29.11.2018

"The Long Shadow of Child and Youth Welfare". Social Educational Conference

If children and adolescents do not receive the necessary care and attention in their parents' home, they were and are being placed in homes other than their own. However, the history of child placement in homes is a history of violence and oppression, a topic that will be addressed further on 5 December, 2018, during a conference at the University of Salzburg.

Unter dem Motto „Der lange Schatten der Kinder- und Jugendhilfe“ stellen Referenten und Referentinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz neue Forschungserkenntnisse zur Heimerziehung vor. Veranstaltet wird der Fachtag von der  Sozialpädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Salzburg.

Im Jahr 2010 erreichte der Heimkinderskandal in Österreich seinen Höhepunkt. Das ganze Ausmaß der Gewalt sowie der psychischen, sozialen und gesundheitlichen Spätfolgen wurde bekannt, nachdem Jeno Alpár Molnár, Franz Josef Stangl, Hermine Reisinger und andere ehemalige Heimkinder an die Öffentlichkeit gegangen waren und über die erlittenen Qualen berichteten.

In der Folge wurden zahlreiche geschichts-, sozial- und erziehungswissenschaftliche Studien zur Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen durchgeführt, insbesondere zu den Ländern Tirol, Kärnten, Wien und Salzburg. Trotz beachtlicher Forschungsleistungen sei es bisher aber noch nicht gelungen, einen länderübergreifenden, kritischen und von der Politik unterstützten Diskurs über Zwang und Repression in der Heimgeschichte und deren Aufarbeitung zu führen, sagt der Salzburger Sozialpädagoge Ass.-Prof. Dr. Eberhard Raithelhuber. Er ist Mitorganisator des Fachtags. www.uni-salzburg.at/blicke.

„Die sozialpädagogische Forschung an der Universität Salzburg will neuere Erkenntnisse zusammentragen und mehr Licht ins Dunkel bringen. Ziel des Fachtags ist es, Anregungen für einen Diskurs zu bieten, um Praxis, Politik, Forschung und Studierende in Österreich dafür zu gewinnen, sich verstärkt und systematisch mit der Geschichte der Fremdunterbringung zu beschäftigen und auch Ressourcen dafür einzusetzen. Denn wer die Vergangenheit nicht kennt, läuft Gefahr, sie zu wiederholen.“

Im Eröffnungsvortrag am Mittwoch, 5. Dezember (13.15 Uhr) im Unipark Nonntal präsentiert der profunde Kenner der Fremdunterbringung, der Grazer Univ.-Prof. i. R. Dr. Josef Scheipl eine Zusammenschau der Heimskandale in Österreich und deren pädagogischer Bearbeitung. Scheipl war zwei Jahrzehnte bis 2011 Leiter der Abteilung für Sozialpädagogik am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz. Seit 2011 ist er Lehrbeauftragter an der FH Joanneum und an der Donau Universität Krems.

Demütigungen, Misshandlungen und sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen wurden von Erzieher/innen und Anstaltspersonal sowohl in Heimen der katholischen Kirche als auch in Heimen der öffentlichen Jugendwohlfahrt bis mindestens in die 1980er Jahre ausgeübt. Die katholische Kirche reagierte zur Aufklärung der Vorwürfe als erste mit der Errichtung einer „Unabhängigen Opferschutzkommission“ (Klasnic-Kommission). Es folgte die Stadt Wien mit der „Historikerkommission“ und der „Kommission Wilhelminenberg“. Die Bundesländer Salzburg, Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und Kärnten zogen nach.

„Zwar legten die Berichte die teilweise katastrophalen Lebenswirklichkeiten der Jugendlichen in den Heimen offen, doch die Missstände der Jugendwohlfahrt fokussierten im Wesentlichen auf die unmittelbar Betroffenen, auf die Kinder und das Erziehungspersonal“, schränkt die Salzburger Erziehungswissenschaftlerin Univ.-Prof. Dr. Birgit Bütow die Aussagekraft der Berichte ein und leitet daraus eine Forderung ab: „In zukünftigen Arbeiten ist die Mitverantwortung, nicht nur die Mitwisserschaft, der verantwortlichen Behörden und Politiker/innen herauszuarbeiten. Solcherart vergrößert sich die Chance, von vornherein entsprechende strukturelle Bedingungen für gelingende stationäre Unterbringung zu schaffen.“

