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Forschungsfragen

Wir wollen die verschiedenen Prozesse untersuchen, die mit dem Erleben und Bewältigen von Bedrohungen wie neuronaler, physiologischer, sozial-kognitiver, affektiver und motivationaler Perspektive verbunden sind. Im Vordergrund unserer Forschung steht, dass wir unser allgemeines Prozessmodell der Bedrohung und Verteidigung testen und verbessern (Jonas et al., 2014) sowie unser Loop2Loop-Modell der sozialen Interaktion (Jonas, 2015, Jonas & Bierhoff, nd; Jonas & Steindl, nd). 

Letztlich hoffen wir, zu den Bemühungen zum Verständnis und zur Erläuterung der Wahrnehmung, Erfahrung und Reaktionen der Menschen auf Bedrohungen in der Welt beizutragen; Um neuronale Korrelate der Erfahrung der Bedrohung aufzudecken; Und Interventionen zu begeistern, um weiter nützliche Verteidigungsstrategien  im Umgang mit Bedrohungen zu erforschen.

 

 

Theoretische Fundierung

Unsere Forschung beruht hauptsächlich auf folgenden drei Theorien:

  • Terror-management theory (Greenberg, Solomon, & Pyszczynski, 1997)
  • Reinforcement sensitivity theory (Gray & McNaughton, 2000; McNaughton & Corr, 2004)
  • Meaning maintenance model (Proulx & Inzlicht, 2012) 

Diese und andere Theorien sowie eine Vielzahl von experimentellen Ergebnissen haben uns dazu veranlasst, ein allgemeines Prozessmodell der Bedrohung und Verteidigung und des Loop2Loop-Modells der sozialen Interaktion zu postulieren. In diesen Modellen beschreiben wir, wie Menschen im Allgemeinen auf Bedrohungen mit direkten und indirekten Reaktionen reagieren.

Hier werden Bedrohungen als wahrgenommene Diskrepanzen zwischen drei Aspekten definiert: Wahrnehmung der Situation, kognitiver Fokus (Bedeutungs-Frameworks) und Motive (Bedürfnisse / Intentionen / Ziele). Proximale Reaktionen auf Bedrohungen sind durch Vermeidung gekennzeichnet, hervorgerufen durch das Verhaltenshemmungssystemen (BIS), während distale Reaktionen durch den Ziel-/Gewinnfokus des Verhaltensaktivierungssystems (BAS) gekennzeichnet werden. Proximale Abwehrkräfte gegen Bedrohungen können die Unterbrechung des laufenden Verhaltens, sowie ängstliche Erregung, Wachsamkeit und passive Vermeidung umfassen. Distale Verteidigung kann in eine Kombination von zwei Dimensionen fallen: konkrete/abstrakte Verteidigungsstrategien oder persönliche/soziale Abwehrmechanismen.

 

 

Forschungsergebnisse

Im Rahmen unserer laufenden Bemühungen, unsere Forschungsfragen zu beantworten, ist dies eine kleine Auswahl unserer Forschungsergebnisse:

  • Mortalitätsalienz erhöht das späte positive Potenzial - ein Indikator für motivierte Aufmerksamkeit (Klackl, Jonas, & Kronbichler, 2013)
  • Sowohl Mortalitätsalienz als auch Unkontrollierbarkeit aktivieren die anterior cinguläre Kortex - eine Schlüsselregion der BIS - und erhöhen das späte positive Potenzial (Klackl, Jonas & Fritsche, 2017)
  • Selbstbewusstsein fungiert als Puffer für die Erfahrung des Sterblichkeitsgefühls, wie der moderierende Einfluß von Selbstwertgefühls auf die vordere Insula und die bilaterale ventrolaterale präfrontale und mediale orbitofrontale Kortex zeigt (Klackl, Jonas, & Kronbichler, 2014)
  • Die Illusion von Kontrolle erhöht reward positivity und Stimulus vor Negativität (Mühlberger, Angus, Jonas, Harmon-Jones, & Harmon-Jones, 2016)
  • Menschen mit hohem Kontrollbedarf zeigen eine erhöhte Rechtsfrontale-Asymmetrie nach Mortalitätsalienz (Agroskin, Jonas, Klackl & Prentice, 2016).

 

 

Paradigmen (unabhängige Variablen)

Wir verwenden eine Kombination verschiedener Aufgaben, um Bedrohungen im Labor zu erzeugen und zu vergleichen, wie zum Beispiel Vorstellungs- oder Erinnerungsaufgaben, passive Betrachtungsaufgaben und ökologisch gültigere Performance- oder Erfahrungsaufgaben.

  • Phantasie / Erinnerungsaufgaben: Anleitung, sich bestimmte Situationen vorzustellen oder zu erinnern, die Mortalitätsalienz, Freiheitsdrohung, Isolationsbedrohung, Unkontrollierbarkeit, sozial-evaluative Bedrohung, Terrorismus und Ungewissheit beinhalten.
  • Passive Betrachtungsaufgaben: z. B. umgekehrte Farbspielkarten, um Sinnverletzung zu veranlassen.
  • Leistungsaufgaben: z. B. Selbstdarstellungsaufgabe, um sozial-evaluative Bedrohungen zu induzieren.

