13.11.2017

Reinhard Krammer (1949 - 2017)

Nachruf

Reinhard Krammer wurde am 8. April 1949 in Radstadt geboren. Von 1968 bis 1975 studierte er an der Universität Salzburg die Fächer Geschichte, Leibeserziehung und Englisch für das Lehramt und begann 1973 seine Tätigkeit als BHS-Lehrer an der Bundeshandelsakademie II in Salzburg. Bereits während der Studienzeit lernte er seine spätere Ehefrau Ulrike kennen, welche ebenfalls in den Lehrberuf im Bereich der Volksschule eintrat. Gemeinsam bekamen sie zwei Söhne. Sein Interesse an Sport, Geschichte und der Arbeiterkultur zusammenführend, setzte er bereits während seines Studiums einen frühen Forschungsschwerpunkt auf die Geschichte des Arbeitersports und promovierte 1979 zum Thema „Die Arbeitersportbewegung in Österreich: von den Anfängen bis zum Ende der Ersten Republik“.

Im Anschluss an die Promotion trat als neuer Interessensschwerpunkt die Geschichtsdidaktik in den Vordergrund. Reinhard Krammer engagierte sich zunehmend in der LehrerInnen-Ausbildung. Hierzu übernahm er Lehraufträge an der Pädagogischen Akademie Salzburg, am Pädagogischen Institut des Bundes in Salzburg sowie an der Universität Salzburg. Ab 1992 bekleidete er die Position des Geschichtsdidaktikers am Institut für (später: Fachbereich) Geschichte der Universität Salzburg. 2004 habilitierte er im Fach Geschichtsdidaktik mit einer Monographie über die Entwicklungsgeschichte der österreichischen Mittelschulen zwischen 1849 und 1914 („Intention und Prozess im Geschichtsunterricht“). Als Außerordentlicher Universitätsprofessor schied er 2011 aufgrund seiner gesundheitlichen Situation aus dem Dienst. Bereits während seiner Tätigkeit als Lehrer war er an Parkinson erkrankt, und obwohl die Krankheit einen langsamen Verlauf nahm, war ihm die Lehrtätigkeit zuletzt nicht mehr möglich.

Durch seine reiche Publikationstätigkeit (u.a. als Mitherausgeber der Reihe „Österreichische Beiträge zur Geschichtsdidaktik)“, eine intensive geschichts- und politikdidaktische Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, sein überregionales Bemühen in der LehrerInnen-Fortbildung und seine engagierte Förderung des fachdidaktischen Nachwuchses, dem er als Mentor zur Seite stand, begründete Reinhard Krammer eine international anerkannte Schule österreichischer Geschichtsdidaktik, die theoriegeleitet, empirisch fundiert und an den Erfordernissen der Unterrichtspraxis orientiert ist. Sein Bemühen um Vernetzung der geschichts- und politikdidaktisch Einrichtungen führte 2006 zur Gründung der Zentralen Arbeitsstelle für Geschichtsdidaktik und Politische Bildung an der Universität Salzburg, einer hochschulübergreifenden Entwicklungs- und Forschungseinrichtung, die er bis 2010 leitete.

Als Geschichtsdidaktiker erwarb er sich in Österreich einen beispiellosen Ruf, zudem setzte er Maßstäbe im Bereich der kompetenzorientierten Politischen Bildung, insbesondere durch seine federführende Entwicklung und der unterrichtspraktischen Nutzbarmachung des österreichischen Kompetenz-Strukturmodells für Politische Bildung. Inhaltlich verstand sich Reinhard Krammer als Vertreter des „Geschichtsbewusstseins“-Paradigmas und setzte sich für einen Geschichtsunterricht ein, der an der Herausbildung reflektierten und selbstreflexiven historischen Denkens orientiert sein soll. Hierzu war er u.a. Leiter des Teilprojektes „Unterrichtsanalyse und Unterrichtsprofilierung“ des Internationalen Projekts FUER Geschichtsbewusstsein, in dessen Leitungsteam er zwischen 2001 und 2007 an der Entwicklung des „Kompetenz-Strukturmodell historischen Denkens“ mitarbeitete.

Durch seine unermüdliche Arbeit an der Etablierung einer wissenschaftlichen Geschichts- und Politikdidaktik im universitären Setting hat er nicht nur an der Universität Salzburg tiefe Spuren hinterlassen, sondern auch andere Standorte mitgeprägt. Sein fachliches Erbe in Österreich, nämlich die Einrichtung einer Universitätsprofessur für Geschichts- und Politikdidaktik an der Universität Salzburg konnte er noch miterleben und hat sich auch bis zuletzt über die Dynamiken im Bereich der Geschichts- und Politikdidaktik an anderen Universitäten und Hochschulen erfreut gezeigt.

Als Persönlichkeit zeichnete sich Reinhard Krammer durch Humor, herzlichen Umgang, fachliche Leidenschaft, praktische Intelligenz, analytische Schärfe, Sprachgewandtheit und Warmherzigkeit aus. Seine manifeste Begeisterung für den Lehrberuf sowie für das Unterrichten von SchülerInnen brachten ihm zusammen mit seinem Verständnis für die die praktischen Nöte der Lehrpersonen hohes Ansehen bei seinen Studierenden und bei den LehrerInnen in der Praxis ein.

Der Fachbereich Geschichte ist Reinhard Krammer dankbar für seine menschlichen und wissenschaftlichen Leistungen. Er wird ihm als Wissenschaftler, Mensch und Freund ein ehrendes Andenken bewahren.

Salzburg, am 9.11.2017 Heinrich Ammerer und Christoph Kühberger (Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg)

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