Ausgeblendet bleiben dürfe auch nicht die grundsätzliche gesellschaftspolitische Frage: Wie waren die Verhältnisse beschaffen, die solches Verhalten hervorbrachten, tolerierten oder einfach nicht zur Kenntnis nahmen. Bis in die 1970er Jahre galt in Österreich die Anwendung von Gewalt als legitimes Erziehungsmittel.  Erst ab 1989 wurde die Anwendung jeglicher Gewalt als „unzulässig“ eingestuft. Ein Recht von Kindern auf gewaltfreie Erziehung fand seine verfassungsmäßige Verankerung erst im Jahr 2011.

Karin Roth ist die Leiterin der Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Sie wird zur Beratungspraxis an der Ombudsstelle referieren und von praktischen Erfahrungen berichten.

Auch wenn es für das Leid der Opfer keine angemessene Wiedergutmachung gibt, sind wenigstens finanzielle Hilfen geflossen.  Die Klasnic-Kommission hat bisher 1813 Opfern insgesamt 25,6 Millionen Euro zuerkannt.

Da der Diskurs um die Aufarbeitung in Deutschland und in der Schweiz teils weiter fortgeschritten, teils anders verlaufen ist als hierzulande, sind auch Forscher aus diesen Ländern eingeladen. Die Veranstalter erwarten sich von ihnen wertvolle Anregungen für die Bestrebungen, das Thema in Österreich vermehrt zur Sprache zu bringen.  

Veranstaltung:   
„Der lange Schatten der Kinder- und Jugendhilfe. Zur Aufarbeitung der Fremdunterbringung im deutschsprachigen Raum“. Fachtag Sozialpädagogische Blicke 2018: Wann: Mittwoch, 5.Dezember 2018, 13.00 bis 20.00 Uhr. Wo: Universität Salzburg, Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Hörsaal 1.
https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=210832

Organisation:

Univ.-Prof. Dr. Birgit Bütow, Fachbereich Erziehungswissenschaft, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Tel.: +43 662 8044-4244, Email: birgit.buetow@sbg.ac.at  

Ass.-Prof. Dr. Eberhard Raithelhuber, Fachbereich Erziehungswissenschaft, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Tel.: +43 662 8044-4215, Email: eberhard.raithelhuber@sbg.ac.at  

Kontakt und Infos:  

sozialpaedagogik(at)sbg.ac.at
www.uni-salzburg.at/blicke

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

Kapitelgasse

Tel: 0662/8044-2435

E-mail to Mag. G. Pfeifer

Source: Uni Salzburg

  • News
    Univ.Doz. Dr. Dr.h.c. Jasmine Dum-Tragut received the medal on 31 October at the closing event of her curated exhibition "Far from home - fates of Armenian prisoners of war in the First World War" at the Genocide Museum Institute in Yerevan, Armenia.
    The Salzburg historian, Christina Antenhofer, was recently appointed a member of the European Academy of Sciences and Arts (Historical Class).
    For the Winter Semester 2019/20, the University of Salzburg appointed five new professors: Michael BLAUBERGER, Univ.-Prof. for Politics of the European Union, Political Science and Sociology (+ DZ SCEUS); Alexander SOKOLICEK, Univ.-Prof. for Classical Archeology, Classical Studies; Ulrike GREINER, Univ.-Prof. for Professional Research and Teacher Education with special reference to subject didactics, School of Education; Margit REITER, Univ.-Prof. for European Contemporary History.
    Social education between help, control, punishment and coercion
    The FFG talent trainee, Larisa Manaj, from BG/BRG Schloss Wagrain in Vöcklabruck, completed a 4-week internship in summer 2019 as part of the Nan-O-Style project at the Faculty of Life Sciences. Her report was announced as one of the top 20 internship reports by the Austrian Research Promotion Agency (the Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)). The internship supervisor Martin Himly and team from the Department of Life Sciences extend their congratulations!
    From 5 to 22 November, 2019, Südwind, in cooperation with the University of Salzburg, invites experts to the join in the topic of global inequalities and offers a diverse program: 13 events of the series "REDUCE INEQUALITIES think globally - act sustainably" from different perspectives with global issues and their interaction with the local and individual levels.
    Stage show together with Florian Eisner. Creepy and funny - murderous and entertaining. In their one and a half hour program, Bernhard Aichner and Florian Eisner impressively prove that excitement, humor and music are wonderfully combined.
    An international conference, 13 - 15 November, 2019, organized by SALZBURG MUSEUM and theUNIVERSITY OF SALZBURG, Conference Director: Univ.-Prof. Dr. Christoph Kühberger.
    Date: 14.11.2019 // Time: 18: 30h s.t. - 20: 00h // Location: Hörsaal 207 of the Faculty of Law,the University of Salzburg // Churfürststraße 1 // A-5020 Salzburg // (access signposted)
    Priv-Doz. Dr. Matthias Kropf will give a guest lecture on the subject of "Phylogeographical Studies of selected Steppe Plants in the Pannonian and Western Pontic Region" on 15 November, 2019, at 14:00 in HS 421 of the Faculty of Natural Sciences, Hellbrunnerstrasse 34. The Department of Life Sciences invites you to attend!
    Margit Reiter, new professor for European Contemporary History at the Department of History since WS 2019, presents her new book "Die Ehemaligen" in HS 381, GesWi, Rudolfskai 42, on 20 November.
    The FB KoWi cordially invites you to attend a guest lecture on “How News Use is Changing Across the World”. Richard Fletcher - Reuters Institute, University of Oxford.
    As part of the lecture series, Geschichte im Gespräch, and the lecture "Fundamentals of Medieval History (Christina Antenhofer)", Thorsten Hiltmann (Münster) will give a lecture on 26 November, 2019, at 09: 00h in HS 380 on Medieval Heraldry between Cultural History and New Digital Methods.
    THURSDAY, 21 Nov.: LECTURES (08.30-19:00h) at Wissenschaft & Kunst, Bergstr. 12a, KunstQuartier, Studio 1.OG // FRIDAY, 22 Nov: EXCURSION (08:30-16:00h) Memorial Concentration Camp Ebensee, memorial Mauthausen. Departure: At 08:30, from Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1.
    The Department of Slavonic Studies would like to cordially invite you, together with the cultural center DAS KINO, to the fourth part of our successful cinema series of East and Central European films. The film club "Slawistyka, Slavistika, Cлавистика" presents award-winning current Polish, Russian and Czech films with social and political themes.
    28 to 30, November, 2019 - Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Department of Music and Dance Studies, Dance Studio, Room 2.105, 2nd floor.
    The Department of Linguistics invites all interested parties to participate in the 45th Austrian Linguistic Congress. The event will take place on the 6th and 7th of December, 2019, at the Unipark Nonntal. The registration deadline has been extended until 07.11.2019. See the programme for registration fees.
  • Veranstaltungen
  • 13.11.19 Bestsellerautor Bernhard Aichner präsentiert seinen neuesten Thriller „DER FUND“
    14.11.19 Symposion "Wirtschaftliche Betrachtungsweise"
    14.11.19 Maibaum 4.0 – Unsere kulturelle Zukunft am Land
    14.11.19 Salzburger Museen und Sammlungen - Geschichte vor Ort. Geschichtsforschung und Geschichtsdarstellung im Salzburger Freilichtmuseum. Von einer Hausübertragung bis zur Dokumentation des frühen ländlichen Fremdenverkehrs in Salzburg
    14.11.19 Salzburger Juristische Gesellschaft
    14.11.19 Group Singing: Positive Intervention in the Lives of People with Parkinson’s / Positive Auswirkungen des Chorgesangs auf Patientinnen und Patienten mit Parkinson
    15.11.19 Symposion "Wirtschaftliche Betrachtungsweise"
    15.11.19 Group Singing: Positive Intervention in the Lives of People with Parkinson’s / Positive Auswirkungen des Chorgesangs auf Patientinnen und Patienten mit Parkinson
    15.11.19 Phylogeographical studies of selected steppe plants in the Pannonian and Western Pontic region
  • Alumni Club
  • PRESS
  • Uni-Shop
  • University of Salzburg's facebook site University of Salzburg's twitter site University of Salzburg's instagram site University of Salzburg's flickr site University of Salzburg's vimeo site