Überschrift: Consumer and Social Cognition
Leiter: Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Jochim Hansen
StudienassistentIn:

Chiara Jutzi

PraktikantInnen:

Verena Finsterwalder

Felicitas Knape

Unsere Forschungsinteressen liegen im Bereich der sozialen Kognition. Hierbei forschen wir zur­zeit in zwei wichtigen Bereichen: Zum einen untersuchen wir die Folgen von processing fluency (Verarbeitungsleichtigkeit) auf soziale Urteile und Entscheidungen. Zum anderen be­schäf­tigen wir uns mit den situativen Einflüssen auf das sogenannte construal level (Ab­strak­tionsniveau mentaler Repräsentationen) sowie dessen Konsequenzen für Verhalten, Er­le­ben und soziale Urteile. Dementsprechend bringt unser Forschungsprogramm die Aspekte der kog­nitiven Verarbeitung (processing fluency) und der mentalen Re­prä­sen­tation (construal level) zusammen, die beide wichtig sind, wenn Urteile und Entscheidungen im sozialen Kon­text getroffen werden.  

 

 

Processing Fluency  

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt bezieht sich auf die Auswirkungen des Erlebens von Ver­arbeitungsleichtigkeit auf soziale Urteile. Informationsverarbeitungsprozesse sind häufig von verschiedenen subjektiven Erfahrungen be­gleitet, wie die erlebte Leichtigkeit des Informationsabrufs oder der Enkodierung, welche die soziale Urteilsbildung beein­­flussen. Bei­­spiels­weise verändert die Leichtigkeit, mit der man Informationen über sich selbst abruft, Ur­teile über das Selbst (Schwarz et al., 1991). In unserer Forschung untersuchen wir die Grund-Hy­pothese, dass Erleben der kognitiven Verarbeitung vor allem dann relevant und informativ für soziale Urteile und Entscheidungen wird, wenn es vom situativen Kontext abweicht. Die­ser Kontext kann eine vorhergehende Erwartung bezüglich der Verarbeitungsleichtigkeit sein oder die soziale Situation, in der das Erleben stattfindet. In mehreren Studien konnten wir zei­gen, dass die Verarbeitungsleichtigkeit z.B. Wahrheits- oder Mögens-Urteile besonders dann be­einflusst, wenn die fluency vom Kontext abweicht. Unsere der­zeitige For­schung konzentriert sich auf die situativen Randbedingungen und die ver­mittelnden Prozesse die­ser Effekte. Zwei Überblicksarbeiten fassen den Stand unserer Forschung zu processing fluency zusammen (Hansen & Wänke, 2013; Wänke & Hansen, 2015).  

 

 

Construal Level  

Ein zweiter Bereich bezieht sich auf die situ­a­ti­ven De­­ter­mi­nanten und Konsequenzen des construal levels, d.h. des Abstraktheitsniveaus, auf dem Menschen ihre subjektive Realität mental repräsentieren. Denn bei der subjektiven Kon­struk­tion der sozialen Wirklichkeit können unterschiedliche Stimulus-Merkmale fokussiert wer­den, die von Situation zu Situation und Individuum zu In­di­vi­du­um variieren. Eine wich­ti­ge Dimension hier­bei ist das Abstraktionsniveau (construal level). Das Verhalten „Klavier spie­len“ kann z.B. konkret als „Tasten drücken“ gesehen werden oder abstrakt als „Musik ma­chen“. Als ein wich­tiger Faktor, der das construal level beeinflusst, ist psychologische Di­stanz identifiziert wor­den (Trope & Liberman, 2003, 2010).  

Unsere Forschung untersucht weitere interessante situative Determinanten des construal levels so­wie Konsequenzen für Erleben, Verhalten und soziale Urteile. Auf Seite der Determinanten konn­­ten wir z.B. zeigen, dass Gedanken an Geld und/oder Luxus abstraktere Repräsentationen be­­wirken (Hansen, Kutzner & Wänke, 2013; Hansen & Wänke, 2011). Auch führen be­stimm­te musikalische Sounds, die psychologisch fern erscheinen (z.B. durch Hall oder neuartige Har­­mo­nien), zu abstrakteren Repräsentationen und zu entsprechenden Auswirkungen auf Pro­dukt­­ur­teile und Konsumentscheidungen (Hansen, & Melzner, 2014).

Auf Seite der Konsequenzen konnten wir zeigen, dass das construal level sich auf Erleben aus­wirkt, beispielsweise auf das Zeiterleben: Zeit vergeht subjektiv schneller, wenn Situationen kon­kret repräsentiert werden, als wenn Situationen abstrakt repräsentiert werden (Hansen & Tro­pe, 2013). Construal level wirkt sich auch auf Wahrheitsurteile aus: Konkret formulierte Aus­sa­gen werden eher für wahr gehalten als abstrakt formulierte, wobei dieser Effekt durch psy­cho­logische Distanz und ein abstraktes Mindset moderiert wird (Hansen & Wänke, 2010). Wir konn­ten ferner zeigen, dass sich das construal level (manipuliert über psychologische Di­stanz) auf die Wahr­nehmung von Kausalität auswirkt: Bei Ereignissen, die räumlich, zeitlich oder so­zial fern statt­finden, fokussieren Personen eher auf Ursachen, während bei Ereignissen, die nah sind, eher deren Effekte im Fokus der Aufmerksamkeit stehen (Hansen, Rim & Fiedler, 2013; Rim, Hansen & Trope, 2013).  

Auch haben wir Einflüsse des construal levels auf Ver­hal­ten gefunden: Das zurzeit größte Pro­jekt (gefördert vom öster­rei­chi­schen Wis­sen­schafts­fonds FWF) untersucht die Einflüsse von psychologischer Distanz auf die Imitation des Ver­hal­tens anderer Personen. Hier konnten wir auf breiter Ebene zeigen, dass sich Distanz auf Imi­tation von Bewegungen und von Zielen, auf behaviorale und emotionale Mimikry sowie auf Imitation im Konsumverhalten auswirkt. Beispielsweise werden Bewegungen (z.B. Ge­sten) eher bei konkret repräsentierten und räumlich nahen Modellen imitiert (Hansen, Alves & Trope, in press).

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