 

 

Messungen (abhängige Variablen)

Da es nur einen relativ kleinen Zusammenhang zwischen persönlich berichteten Wahrnehmungen und neurologisch-physiologischen Indikatoren dieser Erfahrung gibt, verwenden wir eine Vielzahl von interdisziplinären Maßen, um mehrere Komponenten derselben Erfahrung zu erfassen. Wichtig ist, dass die Verwendung von neuronalen und physiologischen Maßen nicht der sozialen Erwünschtheit unterliegen und somit Limitationen des Bewusstseins und der Berichterstattung umgangen werden können.

  • Self-Report-Fragebögen: zur Messung von Gruppen- und individuellen Unterschieden in Emotionen, Persönlichkeit und Verhalten (Angst, BIS / BAS, Kernwirkung, Bedürfnisse, Worldview Verteidigung, Outgroup-Ausnahmeregelung, Geschlechterrollen)
  • Reaktionszeit-Aufgaben: passendes Maß für Assoziationen und Aktionstendenzen (Ansatz-Vermeidungs-Aufgabe)
  • Elektroenzephalographie (EEG): frontale Alpha-Asymmetrie, Zeitfrequenz, ereignisbezogene Potentiale, Phasenamplitudenkopplung, Amplitudenamplitudenkopplung
  • Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI): Hirnaktivität und Funktionskonnektivität (dynamische Kausalmodellierung, Graphentheorie)
  • Physiologie: Elektrokardiographie, Impedanzkardiographie, Hautleitfähigkeit, Blutdruck und Atmung
  • Hormone: Cortisol, Testosteron, Estradiol, Oxytocin und Menstruationszyklus Effekte
  • Eye-Tracking: zur Ermittlung der Erregung (Pupillenerweiterung) sowie aufmerksame Wachsamkeit und Vermeidung.

 

 

Literatur

Agroskin, D., Jonas, E., Klackl, J., & Prentice, M. (2016). Inhibition Underlies the Effect of High Need for Closure on Cultural Closed-Mindedness under Mortality Salience. Frontiers in Psychology, 7(1583), 1–16. http://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.01583
Gray, J. A., & McNaughton, N. (2000). The neuropsychology of anxiety: An enquiry into the function of the septo-hippocampal system. (2nd ed.). Oxford, England: Oxford University Press.
Greenberg, J., Solomon, S., & Pyszczynski, T. (1997). Terror management theory of self- esteem and social behavior: Empirical assessments and conceptual refinements. In M. P. Zanna (Ed.), Advances in Experimental Social Psychology (p. Vol. 29, 61–139).
Jonas, E. (2015). Fairness lohnt sich! In M. Dimitriou & G. Schweiger (Eds.), Fairness und Fairplay (pp. 23–49). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. http://doi.org/10.1007/978-3-658-08675-6_2
Jonas, E., McGregor, I., Klackl, J., Agroskin, D., Fritsche, I., Holbrook, C., … Quirin, M. (2014). Threat and Defense. In Advances in Experimental Social Psychology (1st ed., Vol. 49, pp. 219–286). Elsevier Inc. http://doi.org/10.1016/B978-0-12-800052-6.00004-4
Jonas, E., & Steindl, C. (n.d.). Editorial: Social cognition, motivation, and interaction: How do people respond to threats in social interactions?
Klackl, J., Jonas, E., & Fritsche, I. (2017). Neural evidence that the behavioral inhibition system is involved in existential threat processing. Manuscript submitted for publication.
Klackl, J., Jonas, E., & Kronbichler, M. (2013). Existential neuroscience: Neurophysiological correlates of proximal defenses against death-related thoughts. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 8(3), 333–340. http://doi.org/10.1093/scan/nss003
Klackl, J., Jonas, E., & Kronbichler, M. (2014). Existential neuroscience: Self-esteem moderates neuronal responses to mortality-related stimuli. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 9, 1754–1761. http://doi.org/10.1093/scan/nst167
McNaughton, N., & Corr, P. J. (2004). A two-dimensional neuropsychology of defense: fear/anxiety and defensive distance. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 28(3), 285–305. http://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2004.03.005
Mühlberger, C., Angus, D. J., Jonas, E., Harmon-Jones, C., & Harmon-Jones, E. (2016). Perceived control increases the reward positivity and stimulus preceding negativity. Psychophysiology, 0. http://doi.org/10.1111/psyp.12786
Proulx, T., & Inzlicht, M. (2012). The Five “A”s of Meaning Maintenance: Finding Meaning in the Theories of Sense-Making. Psychological Inquiry, 23(4), 317–335. http://doi.org/10.1080/1047840X.2012.702372

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