Exkursionen

 

Exkursionen: Römisches Recht und Europäische Privatrechtssysteme

Vor nunmehr 26 Jahren haben wir (nach einer durch Personalwechsel bedingten Pause) die beliebte Tradition unseres Institutes (ehemals Institut für Römisches Recht, Juristische Dogmengeschichte und Allgemeine Privatrechtsdogmatik), eine Seminarexkursion nach Italien zu organisieren, wieder aufgenommen. Nach einer gelungenen „Probeexkursion“ nach Ravenna und Padua fiel es nicht schwer, den damaligen Lehrstuhlvertreter und nunmehrigen Nachfolger auf den Lehrstuhl von Univ.-Prof. Wolfgang Waldstein, Univ.-Prof. J. Michael Rainer, für die weitere Durchführung von Exkursionen zu gewinnen. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiterteam hat er daraufhin alljährlich die Exkursionen organisiert und geleitet.

Als glückliche Fügung erwies sich dabei, dass Michael Rainer wie kein anderer mit Geschichte, Kultur, Recht und Universitäten Italiens vertraut ist, da er selbst lange Zeit in Italien zugebracht hat. Als exzellenter Kenner Italiens konnte er daher stets selbst als Seminarleiter sämtliche Führungen und zahlreiche Vorträge bestreiten und wie kein anderer den Exkursionsteilnehmern die komplexen Zusammenhänge der Rechtsentwicklung über die Jahrhunderte an den „Originalschauplätzen“ näher bringen. Durch die große Breite seiner fesselnden Ausführungen gelang es ihm immer wieder, die Exkursionsteilnehmer zu begeistern und damit zu Höchstleistungen wie Marathonmärschen in Roms Innenstadt, Vesuvbesteigungen oder zusätzlichen freiwilligen Besichtigungen am „freien Nachmittag“ anzuspornen. Nach den Anstrengungen des Tages wurden die Exkursionsteilnehmer aber regelmäßig durch die umfassende abendliche Einführung in die italienische Ess- und Trinkkultur belohnt.

Die ersten „großen“ Exkursionen führten 1994 nach Rom, 1995 bis nach Neapel, wo auch zum ersten Mal unsere dortige Partneruniversität besucht wurde. Nachdem Michael Rainer auch maßgeblich das Netz der Kooperationen zwischen den Universitäten im Rahmen des Erasmus- / Sokratesprogramms aufgebaut hat, wurden die Exkursionen auch so oft als möglich mit Besuchen bei Partneruniversitäten und befreundeten Institutionen verbunden. Aufgrund des großen Erfolges der ersten Romexkursion konnten trotz Buchung eines der größten Reisebusse im nächsten Jahr nicht alle Interessenten mitgenommen werden. Das große Interesse bestärkte aber die Organisatoren darin, die oft mühsame Vorbereitung der Exkursionen weiterhin auf sich zu nehmen.

 

In den weiteren Jahren wurden die Exkursionen mit variierenden thematischen Schwerpunkten zu unterschiedlichen Destinationen durchgeführt. So etwa zu den alten Universitätsstädten Oberitaliens, nach Verona, als Aufbewahrungsort der Gaiusinstitutionen mit zahlreichen Spuren der römischen Zivilisation oder zu den Wirkungsstätten der Postglossatoren. Dazwischen blieb aber immer wieder Rom ein äußerst beliebtes und stets lohnendes Ziel, um auf den Spuren des Römischen Rechts und seiner weiteren Entwicklung zu wandeln, aber auch ein anderes europäisches Privatrechtssystem kennenzulernen. Dabei wurde die Fahrtroute dorthin immer variiert, um auf der Hin- und Rückreise noch weitere interessante Orte und Partneruniversitäten zu besuchen, wobei sich oft weitere Begegnungen und Kontakt ergaben: so wurde der Gruppe etwa vom Leiter der archäologischen Abteilung des Vatikans eine Spezialführung in Castel Gandolfo zuteil, in Verona bereiteten dortige Universitätskollegen den Besuch der Kapitularbibliothek vor, an der Universität Bologna wurden die Exkursionsteilnehmer mit einem Empfang überrascht und in Arezzo wurden vom Bürgermeister spontan weitere Besichtigungen ermöglicht. Der Bürgermeister von Ravenna, der anlässlich der Eröffnung der Ausstellung der ravennatischen Mosaike in der Sala Terrena unserer Fakultät zufällig mit Prof. Rainer zusammentraf, der von der bevorstehenden Exkursion nach Ravenna berichtete, gab für die Exkursionsteilnehmer wenige Monate später in Ravenna sogar einen Empfang im dortigen Rathaus.

Mit der Ausrichtung und Organisation derartiger Exkursionen wollen die Veranstalter aber nicht nur die Materie des Römischen Rechts und die wechselvolle Geschichte seiner weiteren Entwicklung in den europäischen Privatrechtssystemen anschaulicher näher bringen, in einen weiteren Kontext stellen und von anderen Seiten beleuchten, um damit auch den Studenten eine breitere Sichtweise zu ermöglichen, sondern bewusst das leben, was die universitas ursprünglich bedeutete und wofür in der heutigen Zeit immer weniger Raum zur Verfügung steht, die universitas als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden. Neben einer wissenschaftlichen und allgemeinbildenden Funktion dieser Unternehmungen steht damit auch ein starker sozialer Aspekt im Vordergrund. Außerhalb des Hörsaals wurden in den letzten Jahren zahlreiche Freundschaften für das gesamte Studium und hoffentlich auch darüber hinaus begründet, Interesse am Studium im Ausland geweckt und Kontakte zu den Studierenden geknüpft, die auch nach Verlassen der Universität andauern. Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass die Veranstalter es doch immer wieder auf sich nehmen, derartige Exkursionen zu organisieren und durchzuführen.

 

 

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