of the department, especially all doctoral and master students, to the YLSA/ÖGMBT Career day for Biologists next week wednesday (28.2.2018).
    Ab 1.3.18 findet am FB Arbeits- und Wirtschaftsrecht jeden Do zwischen 17.00 und 20.00 Uhr eine interdisziplinäre Ring-VO zum Thema „Migration, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik“ statt, die das Thema Migration und die Frage nach angemessenen Antworten der Sozialpolitik auf die damit verbundenen Herausforderungen für Staat und Gesellschaft in insgesamt 13 Beiträgen aus historischer, politik- und rechtswissenschaftlicher Perspektive in den Mittelpunkt stellt.
    Mit dem 1.2.2018 startete das am Fachbereich Erziehungswissenschaft angesiedelte drittmittelfinanzierte Forschungsprojekt ‚TransMiK’. Das Akronym steht für ‚Transit’, ‚Migration’ und ‚Köln’, und nimmt Bezug darauf, dass unter der Thematik „Leben und Arbeiten in Köln“ vor Ort leitfadengestützte Interviews mit 150 MitarbeiterInnen des Flughafens Köln/Bonn aus dem Geschäftsbereich „Ground Services“ geführt werden.
    160 SchülerInnen folgten gespannt dem Thema „Von Cybermobbing, Hass-Postings & illegalen Downloads. Die strafrechtliche Sicht auf Cybercrime und andere Phänomene im WWW“. Der Strafrechtsexperte der Universität Salzburg Prof. Hubert Hinterhofer gab Auskunft, wann man sich strafbar macht und wie man sich schützen kann.
    Wichtige Termine und Informationen zur Anmeldung für die Kurse am Sprachenzentrum im Sommersemester 2018.
    Veranstaltet vom Fachbereich Philosophie KTH und der Internationalen Ferdinand Ebner Gesellschaft: am 8. und 9. März 2018 (Universität Salzburg, Europasaal in der Edmundsburg)
    Festvortrag im Rahmen des 17. Österreichischen Archäologentags am Montag, 26. Feburar 2018, 19 Uhr im HS 230 (Kapitelgasse 4) von Herrn Prof. Dr. Andreas Schachner (Deutsches Archäologisches Institut, Türkei).
    Patrizia Stoitzner hält am 5. März 2018 um 16:00 Uhr im Grünen Hörsaal (403) der NW-Fakultät einen Gastvortrag zum Thema "Skin dendritic cells in tumor immunity". Der Fachbereich Biowissenschaften lädt herzlich dazu ein!
    Von 7. März bis 27. Juni 2018 findet, jeweils am Mittwoch um 18.00-19.30h, im Unipark Nonntal mit Vortragenden aus unterschiedlichen Disziplinen die Ringvorlesung "Aufklärung und Gegenaufklärung: Religiöse Polemik gegen Kunst - Künstlerische Polemik gegen Religion" statt.
    DANIEL FULDA (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) eröffnet am 7. März um 18h im Unipark Nonntal mit seinem Gastvortrag die öffentliche Ringvorlesung AUFKLÄRUNG UND GEGENAUFKLÄRUNG: RELIGIÖSE POLEMIK GEGEN KUNST - KÜNSTLERISCHE POLEMIK GEGEN RELIGION
    Am Mittwoch, den 14. März 2018, lädt die Universität Salzburg Schülerinnen und Schüler, Eltern und Interessierte herzlich ein, sich über das vielfältige Studienangebot zu informieren. Das Programm finden Sie hier.
    Auch dieses Jahr organisiert das WissensNetzwerk Recht, Wirtschaft und Arbeitswelt gemeinsam mit dem Wiener Zentrum für Rechtsinformatik (WZRI) der Universität Wien die mittlerweile größte und bedeutendste wissenschaftliche Tagung in Österreich und Mitteleuropa auf dem Gebiet der Rechtsinformatik: das Internationale Rechtsinformatik Symposion IRIS. Abgehalten wird die Veranstaltung vom 22. bis 24. Februar 2018 in den Räumen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg.
  • Veranstaltungen
  • 24.02.18 Transformative Recovery? The European Recovery Program (ERP)/Marshall Plan in European Tourism
    26.02.18 Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša. Von der Bronzezeit bis in die römische Kaiserzeit
    27.02.18 WTZ Training Days: Kreativ zum erfolgreichen Geschäftsmodell
    01.03.18 Ringvorlesung Migration, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik - Perchinig, Minderheitenprogramm
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg